Ortschaftsrat sichert dem Ortsbürgermeister vollen Rückhalt zu / Es geht um 250 Euro für den TSV

Wegen Streit mit der Stadt: Uwe Bartels stellt die Vertrauensfrage

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Er ist Spieler, Trainer und Vorsitzender des TSV Adler Jahrstedt. Um den städtischen Zuschuss für das Vereinsjubiläum, der um 250 Euro geringer ausfiel als in Schwiesau, gibt es Streit mit der Verwaltung. Deshalb bot Uwe Bartels (2. v. r.) am Montagabend seinen Rücktritt als Ortsbürgermeister an. Das lehnte der Rat ab.

Jahrstedt. „Soll ich weiter Ortsbürgermeister sein oder soll ich mein Amt räumen?“ Uwe Bartels stellte am Montagabend im Jahrstedter Ortschaftsrat die Vertrauensfrage. Eigentlich wollte er das im nichtöffentlichen Teil tun.

Das Vereinsjubiläum des TSV im Sommer war keinesfalls auf ein Fußballspiel beschränkt, argumentierte Uwe Bartels. Alle Einwohner waren eingeladen, die Frauen grillten, es gab ein Turnier und ein Rahmenprogramm sowie Spiele für die Kinder.

Die Äußerungen in der Einwohnerfragestunde bewogen ihn jedoch, das Thema im öffentlichen Teil anzuschneiden. Gleich mehrere Einwohner hatten zuvor ihrem Unmut über die Verwaltung in Klötze Luft gemacht. Allen voran Ralf Düring. Der Böckwitzer berichtete, dass er nach seiner Anfrage bei der Oktobersitzung, als er nach einer Straßenlaterne und einem Gehweg für Böckwitz fragte, von der Verwaltung keine Antwort bekommen hatte. Im Klötzer Rathaus erhielt er die Antwort, dass der Vorschlag nicht bekannt sei, dabei wurde er im Protokoll vermerkt. „Lesen die die Protokolle denn nicht?“, fragte der Böckwitzer und kritisierte die Arbeit der Verwaltung. Dass es keine Rückmeldungen aus dem Klötzer Rathaus an den Ortsbürgermeister oder den Ortschaftsrat gebe, hatte auch Uwe Bartels in der Vergangenheit mehrfach angesprochen.

Ganz aktuell geht es um die Frage, warum der Jahrstedter Sportverein für sein Jubiläum im Sommer einen geringeren Zuschuss erhalten habe als der gleich alte Schwiesauer Sportverein. Mehrfach wurde das Thema bereits vom Ortsbürgermeister, der seit 24 Jahren auch Vorsitzender des TSV Adler Jahrstedt ist, im Hauptausschuss und im Stadtrat angesprochen. „Es geht um die Person Uwe Bartels“, vermutete er. Denn inzwischen gebe es aus der Verwaltung vier verschiedene Begründungen, warum so entschieden wurde.

„Hans-Jürgen Zeitz hat schon aufgegeben, ich soll wohl der Nächste sein“, erinnerte Uwe Bartels an den Rücktritt seines Immekather Amtskollegen.

Während der Schwiesauer Sportverein einen Zuschuss von 500 Euro für sein Fest bekam, erhielt der TSV Adler nur 250 Euro. Als Argumente wurden von der Verwaltung genannt: Jahrstedt feiert häufiger, da in jedem Jahr ein Verein ein Jubiläum begeht. Auch den Hinweis auf die Betriebskosten, die in Jahrstedt komplett von der Stadt getragen werden, in Schwiesau aber nicht, gab es. „Zu Zeiten der Eigenständigkeit haben Gemeinde und Verein die Betriebskosten je zur Hälfte getragen“, erinnerte Uwe Bartels. Erst durch die Eingemeindung wurde das geändert. Ein weiteres Argument, das ihm gegenüber benannt wurde, war, dass die Feier nicht öffentlich war, weil „nur“ das Traditionsspiel Germenau gegen Jahrstedt stattgefunden habe. Das widerlegte Uwe Bartels, in dem er auf den Festkommers verwies, zu dem neben den Jahrstedter Vereinen auch der Kreissportbund und die Sportvereine aus der Umgebung eingeladen waren. Beim Sportfest gab es auch Spiel und Spaß für die Kinder und die Erwachsenen, zudem ein Fußballturnier, also keinesfalls nur das Traditionsspiel.

Argumentiert wurde ihm gegenüber auch, dass der Antrag der Schwiesauer „blumiger“ formuliert gewesen sei, während der von Jahrstedt eher formlos war. „Dann soll die Stadt ein allgemeines Formular für die Anträge erstellen“, regte Uwe Bartels an.

Sein Fazit: „Ich habe die Schnauze voll.“ Und er verwies auf die Äußerungen von Ralf Düring, dass die Verwaltung in Klötze ihre Aufgaben nicht erfülle. „Ich kämpfe nicht gegen die Stadt, sondern für die Demokratie“, betonte Uwe Bartels und erinnerte, dass in den Ortsteilen zusammen genauso wie in Klötze auch 5000 Menschen leben.

Uwe Bartels kann sich der vollen Unterstützung seines Ortschaftsrates und der Einwohner gewiss sein. Sein Rücktrittsangebot wurde abgeschmettert.

Ronny Bratke, stellvertretender Ortsbürgermeister und wie Bartels Mitglied des Stadtrates, informierte, dass auch er das Zuschuss-Thema im jüngsten Stadtrat angesprochen hatte. Dabei stellte er einen Widerspruch fest. Denn im Dezember-Stadtrat hatte Bürgermeister Matthias Mann gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass unterschiedliche Zuschüsse gezahlt werden. Anschließend erklärte er, er behalte sich vor, die Zuschüsse allein zu verteilen. „Die Stadt sollte ihren Fehler zugeben“, wünschte sich Ronny Bratke. „Wir sollten uns nicht die Vereine in Jahrstedt kaputt machen lassen“, wünschte sich Ortschaftsratsmitglied Maik Theisz, auch Vorsitzender des Angelvereins. „Wenn wir fünf Vereine haben und jedes Jahr ein Jubiläum feiern, ist das doch gut. Es zeigt, dass die Leute zusammenhalten.“ Wenn es eine Festlegung für einen einheitlichen Jubiläumszuschuss gibt, dann sollte dies auch eingehalten werden, so Maik Theisz. Wehrleiter Randy Schmidt erinnerte daran, dass bei den Feuerwehren so verfahren werde und es da keine Probleme gebe. Zu Uwe Bartels sagte er: „Wer soll das denn sonst machen? Mach’ das mal schön weiter“. Dem schloss sich auch Eckhard Bromann an: „Du hast unser uneingeschränktes Vertrauten. Wir möchten, dass du Ortsbürgermeister bleibst.“

Zum Abschluss ergriff noch einmal Ralf Düring als Einwohner das Wort: „Ihr seid gewählt, die in der Verwaltung sind nur berufen“, erinnerte er. Und Randy Schmidt ergänzte, dass sich die Mitarbeiter der Verwaltung auch einmal Gedanken machen sollten, wer sie eigentlich bezahlt.

Von Monika Schmidt

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