Urlaubsreisen zu DDR-Zeiten / Eine Sommerserie von Wolfram Weber / Teil 1: Ins Ausland

Erinnerungen: Mit dem Trabi in die Ferien

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Wer heute eine Urlaubsreise antritt, setzt sich vor den Computer und bucht im Internet Flug und Hotel. Doch wie war das Verreisen eigentlich zu DDR-Zeiten? Der Kuseyer Wolfram Weber hat in seinen Erinnerungen – und in alten Fotoalben gekramt.

Altmark. Sehr eingeschränkt waren die Reisemöglichkeiten in der einstigen DDR, doch das hielt die Menschen nicht davon ab, in den Urlaub zu fahren.

Wer andere Länder entdecken wollte, stand allerdings vor großen Problemen, denn Reisen ging für „Normalbürger“ nur in Richtung Osten, in die CSSR, nach Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder in die damalige Sowjetunion.

Nach Ungarn und Tschechien ging es mit dem Trabi häufig.

Sehr beliebt war Ungarn, da das Land sehr westlich geprägt war. Beliebte „Souvenirs“ waren Klamotten, von Jeans (Levis oder Wrangler waren angesagt) über T-Shirts, Pullover bis zu Jacken aller Art. Die DDR-Bürger kauften alles, was dem tristen Look der DDR-Textilindustrie widersprach und irgendwie westlich aussah. „Mitbringsel“ für Musikfans waren Schallplatten internationaler Stars. In Lizenz gepresste Scheiben kosteten umgerechnet etwa 40 Ostmark, Originalplatten waren wesentlich teurer. Hierfür musste man schon 100 bis 200 DDR-Mark berappen. Größte Hürde dürfte die „Einfuhr“ in das Heimatland DDR gewesen sein.

Viele DDR-Bürger zog es der Natur, Landschaft und Städte wegen in die besagten Länder, andere zog der Motorsport dorthin. So reisten Motorradfans zu den Rennen ins tschechische Brünn, Formel-1-Fans kamen in Budapest auf ihre Kosten.

So ganz ohne Weiteres sollte es ab Mitte der 1980er Jahre nur in das Nachbarland CSSR und nach Ungarn gehen. Wer in der Staatsbank Geld für eine Ungarnreise getauscht hatte, bekam auch eine Zollerklärung ausgehändigt. Mit dieser war es möglich, in Ungarn noch einmal 100 DDR-Mark in ungarische Forint zu tauschen. Komischerweise waren die Zollerklärungen aus der DDR fast identisch mit denen aus dem Westen. Während DDR-Bürger jedoch nur eine Zollerklärung bekamen, konnten Bundesbürger bei ihrer Bank so viele Zollerklärungen bekommen, wie sie wollten. Die Verwandtschaft in der DDR freute sich riesig, über (illegal) mitgebrachte Zollerklärungen aus dem Westen. Sie ermöglichten – wenn gut versteckt – einen tollen Ungarnurlaub, dank der zusätzlichen Umtauschmöglichkeit in Ungarn. Den Bankern dort war völlig egal, ob es sich um eine DDR- oder BRD-Zollerklärung handelte, auf jede Zollerklärung wurden 100 DDR-Mark in Forint getauscht.

Eine Menge Rest-Wechselgeld hat sich angesammelt: Das Umtauschen der DDR-Mark in die einheimische Währung war so manches Mal nur auf dem Schwarzmarkt möglich.

Da im sozialistischen Ausland die entsprechende Währung für DDR-Touristen immer knapp war, ließ man sich so einiges einfallen, um so viel wie möglich „Urlaubsgeld“ einzusparen. Es gab zum Beispiel Leute, die sich in ihren Pkw einen Zusatztank einbauten. So konnte man in der DDR, kurz vor der tschechischen Grenze, noch mal volltanken und kam fast bis zum Balaton und wieder zurück. Dies sparte schon mal die Kronen oder Forint für eine Tankfüllung.

Wer in die CSSR wollte, tauschte in der Staatsbank seine DDR-Mark in Kronen, Kurs 1:3 (für eine Ostmark gab es drei Kronen) und konnte dann los fahren. Allerdings durfte man pro Tag nur eine bestimmte Summe tauschen, maximal 40 DDR-Mark pro Tag. Bis zu 1500 tschechische Kronen durften in bar eingeführt werden. In die Länder des RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe, die EU des Ostens), durften maximal 300 DDR-Mark eingeführt werden. In der CSSR war es allerdings nicht gestattet, DDR-Mark in tschechische Kronen umzutauschen. Wer noch tschechische Kronen brauchte, musste „schwarz“ tauschen. Dies ging zum Beispiel bei einigen Kellnern in Prag, allerdings zu einem Kurs von maximal 1:2. In den Hauptstädten der Ostblockländer gab es Vertretungen und Geschäfte der jeweils anderen Länder des Ostblocks. Dort gab es Kulturgüter wie Bücher oder Schallplatten aus den jeweiligen Ländern. Der DDR-Laden in Prag war immer mit Touristen (Ossis) gefüllt. Sie wollten Bücher kaufen, die zwar in der DDR verlegt, aber in heimischen Buchläden nicht zu bekommen waren. Teilweise verließen die Touristen die Läden mit großen Buchpaketen.

Prag mit dem Regierungssitz Hradschin war für viele Jugendliche aus der Altmark in den 1980ern ein beliebtes Urlaubsziel.

An der Grenze zeigte man seinen Ausweis und – wenn man Glück hatte – wurde man ohne Kontrolle durchgewunken. Wenn man Pech hatte, wurde man herausgewunken, das gesamte Gepäck ausgeladen und alles, auch das Auto, streng kontrolliert, was einige Zeit in Anspruch nahm.

Von Wolfram Weber

wird fortgesetzt

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