Erster Nachweis des Buschrohrsängers / Sorge um Brachvogel, Schwalben und Co.

Neue Vogelart im Drömling

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Der Buschrohrsänger konnte 2016 erstmals im Drömling nachgewiesen werden.

Drömling. Die Vogelwelt im Drömling ist ein kleines Stück abwechslungsreicher geworden.

So gelang bei Kartierungen im Laufe dieses Jahres der allererste Nachweis eines Buschrohrsängers in der Kernzone des Naturparks, wie Ranger Ulf Damm in dieser Woche die Kunrauer Radler bei deren Stippvisite am Schöpfwerk bei Buchhorst informierte. Der unscheinbare rund 15 Zentimeter lange Singvogel ist in Mitteleuropa eine sehr seltene Ausnahmeerscheinung. Sein Brutgebiet erstreckt sich normalerweise vom südlichen Finnland und dem Baltikum nach Osten. Wegen der Ähnlichkeit zu nah verwandten Arten ist eine Unterscheidung vor allem über den Ruf möglich.

Ulf Damm ist seit 1997 Ranger im Naturpark. 

Auch über die angestammten Vogelarten und warum der Drömling für sie so wertvoll ist, wusste der Naturpark-Mitarbeiter einiges zu berichten. So beherbergt der Naturraum beispielsweise den landesweit dichtesten Bestand an Bekassinen. Für die langschnäbelige Vertreterin aus der Familie der Schnepfenvögel sind nasse Binsenwiesen wie sie im Drömling noch vorkommen entscheidend für eine erfolgreiche Brut. „50 Prozent des Landesbestandes der Bekassine lebt im Drömling“, weiß Damm, der die hohen Grundwasserstände wichtig für das Überleben der Art hält.

Dass es im Niedermoorgebiet vor wenigen Jahrzehnten noch deutlich feuchter war, zeigt das Verschwinden einer anderen Art. So wurde die Uferschnepfe, der nach Entwässerungsmaßnahmen offenbar das Wasser fehlte, 1976 das letzte Mal im Gebiet bestätigt. Auch der Große Brachvogel, ebenfalls ein Vertreter aus der Familie der Schnepfenvögel, macht sich zunehmend rar. „1990 gab es noch etwa 30 Brutpaare, aktuell sind es nur noch sechs“, erklärte Damm. Schuld daran sei auch das reiche Vorkommen an Raubsäugern wie Fuchs, Dachs und neuerdings auch zunehmend Marderhund und Waschbär. Diesen Arten fehlen die natürlichen Feinde, so der Ranger, der die Rückkehr des Wolfes in diesem Zusammenhang begrüßte. Eine Reduktion der Bodenbrüter-Feinde mit jagdlichen Mitteln ist seitens des Naturparkes zwar angedacht, Damm sieht aber auch Probleme: „Je stärker die Bejagung, je stärker die Reproduktion.“

Auch andere typische Drömlingsarten wie Wiesenpieper und Mehlschwalbe sind im Rückzug begriffen. Ihnen fehle es schlichtweg an Nahrung. „Vor 15 Jahren waren die Autoscheiben im Sommer noch voll mit Insekten“, zeigte Damm ein Zeichen für den starken Rückgang der Nahrungsgrundlage zahlreicher Vögel auf. Warum das so ist? „Die Landwirtschaft wird immer intensiver, Wildkräuter verschwinden aus der Landschaft“, so der Ranger.

Doch es gibt auch eine Reihe von Erfolgsgeschichten. So hat sich der Bestand an Weißstörchen im Drömling seit der Wende von anfangs unter 30 Brutpaaren auf nun 48 erhöht. Bei den Kranichen brüteten vor 25 Jahren jährlich ein bis zwei Paare im Niedermoorgebiet, mittlerweile seien es gut 20. Kurz vor der Jahrtausendwende ist der Seeadler in den Drömling zurückgekehrt, nachdem es zur Mitte des 19. Jahrhunderts den letzten Adler-Nachweis im Gebiet gegeben hatte.

Für die Gäste aus Kunrau stand fest: Sie wollen mehr über die Tierwelt des Drömlings erfahren – und haben ihren jährlichen Abstecher nach Buchhorst für 2017 bereit angekündigt.

Von Matthias Mittank

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