Gerhard Schnüber: „Cäsium-Belastung hat sich wie erwartet halbiert“

Verstrahlte Pilze: In der Westaltmark kein Problem

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Es sind allem Maronen, die das 1986 in Tschernobyl freigesetzte Cäsium 137 aufnehmen. Pfifferlinge und Steinpilze, hier vom Klötzer Pilzsachverständigen Gerhard Schnüber präsentiert, spielen in Sachen Strahlenbelastung eine untergeordnete Rolle.

Klötze. 30 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl rückt das Thema Strahlenbelastung wieder in den Fokus.

Zurecht: Nach wie vor sind, vor allem in Süddeutschland, aber auch gebietsweise im Norden der Republik, Waldböden und die in diesem wachsenden Pilzen mit dem damals freigesetzten und abgeregneten Cäsium 137 belastet. „Die Belastung der Böden hat sich aber erwartungsgemäß halbiert“, weiß der Klötzer Gerhard Schnüber, der am Wochenende auf der Frühjahrstagung des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt (LVPS) in Dessau-Roßlau weilte.

Wer in der westlichen Altmark Pilze für die eigene Küche sammelt, geht nach Einschätzung des Klötzer Pilzsachverständigen kein Risiko ein. „Bei normalem Verzehr, also etwa einem Kilogramm pro Jahr, ist das gar kein Problem – bei 50 Kilogramm würde das natürlich anders aussehen“, so Schnüber.

Östlich der Elbe ist dagegen Vorsicht geboten. In einem gut 50 Kilometer langen Streifen bei Havelberg übersteige auch heute noch die Belastung mancher Speisepilze den EU-Grenzwert für Lebensmittel von 600 Becquerel pro Kilogramm. „Dort würde ich keine Pilze sammeln“, sagt der Klötzer.

Besonders betroffen in den belasteten Gebieten ist dabei der bei Sammlern für seinen Geschmack so geschätzte Maronen-Röhrling. In diesem reichert sich das Cäsium vor allem durch die Farbstoffe in der Huthaut an. „Bei Pfifferlingen ist das gar nicht der Fall und bei Steinpilzen weit weniger als bei Maronen“, erklärt Schnüber, der wegen der guten Wiedererkennbarkeit Gelegenheitssammlern nach wie vor empfiehlt, sich auf Maronen zu konzentrieren. Dieses Kriterium war übrigens unter anderem ausschlaggebend dafür, dass der Maronen-Röhrling 2016 im Rahmen des Europäischen Pilztages zum ersten „Speisepilz des Jahres“ proklamiert wurde.

Von Matthias Mittank

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