Ensemble Radiks aus Berlin zeigt in Klötze ein Stück zum Thema Medienkompetenz

Mobbing im Netz – Mehr als nur Theater

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Lea freut sich riesig, dass sie bei einer Casting-Agentur angenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnt die 17-Jährige noch nicht, was das bei ihrer vermeintlichen Freundin Nadine auslöst.

Klötze. Geistreich, kritisch und nahe am Alltag der Jugendlichen – so setzt sich das Berliner Ensemble Radiks mit Cybermobbing und Datenmissbrauch im Internet auseinander.

Mit dem Theaterstück „Fake oder: War doch nur Spaß“, das von einer wahren Begebenheit handelt, touren die Schauspieler durch ganz Deutschland. Am Montag waren sie in der Klötzer Zinnberghalle zu Gast und präsentierten es den Schülern der siebten bis zehnten Klassen der Dr. Salvador Allende-Sekundarschule.

Die 17-jährige Lea möchte Sängerin werden. Als die lebenslustige und etwas naive Schülerin in einer Casting-Agentur aufgenommen wird, erzählt sie das gleich ihrer vermeintlichen Freundin Nadine, mit der sie in einer Partyband singt. Nadine ist neidisch und verbreitet Lügen über Lea. Niemand will Lea mehr glauben und erste Sticheleien und Ausgrenzungen beginnen. Die Mobbing-Attacken weiten sich in diversen sozialen Netzwerken sowie über verschiedene Online-Communities aus.

Was als „kleine Rache“ begann, nimmt Ausmaße an, die keiner vorausgesehen hat. Lea wehrt sich zunächst gegen die Kommentare und Lügen, sie schreibt auch einen Rap-Song gegen die Mobber, den sie online stellt, allerdings mit sehr negativem Erfolg. Anonyme Drohungen und Beleidigungen via Telefon und Handy folgen. Dazu kommt noch der ständige Streit mit ihrem verwitweten Vater, der von der Sache mit der Casting-Agentur überhaupt nicht begeistert ist.

Für Nadine ist Mobbing zu einer Art Sport geworden.

Der Lehrer Herr Aigner setzt sich mit den Mobbing-Attacken auf Lea auseinander und versucht den Konflikt innerschulisch zu klären. Er spricht mit Nadine und fordert sie auf,mit Lea zu reden und sie in Frieden zu lassen. Doch für Nadine hat sich Lea zu ärgern zu einem Sport entwickelt. Sie sieht sich auch nicht in der Schuld für das Mobbing. Sie hat zwar angefangen, aber andere machen damit weiter. Dann taucht auch noch plötzlich ein Video im Internet auf, das Lea betrunken in einer Toilette zeigt. Doch damit ist für Nadine noch nicht genug. Sie setzt den ebenso coolen wie verführerischen Andi auf Lea an, weil sie weiß, dass Lea heimlich in ihn verliebt ist. Für Andi ist Lea aber nur ein Abenteuer und er spielt mit ihr. Er bringt sie sogar dazu, mithilfe ihres Hacker-Freundes Jo den Laptop ihres verwitweten Vaters auszuspionieren, um den Streit der beiden anzuheizen.

Als dieser Lea dabei erwischt und es zum Streit kommt, sieht die Schülerin nur noch Selbstmord als einzigen Ausweg. Mithilfe von Jo kann Lea davon abgehalten werden, von einem Dach zu springen und wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Andi und Nadine werden für das was sie Lea angetan haben verurteilt. Andi erhält, weil er schon 18 ist, eine Haftstrafe von fünf Monaten auf Bewährung. Nadine muss 30 Sozialstunden in einem Altersheim leisten.

Die beiden Schauspieler Manuela Weirauch und Alexander Abramyan schlüpften in die verschiedenen Rollen und wendeten sich zwischendurch immer wieder direkt an die Jungen und Mädchen der Klötzer Sekundarschule.

Beim anschließenden Gespräch zwischen Manuela Weirauch und Alexander Abramyan und den Allende-Schülern ging es neben persönlichen Themen auch darum, wie sich die Jugendlichen gegen Cyberattacken und anonyme Drohungen aus dem Internet zur Wehr setzten können.

Wichtig sei es vor allem, die Risiken der Mediennutzung zu kennen und sich im Zweifel Hilfe zu holen und andere Menschen ins Vertrauen zu ziehen, betonten die Schauspieler. Wer sich mit jemandem austauscht, erhält gar nicht erst das Gefühl, allein gelassen und hilflos zu sein.

Von Katharina Schulz

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