Politiker sehen um / Forstamtsleiter für Zusammenlegung von Standorten

Klötzer Fire-Watch-Zentrale: Meist nur Staubwolke statt Brand

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Rüdiger Erben (l.) und Jürgen Barth (r.) ließen sich gestern von Forstamtsleiter Helmut Jachalke und Mitarbeiterin Bärbel Nieber das automatisierte Waldbrandfrüherkennungssystem (AWFS) erläutern.

Klötze. Auch wenn sich Sonnenanbeter sowie Landwirte, die nun ihre Ernte einfahren wollen, ärgern – der durchwachsene Sommer 2016 hat auch seine Nutznießer.

Und zu denen gehören Waldbesitzer und Förster, die sich um das Thema Waldbrandgefahr bislang keine großen Sorgen machen mussten. „Wir hatten in diesem Jahr erst zwei kleinere Brände“, erklärte Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in Klötze, beim gestrigen Arbeitsbesuch der beiden Landtagsabgeordneten Jürgen Barth und Rüdiger Erben. Die SPD-Politiker interessierten sich vor allem für die Fire-Watch-Zentrale, von denen es neben Klötze zwei weitere in Annaburg und Genthin gibt.

Wie sie erfuhren, können mit Hilfe des um die Jahrtausendwende angeschafften sogenannten automatisierten Waldbrandfrüherkennungssystems (AWFS) Feuer, ob nun im Wald oder auf dem Feld, im gesamten Altmarkkeis wie auch in Randbereichen des benachbarten Niedersachsens lokalisiert werden. Vier 360-Grad-Kameras auf Türmen in Genzien bei Arendsee, auf dem Heidberg bei Siedenlangenbeck, in Zichtau und in Hasselburg bei Flechtingen stehen hierfür zur Verfügung. Ab der Waldbrandgefahrenstufe 3 (diese gilt ab heute) ist die Klötzer Zentrale täglich von 10 bis – je nach Stufe – 18, 19 oder 20 Uhr besetzt, so der Forstamtsleiter. Da die aus der Raumfahrt stammende Technik jede Änderung in den Graustufen der Kamerabilder erkennt, hat der Mensch vor dem Bildschirm jede Menge zu tun, allem nachzugehen. Am häufigsten, so Jachalke, würden Windräder für Fehlermeldungen sorgen. Besonders trügerisch sei der von landwirtschaftlichen Maschinen aufgewirbelte Staub, der leicht mit Rauchwolken verwechselt werden könne. „Hier hilft die Erfahrung der Mitarbeiter weiter“, so der Forstamtsleiter. Im Falle eines tatsächlichen Waldbrandes kann sofort die Einsatzleitstelle informiert werden.

Dass so manche Forstämter in anderen Ländern ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt um das System beneiden, wusste Erben zu berichten. Auch Jachalke konnte mit Brandenburg und Niedersachsen nur zwei Länder benennen, deren Waldbrandüberwachung noch ein Stück moderner sei.

Ganz anders stelle sich jedoch die Situation für den Ernstfall – die Bekämpfung eines Waldbrandes – dar. So sei, wie Jachalke auf Nachfrage bestätigte, die Löschwasserversorgung ein „großes Manko“. Wurden in der Nachwendezeit an mehreren Stellen im Kreis, insbesondere in Treuhand-Wäldern, unterirdische Löschwassertanks angelegt, liegen diese mittlerweile im Privatwald. Nicht nur, dass dadurch die Nutzung dieser Depots nicht abgesichert sei – nach vielen Jahren ohne Wartung würde der Forstamtsleiter für keinen dieser Tanks „die Hand ins Feuer legen“ wollen. Als weiteres Hauptproblem bezeichnete Jachalke den „katastrophalen Zustand“ vieler Waldwege, die zugewachsen und schlaglochübersät die Anfahrt der Feuerwehr zu einem Brandort erschweren oder sogar unmöglich machen würden.

Die Pflege von sogenannten Wundstreifen entlang von Wäldern durchschneidenden Straßen funktioniere dagegen. Das Anlegen von Pflugstreifen während der Getreideernte – die Pflicht dazu besteht in Waldnähe und bei Waldbrandgefahrenstufen 4 bis 5 – hapert dagegen etwas. „Größere Betriebe kommen dem nach, kleinere können das teilweise gar nicht leisten“, so Jachalke.

Den beiden Landtagsabgeordneten gab der Forstamtsleiter den Wunsch mit auf den Weg, dass die bereits seit Längerem vom Land angedachte Zusammenfassung der drei Fire-Watch-Zentrale auf einen Standort – geplant ist Genthin – weiter verfolgt werde. „Das würde Sinn machen, das System optimieren und vieles vereinfachen“, ist Jachalke auch mit Blick auf die dünner werdende Personaldecke überzeugt.

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