Festakt am 29. Mai für jeden offen

Viele Zufälle ergeben ein Bild: Interessantes aus den Recherchen zu Adolph Frank

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Die Mutter von Prof. Voswinckel war Schwester im Kaiserin Augusta-Viktoria-Haus in Berlin-Charlottenburg. Einen Briefumschlag mit der damaligen Anschrift Frankstraße ließ der Professor der Stadt Klötze für die Frank-Feierlichkeiten zukommen.

Klötze. Adolph Frank ist eine Persönlichkeit mit vielen Aspekten. Das hat der Ristedter Pfarrer Klaus Pacholik bei der näheren Beschäftigung mit dem Klötzer Chemiker festgestellt.

Klaus Pacholik hat bei seinen Recherchen über Adolph Frank eine Menge zufälliger Kontakte knüpfen können.

An einige dieser Aspekte hat er bei der Vorstellung des Programms für die Feierlichkeiten zum 100. Todestag von Frank Ende Mai erinnert. So sympathisierte Frank in jungen Jahren mit der 1848er Revolution. Aber im Laufe seines Lebens tätigte er viele Verhandlungen mit der preußischen Regierung. Seine Loyalität zum Kaiser wird durch die Ernennung zum Geheimen Regierungsrat dokumentiert. Es war 1911 wohl eine der letzten Ernennungen durch den Kaiser, bevor seine Macht von Volksvertretungen abgelöst wurde, vermutet Pacholik. Adolph Frank war als Chemiker und freier Berater tätig, er nannte sich „Zivilingenieur“, was seine Liebe zur Unabhängigkeit dokumentiert, hat Klaus Pacholik herausgefunden.

Spannende Fakten reihen sich auch um den Heubnerweg, die frühere Adolph-Frank-Straße, die 1919 nach dem Klötzer benannt wurde. Dort mit den Angehörigen Franks unter dem Straßenschild zu stehen, das künftig den erläuternden „Frühere Frank-Straße“ tragen wird, sieht Klaus Pacholik als den Höhepunkt der gesamten dreitägigen Feierlichkeiten an. Und dort schließt sich auch wieder ein Kreis von Zufällen, wie es bei den Recherchen zu Frank in den vergangenen Jahren eine Menge gegeben hat. Prof. Voswinckel aus Berlin, der die Klötzer auf den Sohn Paul Frank als Begründer des Rettungswesens in Berlin aufmerksam gemacht hatte, hat der Stadt einen Briefumschlag seiner Mutter zukommen lassen, die im Kaiserin Augusta-Viktoria-Haus als Schwester tätig war, zu der Zeit, als die Straße noch den Namen Franks trug. Die Straße wurde 1938, als die Nazis alles Jüdische verbannten, in Heubnerweg umbenannt, nach einem namhaften Kinderarzt der Charité.

Weitere Fakten und Geschichten aus dem Leben Franks und seiner Familie werden beim Festakt am Sonntag. 29. Mai, um 14 Uhr zu hören sein, wenn auch die Biografie über den „Sohn der Stadt Klötze“ vorgestellt wird. Jeder, der sich für das Leben von Frank interessiert, ist dazu eingeladen.

Dann wird auch eine Nachfahrin Adolph Franks ein Grußwort zu den Klötzern sprechen. Insgesamt 18 Familienangehörige aus den USA und England werden für die Feierlichkeiten nach Klötze kommen, kündigte Bürgermeister Matthias Mann an. Sie werden am Freitag, 27. Mai, in Empfang genommen. Am Sonnabend, 28. Mai, steht dann ein Ausflug nach Staßfurt auf dem Programm. Die Klötzer Organisatoren sind in engem Kontakt mit dem Staßfurter Oberbürgermeister Sven Wagener. Er wird auch am Sonntag nach Klötze kommen und am Montag mit einer Delegation seiner Stadt nach Berlin reisen. In Staßfurt stehen das Gymnasium sowie das Stadt- und Bergbaumuseum auf dem Programm, außerdem wird es eine Stadtrundfahrt geben.

Der eigentliche Festtag in Klötze am Sonntag, 29. Mai, beginnt um 10 Uhr mit der Einweihung einer neuen Stele auf dem Adolph-Frank-Platz, kündigte Matthias Mann an. Dazu wird eine Infotafel enthüllt. Anschließend starten die Angehörigen zu einer Kremserfahrt durch Klötze, bei der wichtige Stationen aus dem Leben ihres Vorfahren angesteuert werden sollen. Um 14 Uhr beginnt dann die Festveranstaltung, die musikalisch von Matthias Böhlert und Jens Drebenstedt umrahmt wird, die Stücke von Mendelssohn-Bartholdy spielen. Der Gemischte Chor Ristedt wird singen. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister werden die beiden Biografen Ulrike Krauße und Steffen Dobin einige Anerkennungen zum Leben und Wirken von Adolph Frank machen. Auch seine landwirtschaftliche Bedeutung sowie das Miteinander zwischen Gesellschaft, Kirche und Religion werden beleuchtet. Dazu spricht der Superintendent des Kirchenkreises Salzwedel, Matthias Heinrich. Außerdem wird Rabbiner Benjamin David Soussan über das jüdische Leben in Klötze sprechen.

Im Anschluss an den offiziellen Teil bleibt noch Zeit für Gespräche mit den Angehörigen. Auch die Verständigung mit den ausländischen Gästen ist dabei gesichert, vier bis fünf Dolmetscher kommen die gesamte Zeit über zum Einsatz.

Am Montag, 30. Mai, geht es dann mit dem Bus nach Berlin. Stadträte und Mitglieder des Arbeitskreises werden die Angehörigen begleiten. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Heubnerweg, um das Straßenerläuterungsschild zu enthüllen. Um 13 Uhr ist dann die offizielle Gedenkfeier in der Kapelle auf dem Louisenfriedhof, anschließend ist eine Kranzniederlegung am Grab der Familie Frank geplant. Klaus Pacholik bittet darum, dass jeder Teilnehmer einen Stein aus der Altmark mitbringt, um diesen, wie es jüdische Tradition ist, auf dem Grabstein abzulegen. Am Nachmittag wird die Delegation im Rathaus von Charlottenburg empfangen, bevor sich die Wege zwischen Klötzern und ihren Gästen trennen. Einige aus der Familie Frank werden am Dienstag noch in Berlin bleiben und auf den Spuren von Paul Frank wandeln. Sie werden das Rettungswesen und die Charité besichtigen.

Von Monika Schmidt

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