Neue Agrarförderung: Bauernverbands-Vorsitzender glaubt an keine Effekte durch das „Greening“

Punke: „Es wird nur komplizierter“

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In der neuen EU-Förderperiode müssen die Landwirte einige Neuerungen beachten. So sind ein Teil der Direktzahlungen an „Greening“-Auflagen gebunden. Für die Betriebe heißt das: Es müssen mindestens drei verschiedene Kulturen angebaut, es darf kein Grünland umgebrochen und es müssen ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden.

Klötze. Die Landwirtschaft in der Europäischen Union soll mit der am 1. Januar 2015 begonnenen und bis 2020 laufenden neuen Förderperiode ökologischer werden. Das sogenannte „Greening“ stellt dabei einen zentralen Baustein dar.

Mit diesem versucht die EU, die milliardenschwere Förderung der Landwirtschaft in den Mitgliedsstaaten an mehr Umweltschutz zu koppeln.

Noch warten die altmärkischen Bauern zwar auf einen Leitpfaden vom Land, für Raimund Punke, Vorsitzender des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel, steht aber bereits eines fest: „Für die Landwirte wird es, insbesondere was die Antragstellung betrifft, vor allem komplizierter.“ Große Effekte durch das Greening erwartet der Klötzer dagegen nicht – vielleicht in der Börde, aber jedenfalls nicht in der Altmark. „Ganz einfach deshalb, weil hier vieles schon so wie gewünscht gehandhabt wird“, ist Punke überzeugt. Bis zur Antragsfrist 15. Mai kommt auf die Bauern dennoch jede Menge Bürokratie zu.

Insgesamt 30 Prozent der Direktzahlungen (das sind etwa 87 Euro je Hektar) sind seit diesem Jahr an das Greening gekoppelt. In diesem Rahmen müssen drei Anforderungen erfüllt werden. Hierzu gehören die sogenannte Anbaudiversifizierung, der Erhalt von Dauergrünland und die Bereitstellung „ökologischer Vorrangflächen“. Nur Öko- und Kleinbetriebe sind davon ausgenommen.

Anbaudiversifizierung

Hiermit will die EU für mehr Vielfalt auf dem Acker sorgen. So müssen Betriebe bis 30 Hektar Größe mindestens zwei und Betriebe über 30 Hektar mindestens drei Kulturarten anbauen. Die Hauptkultur darf dabei nicht mehr als 75 Prozent des Ackerlandes einnehmen. „Das sollte in der Altmark keine Hürde sein“, glaubt Punke, der für seinen eigenen Betrieb, der Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Klötze, Sommer- und Wintergerste, Winterroggen, Winterweizen, Luzerne, Lupine, Ackergras, Mais, Winterraps und Zuckerrübe aufzählen kann. „Es gibt hier doch niemanden, der zum Beispiel nur Mais anbaut“, so Punke.

Dauergrünland-Erhalt

Wiesen und Weiden sollen im Interesse des Naturschutzes in der EU nicht weiter in Ackerland umgewandelt werden. In FFH-Gebieten gilt deshalb nach wie vor ein striktes Umbruchverbot. „Auf anderen Flächen wird wohl zumindest ein mit einer Neuansaat verbundener Grünland-Umbruch weiterhin erlaubt bleiben“, hofft der Verbandsvorsitzende auf keine Verschärfung der Regelungen.

Ökologische Vorrangflächen

Nach Willen der EU sollen die Landwirte auf fünf Prozent ihres Ackerlandes ökologische Vorrangflächen ausweisen. Das können sowohl Stilllegungsflächen, Zwischenfrüchte und Blühstreifen als auch Landschaftselemente wie Bäume und Hecken sein. Hier gibt es die meiste Arbeit und auch die meisten Stolperfallen, weiß Punke. So sind die Mitarbeiter der Milcherzeugergenossenschaft derzeit damit beschäftigt, per Luftbildaufnahmen jedes Landschaftselement zu vermessen.

Doch Hektar ist nicht gleich Hektar. Während beispielsweise eine Stilllegungsfläche voll angerechnet werden kann, gibt es für den Anbau von Zwischenfrüchten, der in Klötze schon seit Jahren betrieben wird, einen Anrechnungsfaktor von 0,3. Für einen Hektar Greening sind also 3,33 Hektar Zwischenfrüchte notwendig.

Keine großen Chancen räumt der Verbandsvorsitzende für die auch von Jägern begrüßten Blühstreifen ein. So gab es bei mehrjährigen Streifen bislang die Vorgabe, dass in den Folgejahren nachgesät werden muss, wenn eine bestimmte Anzahl an Arten nicht mehr vorkommt. „Vor etwa drei Jahren wurden deshalb im Kreis 90 Prozent der Blühstreifen beanstandet“, blickt Punke zurück. Die Folge: Fördergelder mussten zurückgezahlt werden.

Selbst will der Geschäftsführer der insgesamt 1500 Hektar Ackerland bewirtschaftenden Milcherzeugergenossenschaft die neuen Greening-Auflagen mit Stilllegungen und dem Anbau von Zwischenfrüchten wie Ölrettich, Senf und Phacelia erfüllen. Auch einen Blühstreifen wird es geben. Und zwar im Bereich der Garten-sparte Kutzendorf – ganz im Interesse des Klötzer Imkervereins, der dabei ist, in der Anlage einen Bienenerlebnisgarten und in der Umgebung einen Lehrpfad aufzubauen. „Das hatten wir in Absprache mit dem Verein aber sowieso vor“, stellt Raimund Punke klar. Ob er diesen Blühstreifen im Rahmen des Greenings als ökologische Vorrangfläche angeben wird, wisse er noch nicht. Zu groß sind, wie gesagt, die Bedenken, dass die Maßnahme im Nachhinein wieder aberkannt werde.

Von Matthias Mittank

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