Ein Tag mit vielen Traditionen: AZ fragte nach

Knaller, Pfannkuchen und Bleigießen – Welche Silvesterbräuche lieben die Klötzer?

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Knaller und Raketen gehören bei Benjamin Borchert, seinem Sohn Tim (9) und Tochter Lilly (4) zu Silvester dazu. An andere Traditionen, wie das Bleigießen, glauben sie nicht.

Klötze. Bei den einen ist es der Heringssalat, bei anderen Pfannkuchen oder Bleigießen – für den letzten Tag des Jahres gibt es viele Traditionen. Die AZ hat in Klötze nachgefragt, wie die Purnitzstädter den 31. Dezember verbringen.

„Heringssalat gehört auf jeden Fall dazu. Das ist wie zu Weihnachten der Kartoffelsalat mit Bockwurst“, erzählt Domenique Sudt. Und auch Knaller und Raketen gehören bei ihr zum Silvesterprogramm. „Wobei ich Feuerwerk lieber mag. Das ist schön bunt, Böller sind einfach nur laut“, sagt die 29-Jährige. Auch Sohn Florian (4) freut sich besonders auf das Feuerwerk: „Ich mag die Bienchen und Frösche.“ Da Silvester so wie Heiligabend als „heilige Nacht“ gilt, wird es dadurch mit allerhand Brauchtum und Aberglauben in Verbindung gebracht. Nur wenige Leute sind sich bewusst, warum man in der Silvesternacht Knaller und Feuerwerke zündet. Pech, Dämonen und böse Geister sollen durch den Krach und die hellen Lichter vertrieben werden, sodass den Menschen ein glückliches neues Jahr bevorsteht. Dazu muss es aber nicht immer eine große Party sein, weiß Axel Wesemeyer. Der 53-Jährige verbringt den 31. Dezember lieber ruhig auf der Couch. „Um Mitternacht gehe ich dann runter auf die Straße und gucke mir das Feuerwerk der Nachbarn an.“ Früher hat er Bekannten immer einen Streich gespielt, erzählt er.

Auch Sprüche, wie „Guten Rutsch“, sind wie das Feuerwerk nicht bedeutungslos. Mit dem Guten Rutsch ist nicht wortwörtlich der Rutsch ins neue Jahr gemeint. Der Spruch wird von den jiddisch Worten „Gut Rosch“ abgeleitet, was so viel wie „guter Anfang“ bedeutet. Man wünscht sich demnach nicht nur einen guten Übergang in das neue Jahr, sondern auch einen guten Anfang und gutes Gelingen für geplante Vorhaben.

Wer in 2016 einen Geldsegen erhofft, sollte auf die Tradition der gefüllten Pfannkuchen zurückgreifen. „Das haben wir früher auch immer gemacht“, erinnert sich Axel Wesemeyer. Und auch bei Benjamin Borchert und seiner Familie gehört es zur festen Tradition. Demnach haben auf einem Teller voll Pfannkuchen zwei der süßen Leckereien eine etwas andere Füllung. Wer Glück hat, erwischt einen Pfannkuchen mit einem Geldstück darin, das ihm ein neues Jahr ohne finanzielle Nöte verspricht. Schlecht sieht es für diejenigen aus, die in den Senf gefüllten Pfannkuchen beißen. Der scharfe Geschmack in dem eigentlich süßen Gebäck sagt Pech für das neue Jahr voraus. „Wir machen aber immer nur einen mit Senf“, erzählt der 33-jährige Benjamin Borchert.

Ein italienischer Brauch besagt übrigens, dass man 31. Dezember Linsensuppe essen sollte, damit man im kommenden Jahr keine finanziellen Probleme und immer genug Geld hat. Die Linsen symbolisieren Geldmünzen. Viel Linsensuppe hilft entsprechend viel. Gleiches soll übrigens gelten, wenn man eine Schuppe des traditionellen Silvesterkarpfens aufhebt und sie das Jahr über in der Geldbörse mit sich herumträgt.

Bleigießen gehört ebenso wie das Feuerwerk bei vielen Klötzern zum traditionellen Silvesterabend und ist so wie Raketen, Luftschlangen und Co. kurz vor dem 31. Dezember in jedem Supermarkt erhältlich. Der lustige Partyspaß vertreibt die Zeit bis zur Jahreswende und verspricht einen Blick in die Zukunft. „Ich glaube nicht daran. Wir machen so was nicht“, erklärt Benjamin Borchert. „Ich wünsche mir einfach immer, dass das neue Jahr gut wird“, sagt sein Sohn Tim (9).

Beim Bleigießen wird das Blei erhitzt und zum Abkühlen in eine Schale mit kaltem Wasser geschüttet. Mit etwas Fantasie lassen sich in den erkalteten Bleistücken verschiedene Figuren erkennen. Den Bleigestalten werden unterschiedliche Bedeutungen zugesagt und können vielfältig interpretiert werden. Eine Pfeife heißt zum Beispiel, dass Gefahr im nächsten Jahr aufkommt, ein Vogel oder Stern sagt Glück voraus und eine Glocke oder ein Ei verheißen Nachwuchs im neuen Jahr. „Bei mir kommt dabei aber immer nur was Komisches raus“, lacht Domenique Sudt. „Die anderen können da immer tolle Sachen reininterpretieren und ich weiß immer nicht, was das für eine Form sein könnte“, erzählt sie. Davon, dass Silvesterwünsche in Erfüllung gehen können, ist sie überzeugt. „Meinen Freund habe ich zum Beispiel um 0 Uhr das erste Mal geküsst und das ist jetzt zwei Jahre her“, freut sie sich über das Silvesterglück.

Von Katharina Schulz

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