Konrad und Brigitte Kluge sind seit fünf Jahren in Neuferchau und wollen auch Botschafter sein

Tourismus hat noch Potenzial

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Brigitte und Konrad Kluge haben auch an der Rezeption ihres Hotels Andenken, Post- und Landkarten sowie Fahnen aus Madagaskar stehen. Dass es nicht geklappt hat, einen Koch auch Madagaskar nach Neuferchau zu holen, bedauern sie.

Neuferchau. Seit fünf Jahren führen Brigitte und Konrad Kluge das Hotel Birkenmoor in Neuferchau. Und haben es in dieser Zeit von dem etwas altbackenen Charme befreit. Moderne Elemente in den Zimmern und im Restaurant haben sie einbauen lassen. Dazu die Deko geändert.

„Das ist die Handschrift meiner Frau“, gibt Konrad Kluge zu. Und da Brigitte Kluge aus Madagaskar stammt und für die Botschaft ihres Landes in Berlin tätig war, sind es vor allem Elemente aus ihrer Heimat, die die Einrichtung verzieren. „Ich will auch hier als Botschafter für mein Land tätig sein, das steckt einfach so drin“, erklärt Brigitte Kluge. Schon über die Fahne von Madagaskar, die über dem Parkplatz weht, kommen die Kluges mit vielen ihrer Gäste ins Gespräch. Dann zeigt Brigitte Kluge nicht nur kleine Schmuckstücke aus ihrer Heimat, auch Postkarten und Prospekte gibt es. „Einige Gäste haben auch schon durch die Informationen von uns einen Urlaub in Madagaskar gebucht“, freut sie sich über die gelungene Werbung. „Ich will mein Land immer repräsentieren, egal wo ich bin. “.

Das Hotel in Neuferchau läuft gut. „Wir sind fast immer ausgebucht“, erzählt Konrad Kluge. Von Montag bis Freitag kommen vor allem Geschäftsleute. Viele von ihnen sind in Wolfsburg tätig, häufig stammen sie auch aus dem Ausland. Mexikaner, Portugiesen, Japaner, Chinesen, USA – das Publikum im Neuferchauer Hotel ist international. Die Gäste freuen sich über die Nähe zur Natur, nutzen die Umgebung zum Joggen oder im Sommer am Abend die Terrasse, um mit dem Laptop auf dem Tisch die letzten Geschäfte zu erledigen.

„Und am Wochenende kommen die Kurzurlauber“, erklärt Konrad Kluge. Wer zu Familienfeiern oder Klassentreffen zurück in die Altmark kommt, wohnt häufig in Neuferchau. Und auch Reisende, die die Altmark entdecken wollen, machen bei Kluges Station. „Manchmal kommen auch Radurlauber“, hat der Inhaber festgestellt. Dass Neuferchau relativ abgelegen ist, werde von den Gästen schon mal kritisiert. „Aber wer hier bucht, weiß das ja“, erwidert Konrad Kluge.

Gerade die Radurlauber machen auch immer wieder auf die fehlende Versorgung im Drömling aufmerksam. Das soll sich ändern, wenn das Tourismuskonzept entwickelt ist, das von den Drömlingskommunen in Auftrag gegeben wurde. Ideen dafür hätten auch die Kluges, aber sie sind nicht eingebunden in das Projekt. Von einem Versuch in Salzwedel, die Altmark zu beleben, kamen sie mehr als enttäuscht zurück.

Auch bei der Umsetzung ihrer Ideen in Neuferchau wurden den Kluges Steine in den Weg gelegt. So wollten sie anfangs Gerichte aus Madagaskar anbieten und so zwischen Fisch in Gardelegen, Wild in Zicherie und den Angeboten in Salzwedel und Wolfsburg eine kulinarische Lücke schließen. Auch einen Koch aus dem Heimatland von Brigitte Kluge hatten sie gefunden. Aber dann spielte das Arbeitsamt nicht mit, verhinderte die Anstellung. Angeblich gebe es keine madegassische Küche. Das kann Brigitte Kluge widerlegen. In Madagaskar beispielsweise gibt es die beste Vanille der Welt, wirbt sie für ihr Heimatland. Dass es auch kulinarisch etwas zu bieten hat, stellt die Chefin unter Beweis, wenn sie sich selbst an den Herd stellt und für das Personal Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet. „In dem Punkt sind wir sehr enttäuscht, dass das nicht funktioniert hat“, räumt Konrad Kluge ein.

Der Traum von einem Restaurant mit Gerichten aus Deutschland und Madagaskar ist geplatzt. Deshalb gibt es im Birkenmoor auch keine Tagesgastronomie mehr. „Wir bieten für unsere Hotelgäste eine kleine Karte am Abend an und kochen für Familienfeiern“, erläutert Konrad Kluge. Fünf Angestellte hat die Familie inzwischen, die sich auch dann um den Hotelbetrieb kümmern, wenn Kluges eine Woche Pause machen. „Wir arbeiten drei Wochen durch, sieben Tage, und machen dann eine Woche frei“, erklärt Konrad Kluge das Konzept. „Es ist eine runde Sache geworden“, blickt er auf die fünfjährige Geschichte zurück.

Mit Engagement und Ausdauer haben die beiden Hoteliers erreicht, dass das Geschäft läuft. „Wir machen das aus Spaß an der Freude“, betont Konrad Kluge. „Wir wollten beweisen, dass man es hier schaffen kann und aus dem alten Haus etwas machen kann“, erläutert er. Und stellt fest: „Wir haben mehr zu tun, als uns lieb ist.“ Trotzdem denken die Kluges noch nicht ans Aufhören, auch wenn Konrad Kluge das Rentenalter bereits erreicht hat. Das Hotel ist für ihn eine Herzensangelegenheit, ein Lebenstraum, in den auch viel privates Kapital geflossen ist, um die Zimmer zu renovieren und einen Drei-Sterne-Komfort zu erlangen. Ein gesundes Selbstbewusstsein gehört im Geschäftsleben dazu: „Wir würden auch ein Hotel in der Wüste vollkriegen“, ist Konrad Kluge überzeugt. „Man muss nur eine Einstellung zum Gast haben.“

Die danken es, mit viel Lob, auch in den Internetbewertungen schneidet das Hotel Birkenmoor gut ab. „Die Teller kommen immer leer zurück“, ist Konrad Kluge auf die Küche stolz. Und manche Gäste sagen sogar, „es gibt kein besseres Frühstück als hier“, freut sich der Geschäftsmann. Das Hotel ist am Vormittag und abends ab 17 Uhr geöffnet. „Die Zeiten haben sich so eingespielt. Für unsere Gäste ist es das Beste und für uns das Sinnvollste.“ Auch wenn das Geldverdienen nicht der erste Ansatz der beiden Hoteliers ist, „es muss unter dem Strich auch etwas rauskommen“, so Konrad Kluge. „Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben.“

Geschäftlich sind Kluges in Neuferchau ganz angekommen, im Ort aber nicht wirklich. „Unser Zuhause ist in Süddeutschland“, sagt Konrad Kluge. Er hätte sich mehr Unterstützung durch die Stadt und den Kreis gewünscht. Schließlich gebe es die Kombination Deutschland-Madagaskar nicht so häufig. Davon hätte auch die Politik profitieren können, findet er. Außer um zu übernachten, gebe es für die Gäste wenig Anreize, um Neuferchau zu besuchen. „Es gibt hier nicht viel zu sehen.“ Auch die Unterstützung der Menschen vermissen die Hoteliers ein wenig. „Die Leute von hier müssten die Angebote auch nutzen“, wünscht er sich. „Fremde bringen automatisch Geld“, weiß der Geschäftsmann. Denn sie müssen zum Beispiel einkaufen, ihre Wäsche waschen oder andere alltägliche Dinge erledigen. Er sieht da noch größeres Potenzial, um den Tourismus in der Region zu beleben.

Auch von den Erfahrungen der Fremden und ihren Beobachtungen könnte viel stärker profitiert werden. „Wenn ein Fremder kommt, sieht der vieles anders als die, die immer da sind.“ Ganz wichtig sei es deshalb, Freundlichkeit und Offenheit auszustrahlen, nennt Konrad Kluge ein Rezept für gelungenen Tourismus. So würde er sich nicht nur zur Adventszeit mehr Licht an den Häusern wünschen. „Damit wir signalisiert, dass dort auch jemand lebt“, erklärt er. Wenn abends Gäste aus Richtung Oebisfelde nach Neuferchau kommen, fahren sie lange durch absolute Dunkelheit. Dass durch das Tourismuskonzept der Drömling belebt werden soll, kann Konrad Kluge nur begrüßen. „Wenn es mehrere solcher Punkte im Drömling geben würde, könnte die Region nur profitieren“, findet der Hotelier.

Von Monika Schmidt

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