Sensibles Thema: Pflanzenschutzmittel / Zukünftige Landwirte lernen Verbindung von Chemie und Umwelt

Auf die Menge kommt es an

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Friedrich Veller ist Experte für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. „Viel hilft nicht viel“, Vermittler er den Landwirtschaftslehrlingen des Altmarkkreises Salzwedel.

Klötze. „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft wird von der Öffentlichkeit besonders aufmerksam und kritisch betrachtet“, erzählt Raimund Punke, Vorsitzender des Bauerverbandes des Altmarkkreises Salzwedel.

Er weiß, wie wichtig es ist, sich auf diesem Gebiet fortzubilden. Aus diesem Anlass lud der Bauernverband 26 Landwirtschaftslehrlinge im dritten Ausbildungsjahr am Freitag zur theoretischen und praktischen Schulung auf den Betrieb der Milcherzeugergenossenschaft nach Klötze ein. Gemeinsam mit Raimund Punke, Anke Seehaus, Ausbildungsberaterin des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Altmark (ALFF) sowie Berufsschullehrerin Heike Hakemeier erhielten die Lehrlinge von Friedrich Veller einen tiefen Einblick in die Materie.

Friedrich Veller ist Experte auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes und Vertreter eines Hersteller für Feldspritzen. Er machte während seines Vortrages immer wieder darauf aufmerksam, dass es beim Pflanzenschutz nicht nur um Effektivität und Wirtschaftlichkeit, sondern auch um Umweltschutz geht. Er empfahl den zukünftigen Landwirten daher nicht mehr Pflanzenschutzmittel zu verwenden, als notwendig. „Ich muss überlegen, wann ist das Mittel sinnvoll und wie kann ich sparen“, erklärte er. Denn zuviel geht ins Geld, ist für den Landwirt unwirtschaftlich und garantiert keinen höheren Ernteerfolg für Gemüse,- Mais- Raps- und Getreidesorten, so Veller. „Viel hilft nicht automatisch viel. Was nicht an der Pflanze haften bleibt, versickert einfach, bringt also nichts und ist nicht gut für die Umwelt“, erklärte er weiter.

Entscheidend für die Wirksamkeit der verschiedenen Fungizide und Pestizide ist, in welchem Wachstumsstadium sich die jeweilige Pflanze befindet. Zur Veranschaulichung zeigte Veller unterschiedliche Pflanzen in verschiedenen Stadien, die die Lehrlinge bestimmen sollten. Das Wachstumsstadium 31. ist das entscheidende für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Viele Landwirte wüssten jedoch nicht, dass die Ähre dabei auch mindestens einem Zentimeter groß sein sollte, um sie chemisch unterstützen zu können und nicht etwa das Gegenteil zu bewirken. Das ist nicht von außen erkennbar. Der Landwirt muss die Pflanze dazu aufschneiden.

Auch auf die Wetterabhängigkeit und die Art der Düseneinstellung an der Feldspritze machte der Fachmann aufmerksam. Düsen, die einen feinen Sprühnebel spritzen, verteilen das Pflanzenschutzmittel nicht gut auf der Pflanze. „Dazu kommt, dass, sobald es etwas windig ist, das ganze Mittel wegweht und auf benachbarten Flächen, zum Beispiel Wiesen landet. Hier kommt wieder der Aspekt Umweltschutz ins Spiel“, erzählte der Referent. Herrscht dann auch noch zu wenig Luftfeuchtigkeit, hält der Tropfen nicht lang an der Pflanze. Ausgeglichen werden kann zu geringe Luftfeuchtigkeit wiederum, indem mehr Wasser zur sogenannten „Brühe“ hinzugefügt wird. „Eine ausreichende Wirkung ist nur dann gewährleistet, wenn der Tropfen dahin gelangt, wo er auch wirken soll“, erzählte Veller seinen Zuhörern.

Von Pflanzenschutzmitteln mit Kontaktwirkung rät Veller ab, da sie nur dort wirken, wo sie die Pflanze berühren. „Das beutet ich muss viel davon nehmen, sonst habe ich Lücken“, weiß der Experte. Dies wiederum sei nicht sachgerechter Pflanzenschutz. „Über diesen Weg schaffe ich mir Resistenzen. Ich muss also noch mehr tun und gerade das wollen wir schließlich nicht“, erklärte er.

Nicht nur die Auszubildenden, auch Raimund Punke folgte aufmerksam dem Referenten. „Das Thema ist sehr umfangreich, es ist wichtig immer wieder auf den neusten Stand zu kommen und das eigene Wissen regelmäßig aufzufrischen“, erzählte der Bauernverbandvorsitzende.

Von Katharina Schulz

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