Im Landeswald seit zehn Jahren Standard, im Privatwald kein Thema

PEFC-Siegel: „Nur schwer zu vermitteln“

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Die Teilnehmer am Tag des Baumes im Klötzer Forst erfuhren unter anderem von Lothar Büst (r.) Wissenswertes rund um das von Verbrauchern und Holzindustrie immer stärker nachgefragten PEFC-Nachhaltigkeitssiegel.

Klötze. Zertifizierte Nachhaltigkeit erlangt in der Forstwirtschaft immer mehr Bedeutung. Zwei Drittel des deutschen Waldes trägt bereits das Nachhaltigkeitssiegel nach den PEFC-Standards (siehe Infokasten).

Nicht ohne Grund – wird das Prüfzeichen doch immer mehr von den holzverarbeitenden Industrie vorausgesetzt und auch besser bezahlt. Ein Umstand, auf den sich auch die hiesigen Privatwaldbesitzer in der Zukunft einstellen müssen.

Wie Dietmar Schulze, Revierförster im Landesforstrevier Klötze, während des Tag des Baumes informierte, wird der Klötzer Wald seit 2006, also seit nunmehr zehn Jahren, nach dem PEFC-System bewirtschaftet. Die Vorgaben werden regelmäßig in einer Art Wald-TÜV überprüft. Das Anlegen von Rückegassen für eine bodenschonende Holzernte gehöre ebenso dazu wie etwa der Verzicht auf Kahlschläge oder das Anpassen des Wildbestandes. So wurde mit Blick auf die natürliche Waldverjüngung in den zurückliegenden Jahren im Klötzer Forst die Bejagung des Schalenwildes intensiviert. „Wir schießen acht Stück auf 100 Hektar – damit ist das Revier innerhalb des Landesforstbetriebes Spitze“, so der Revierförster.

Gerade die Förderung eines artenreichen und mehrschichtigen Waldes, in dem vom Keimling bis zum Starkbaum alle Altersklassen nebeneinander bestehen – die Forstwirte sprechen in diesem Zusammenhang vom Plenterwald – sei nicht nur im Sinne des Naturschutzes. Auch Waldbesitzer können profitieren, wie Jürgen Friedrichs, Leiter der Revierförsterei Beetzendorf, erläuterte. So seien diese Wälder im Gegensatz zu Fichten- oder Kiefernreinbestände weit weniger anfällig gegenüber Naturgewalten oder dem großflächigen Befall von Schadinsekten. „Wegen der Kiefernbuschhornblattwespe gab es etliche 100 Hektar Kahlschlag und mit dem Schneebruch von 2010 haben wir teilweise bis heute zu kämpfen“, nannte er zwei Beispiele aus der Altmark.

Dass gerade für den Privatwald die PEFC-Zertifizierung auch Probleme mit sich bringen kann, darüber wusste Lothar Büst vom Betreuungsforstamt Westliche Altmark zu berichten. Denn ohne Pflanzenschutzmittel, deren Einsatz im Rahmen von PEFC deutlich erschwert wäre, würde man in vielen Beständen dem Aufwuchs von Brombeeren, Sandrohr und anderen Konkurrenzkräutern nicht mehr Herr werden.

Auch Helmut Jachalke, Leiter des Klötzer Betreuungsforstamtes, glaubt nicht, dass sich das PEFC-Siegel in naher Zukunft im altmärkischen Privatwald etablieren wird. „Die Waldbesitzer haben weniger Freiheiten und müssen dafür auch noch bezahlen – das ist nur schwer zu vermitteln“, erklärte er im AZ-Gespräch. Konkret seien es jährlich 18 Cent je Hektar Wald, die für eine Zertifizierung auf Ebene der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) aufgebracht werden müssten. Die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Sachsen-Anhalt hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Von Matthias Mittank

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