Rückblick auf über 50 Jahre „Arche Noah“ / Ulrich Koppe: „Förderverein wäre wünschenswert“

Als der Klötzer Tierpark noch Affen hatte

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Auf einer Postkarte aus den frühen 1980er Jahren ist der Käfig zu sehen, in dem einst die Rhesusaffen untergebracht waren. So mancher Besucher meinte es zu gut mit den Tieren. Fotos: privat

Klötze. Nachdem das 10-Millionen-Euro-Projekt „Altmark-Zoo Klötze“ endgültig vom Tisch ist, soll sich ab sofort eine neue Arbeitsgruppe Tierpark um die Weiterentwicklung der Einrichtung an der Klötzer Schützenstraße Gedanken machen (AZ berichtete).

Ulrich Koppe, damaliger Mitinitiator der „Arche Noah“, blickt für die AZ auf die Anfänge des Tierparks zurück und hat auch selbst einige Ideen.

Heute gesperrt: Das Streichelgehege mit den Zwergziegen.

„Angedacht war, ein kleines Ausflugsziel zu schaffen – auf Mitwirken des Ausschusses der Nationalen Front hatte es 1964 einen Stadtratbeschluss für den Bau eines Tierparks gegeben“, kann sich Koppe gut erinnern. Die ersten Tiergehege, Volieren für Fasane und Wellensittiche, wurden noch um Juli desselben Jahres aufgebaut. Wenige Jahre später zogen die Braunbären, Zuchttiere aus „Feine Sache“ in Jeggeleben, in Klötze ein. „1967 wurde mit großer Anteilnahme Bärentaufe gefeiert“, so Koppe. Anfang der 1990er Jahre wurde der Käfig unter Bürgermeister Lutz Kahler erweitert, im Juni 2012 verließen die beiden letzten Klötzer Bären, Bummi und Tapsi, die Altmark in Richtung Bärenwald Müritz.

Auch einen Kiosk hatte der Klötzer Tierpark mal zu bieten.

Von Geflügelzüchtern des VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) kam der Vorschlag, den nahen Bach zu einem Teich aufzustauen. „Anfang der 1970er Jahre ist das erfolgt – gemeinsam mit Mitglieder des VKSK, Stadtverordneten und der maschinellen Unterstützung der LPG und einer Straßenbaufirma“, so der 76-Jährige. Wenig später wurde das Gewässer mit Zierenten, Schwänen und Höckergänsen besetzt. Für ein stetes Kommen und Gehen unter dem Federvieh habe auch damals schon der Fuchs gesorgt. Es war etwa Mitte der 1970er Jahre, als im Klötzer Tierpark sogar ein Affenkäfig hinzukam – heute wird dieser von Frettchen und Tauben bewohnt. „Das waren Rhesusaffen. Den ersten hatten wir im Tausch mit Damwild von einem Zirkus aus Osterburg bekommen, den zweiten dann aus dem Tiergehege in Salzwedel“, so der damalige Klötzer Bürgermeister. Dass die unter anderem aus dem Himalaya stammenden Tiere mit dem hiesigen Wetter zurechtkommen, daran bestand kein Zweifel. Dennoch währte die Freude über die Affen nicht lange. Denn so mancher Kurhausgast meinte es mit Futtergaben – auch Schnaps sei dabei gewesen – zu gut mit den Primaten. „Das haben sie nicht lange vertragen“, so Koppe.

Große Unterstützung bei der Pflege der Anlage gab es zu DDR-Zeiten durch Schüler der Betriebsberufsschule Landwirtschaft und durch eine Schul-AG. „Wir mussten damals mit wenig Geld auskommen“, blickt Koppe zurück. Heute ist es die Ortsgruppe der Linken, die regelmäßig zu Arbeitseinsätzen aufruft.

Nach und nach wurde der Tierpark immer mehr erweitert. Mit großem Engagement des damaligen Tierpflegers entstand ein Streichelgehege. Unter aktiver Mitwirkung der Klötzer Jägerschaft folgten Rot- und Schwarzwild. In den 1990er Jahren zogen Esel und Kamerunschafe ein.

Schon in den Anfangsjahren schwammen Höckergänse auf dem Tierpark-Teich . Daneben zählten auch Schwäne zu den Bewohnern.

Nach Jahren ohne große Investitionen ist Koppe „erschüttert“ über den derzeitigen Zustand der Einrichtung. Was er sich für die Zukunft wünscht? „Auf jeden Fall einen Erhalt“, so der 76-Jährige, der sich einen Förderverein für den Tierpark vorstellen könne. „Mit interessierten Leuten, die sich um die Entwicklung kümmern, Sponsoren finden und mit Herz und Liebe das umsetzen, was die Menschen wollen“, so Koppe. Ideen zum Tierbestand? „Alpakas gefallen mir persönlich sehr gut, vor allem, wenn sie richtig geschoren sind – und Erdmännchen, halt sowas, was Kinder anzieht“, erklärt Koppe, für den ein Tierpark-Besuch seit mehr als fünf Jahrzehnten zum Leben in Klötze dazugehört – einst mit den Kindern, später mit Enkeln und mittlerweile mit dem Urenkel.

Von Matthias Mittank

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