Im langjährigen Durchschnitt: Weißstörche ziehen im Naturpark Drömling 86 Junge auf

So viele Brutpaare wie noch nie im Naturpark Drömling

+
Einer der beiden Wenzer Altstörche beim Füttern seiner drei Jungen.

Drömling. Storchenvater Wolfgang Sender kann – zumindest was den Bruterfolg angeht – auf ein ganz normales Jahr seiner Schützlinge verweisen. 86 Jungstörche werden dieser Tage innerhalb des Naturparks Drömling flügge.

In Erwartung eines ordentlichen Happens können diese zuweilen ganz schön ruppig werden.

Im Vergleich zum Vorjahr sind das zwar sechs Junge weniger, auf den langjährigen Trend bezogen liegt der Wert jedoch im guten Mittelfeld. „Es hat auch schon Mal 117 flügge Junge gegeben – dann müssen aber viele Faktoren stimmen“, so Sender. Dafür kann bei der Anzahl der Brutpaare ein neuer Rekord vermeldet werden. 48 Paare hat der Naturpark-Mitarbeiter für diese Saison erfasst – das sind zwei mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie während der seit 1985 laufenden Datenerfassung, freut sich der Wassensdorfer. Für das Plus haben Adebare gesorgt, die neue Nester in Sauergrund bei Dannefeld und in Taterberg bezogen haben. In letzterem Ort wurde sogar ein Jungvogel aufgezogen. Das ist nicht selbstverständlich: So ging dieses Jahr etwa jedes fünfte Brutpaar leer aus – in zehn besetzten Nestern wird kein Junges ausfliegen. Das sei etwas mehr als sonst und hänge meist mit Revierkämpfen zusammen, bei denen die Gelege verlorengegangen sind. In Anbetracht von 34 Tagen Brut- und zwei Monaten Nestlingszeit ist es dann für ein sogenanntes Nachgelege in aller Regel zu spät.

Von den 37 erfolgreichen Paaren haben sieben ein Junges, 13 zwei Junge und 16 drei Junge aufgezogen. 4er Bruten gab es keine, dafür aber eine 5er Brut. Spitzenreiter ist das Miester Storchenmännchen, ein im französischem Elsass beringter Vogel, der dort seit vielen Jahren erfolgreich seine Jungen großzieht.

Der Franzose war es auch, der als erster Drömlingsstorch bereits am 2. Februar in Mieste eintraf, seine Partnerin folgte am 25. Februar. Zu den zeitig besetzten Horsten zählten zudem die in Dannefeld (10. 2.), Kunrau (3.3.) und Köckte (9.3.), die allesamt von meist in Spanien überwinternden Westziehern bezogen wurden. Die Ostzieher hatten dieses Jahr zum Teil deutlich länger benötigt. So traf beispielsweise der Kuseyer Storch, der laut dem mitgeführten Datenlogger fast bis zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika vorgedrungen war, erst am 1. Mai ein. Sein bereits besetztes Nest erkämpfte er sich zurück. Es waren wahrscheinlich Wetterkapriolen, so Sender, die den Vogel unterwegs aufhielten. Die Auswertung von zigtausenden GPS-Daten soll das klären.

Was den nicht zum Drömling zählenden restlichen Teil des Altkreises Klötze betrifft, auf den Sender auch immer ein Auge wirft, ist dort der Bruterfolg mit 23 Jungen in diesem Jahr in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. In Klötze, Immekath, Beetzendorf, Darnebeck und in Neuendorf hatte es drei Junge, in Nettgau, Audorf und Stapen zwei Junge sowie in Rohrberg und Tangeln ein Junges gegeben. Eine Kuriosität gab es in Hohenhenningen. Dort hatte das Storchenweibchen sämtliche Verehrer verjagt und versucht, alleine zu brüten. „Daraus konnte natürlich nichts werden“, muss Sender selbst etwas schmunzeln. Als sich die Storchendame schließlich doch noch besonnen hatte und sich auf einen Partner einließ, war es zu spät.

Etwas besorgniserregend sei, so der Storchenexperte, dass in Klein Apenburg in diesem Jahr und in Apenburg schon seit ein paar Jahren kein Storch mehr gebrütet hatte. „Das Biotop ist eigentlich ideal“, hat Sender keine Erklärung.

Von Matthias Mittank

Kommentare