Berühmtesten Sohn Klötzes zum 100. Todestag 2016 in den Blickpunkt rücken / Grabstätte erhalten

Stadt Klötze will Adolph Frank würdigen

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Bislang erinnert in Klötze nur die Tafel vor der Bibliothek an den wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Das soll sich zum 100. Todestag 2016 ändern.

Klötze. „So weit hat in Klötze noch keiner recherchiert. “ Bürgermeister Matthias Mann ist tief beeindruckt von dem, was Klaus Pacholik über Adolph Frank zusammengetragen hat.

Der Pfarrer in Ruhe aus Ristedt hatte der Stadt bereits umfangreiche Unterlagen zur Verfügung gestellt. Und er will weiter forschen über den wohl berühmtesten Sohn der Stadt.

2016, am 30. Mai, jährt sich der Todestag des Chemikers zum 100. Mal. Grund genug für die Stadt Klötze, die Frank mehr in den Blickpunkt rücken möchte, diesen Anlass zu nutzen. Gemeinsam mit dem Heimatverein, der Bibliothek, der Verwaltung und natürlich Klaus Pacholik sowie weiteren interessierten Mitstreitern soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die die Gedenkfeier vorbereitet. Auch ein Schulprojekt könnte möglich sein, regte Matthias Mann an. Eine andere Idee wäre es, die Forschung über Frank als Thema einer Doktorarbeit an einer Fachhochschule anzubieten. Denn noch ist längst nicht alles über den am 20. Januar 1834 geborenen Sohn eines jüdischen Kaufmanns bekannt.

„Er war ein Universalgelehrter“, schätzte Hauptamtsleiter Christian Hinze-Riechers gestern im AZ-Gespräch ein. Als Apotheker, als Chemiker, als Begründer der Kali-Industrie und als Erfinder der braunen Bierflasche ist Frank bereits bekannt. Doch der Klötzer, der in Staßfurt und Berlin-Charlottenburg wirkte, hat noch viel mehr erforscht und erreicht. „Das ist bisher noch gar nicht richtig gewürdigt worden“, betont Hinze-Riechers.

1876 übernahm Adolph Frank beispielsweise die Leitung der Charlottenburger Glashütte und entwickelte dort viele chemisch-technische Verfahren. Charlottenburg verdankte ihm den Aufschwung der Gaswerke sowie die moderne Gasbeleuchtung. Denn Charlottenburg war die erste deutsche Stadt, die das Gasglühlicht für die Straßenbeleuchtung einführte.

Adolph Frank war in Charlottenburg auch in der Kommunalpolitik tätig, er war Stadtältester und Stadtrat. Am 30. Mai 1916 starb der gebürtige Klötzer und wurde in Charlottenburg auf dem evangelischen Luisen-Friedhof II beigesetzt.

Klaus Pacholik hat bei seinen Recherchen in Berlin das Grab des Gelehrten gefunden und fotografiert. Die Klötzer Verwaltung möchte nun Kontakt zum Bürgermeister von Charlottenburg aufnehmen, damit das Grab auch in Zukunft erhalten bleibt. Schon dass ein Jude auf dem evangelischen Friedhof beerdigt ist, zeige, dass Frank wohl eher zum reformierten Judentum gehörte, erklärt der Hauptamtsleiter.

Charlottenburg widmete Adolph Frank auch eine Straße, die allerdings 1936 im Rahmen der Judenpogrome in „Heubnerweg“ umbenannt wurde und auch heute noch so heißt. Dass die Straße wieder nach Adolph Frank benannt wird, wäre ein Wunsch, den die Klötzer ihrem berühmtesten Sohn zum 100. Todestag erfüllen wollen. Zudem soll auf dem jüdischen Friedhof in Klötze eine Gedenktafel errichtet werden und der Frank-Platz eine Aufwertung erfahren, in dem wenigstens mit einer Tafel auf das Leben und Wirken des berühmten Klötzers hingewiesen wird. Bislang gibt es nur am Wohnhaus der Familie, der heutigen Bibliothek in Klötze, einen Hinweis.

„Wir wollen konkret auf das Jubiläum 2016 hinarbeiten“, kündigte Christian Hinze-Riechers gestern an. Es könne nicht sein, dass „dieser wichtige Mensch einfach aus den Geschichtsbüchern gestrichen wird“.

Von Monika Schmidt

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