Messwerte an Erdgassonde sorgen für Unruhe / BI bemängelt ungesicherte Baustelle

Radioaktivität bei Siedentramm

+
Die Erdgasfördersonde zwischen Siedentramm und Poppau wird derzeit zurückgebaut. Anwohner schlugen Alarm, weil die Baustelle nicht gesichert war.

klü Siedentramm/Poppau. „Jetzt zu sagen, wer Recht hat und wer nicht, das ist schwierig. Es kommt ja auch immer darauf an, wo und an welchen Rohren man die Werte misst“, sagt Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“.

Poppauer und Siedentrammer hatten die BI alarmiert, dass am Weg zwischen dem Klötzer und dem Beetzendorfer Ortsteil ein ungesicherter Rückbau einer Erdgasfördersonde erfolgt. Die BI rückte an, stellte erhöhte radioaktive Messwerte von rund 9,6 Mikrosievert pro Stunde an den frei herumliegenden Rohren fest – und schlug Alarm.

Der Betreiber Engie E&P Deutschland erklärte auf Nachfrage der Altmark-Zeitung, dass keine Gefahr bestünde und die Rohre in den nächsten Tagen ordnungsgemäß abtransportiert würden.

„In Soltau hat sich vor kurzem das Umweltministerium des Landes Niedersachsen eingeschaltet. Dort wurde ebenfalls erhöhte Radioaktivität auf einem Betriebsgelände an einem Behälter für Lagerstättenwasser gemessen. Das müsste auch in Siedentramm / Poppau geschehen“, fordert Ebeling im Gespräch mit der AZ. Und genau das soll nun wohl passieren. Christfried Lenz von der Bürgerinitiative hat sich mit seinen Messwerten an das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt gewendet.

------------------------------------------------------------------------------------

Radioaktive Rohre auf dem Acker

Die Erdgasfördersonde bei Siedentramm wird derzeit zurückgebaut. Anwohner hatten die Bürgerinitiative „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ auf die Umstände aufmerksam gemacht.

„Die Baustelle ist nicht vorschriftsmäßig gesichert. Dort lagern alte Erdgasrohre, die radioaktiv belastet sind“, berichtet Christfried Lenz von der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“. Konkret geht es um die Erdgasfördersonde zwischen Siedentramm und Poppau. Anwohner hatten die BI in der zurückliegenden Woche darauf aufmerksam gemacht, dass dort Chaos herrsche. Grund genug für die BI-ler, sich einmal vor Ort umzusehen und an den Rohren Messungen vorzunehmen. 

„Die radioaktive Belastung betrug bis zu 9,6 Mikrosievert pro Stunde“, so Lenz, und informierte weiter: „In der Altmark beträgt nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz die radioaktive Belastung durchschnittlich 0,07 Mikrosievert pro Stunde. Der gemessene Wert ist 137 Mal höher.“ 

Eigene Messungen der BI ergaben Werte von 9,6 Mikrosievert pro Stunde. „Der gemessene Wert ist damit 137 Mal höher als die erlaubten 0,07 Mikrosievert pro Stunde“; teilt die BI mit.

Von Seiten der Engie E&P Deutschland, die für diese Bohrstelle verantwortlich ist, heißt es: „Derzeit baut Engie im westlichen Altmark-Feld den Betriebsplatz der bereits verfüllten Bohrung Winkelstedt 11 zurück. Die Arbeiten werden noch etwa vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Baustelle ist durch ein ,Betreten verboten‘-Schild gekennzeichnet. Zusätzlich wird ein Bauzaun als Sicherungsmaßnahme errichtet.“ 

Die Rohre strahlen radioaktiv – eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, versichert der Betreiber.

Zu den erhöhten Messungen seitens der BI erklärte Silke Bender von der Engie E&P Deutschland, dass gestern durch geschultes Personal mittels zweier geeichter Dosisleistungsmessgeräte Werte von 2,5 bis 2,6 Mikrosievert pro Stunde ermittelt wurden. „Die reale Belastung für Personen hängt ab von der Aufenthaltsdauer und der Entfernung zur Strahlungsquelle. Um einer ähnlichen Strahlendosis ausgesetzt zu sein, wie bei einem Flug zum Beispiel in die USA müsste sich eine Person zirka 100 Stunden in 0,5 Meter Entfernung vom gemessenen Material aufhalten“, erklärt Silke Bender. Die Strahlung sei ein natürlicher Produktionsrückstand. Eine Gefährdung, so Bender, sei für Mitarbeiter, Bewohner oder für die Umwelt nicht gegeben.

Die betroffenen Materialien zwischen Siedentramm und Poppau sollen in den kommenden Tagen gemäß den Vorschriften in einer speziellen Reinigungsanlage gesäubert und entsorgt werden.

Kommentare