„Entwicklung nicht am Fließband“: Stefan Benecke erklärt, wie Kinder sprechen lernen

Schrittweise Wort für Wort

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Stefan Benecke sprach in der evangelischen Familienbildungsstätte über frühkindliche Sprachentwicklung. Besonders seine vielen hilfreichen Ratschlägen kamen bei den Zuhörern gut an.

Klötze. 13 Interessierte Mütter und Erzieherinnen kamen am Mittwochabend in die evangelische Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze, um dabei zu sein, wenn Stefan Benecke über frühkindliche Sprachentwicklung spricht.

Der Logopäde stammt aus Steimke und arbeitet in einer Logopädiepraxis in Klötze, in der Median-Klinik in Kalbe und begleitet die integrative Kita in Abbendorf.

Etwa bei jedem vierten Kind in Deutschland wird bei Sprachtests in der Vorschule ein Förderbedarf in der Sprachentwicklung festgestellt. Für seine Zuhörer in der EFA hatte Stefan Benecke viele nützliche und praktische Tipps parat. So gab er gleich zu Beginn den Hinweis, dass es nicht entwicklungsfördernd sei, ein Baby mit zu vielen Kosenamen und Verniedlichungen anzureden. „Je mehr verniedlicht wird, desto weniger wird das Wort gleich richtig abgespeichert“, erklärte er.

Der Experte betonte immer wieder, dass die Sprachentwicklung schrittweise funktioniert und nicht am Fließband. Wer sein Baby in der Sprachentwicklung unterstützen möchte, sollte zum Beispiel viel Gesang in die Kommunikation einbringen. „In Kinderliedern werden richtige Grammatik und die perfekte Satzstruktur verwendet“, weiß Stefan Benecke.

Schon ab etwa sechs Monaten verstehen Kinder erste Sachen wie „Wo ist der Ball?“. In diesem Alter ist es hilfreich Bilderbücher anzusehen und die gesehenen Dinge zu benennen, damit das Kind leichter versteht, was Hand, Bein oder Fuß ist. „Fernsehgucken sollte man gemeinsam und dann solche Sendungen sehen wie ,Die Maus‘ – und dabei auch darüber sprechen, was man gerade sieht“, erklärte der Referent, „Ein Kind versteht mehr als es sich äußern kann.“

Stefan Benecke konnte auch zum Thema Stottern und Lispeln beruhigen: „In einem Alter von drei bis vier Jahren ist Lispeln meist physiognomisch bedingt und normal. Auch Stottern ist dann normal.“ Er rät dazu, in solchen Augenblicken geduldig zu sein und noch einmal ruhig und strukturiert nachzufragen. „Und wenn man Pech hat, dann hat man den Anfang am Ende schon wieder verloren“, erzählte er.

Stefan Benecke erklärte auch, dass Eltern nicht wegen jeder Kleinigkeit besorgt sein brauchen und zum Arzt rennen müssen. Er empfiehlt einen Arztbesuch dann, wenn etwas wirklich auffällig ist, also wenn zum Beispiel ein Baby mit acht Monaten plötzlich verstummt. „Das könnte auf eine Schädigung des Gehörs oder Fehlentwicklung hinweisen“, informierte er. „Manche Sachen, wie das Verwechseln von k und t ergeben sich ganz plötzlich und sind überhaupt kein Problem mehr“, so der Logopäde. Wird etwas falsch ausgesprochen, dann sollte das Gesagte in korrekter Weise wiederholt werden (korrektives Feedback). „Wenn das Kind etwa ‘Hatte’ sagt, dann antwortet man ‘Ja genau, eine Jacke’“, schlug Stefan Benecke vor. Am besten lernen Kinder von anderen Kindern im ungefähr gleichen Alter. Deshalb empfiehlt der Experte auch, sie in eine Kita gehen zu lassen.

Von Katharina Schulz

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