„Man kann das Knabbern hören“

Auch wenn die chemische Keule Wirkung zeigt: Keine Entwarnung beim Eichenprozessionsspinner

+
Die Gespinste, in denen die Raupen des Eichenprozessionsspinners auf den Abend warten, können bis Kopfkissengröße erreichen. Mit Anbruch der Dunkelheit startet die Prozession, um die Blätter kahl zu fressen.

Klötze / Drömling. „Es ist ein Unterschied zum vergangenen Jahr zu erkennen“, schätzt der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann beim Thema Eichenprozessionsspinner ein.

An der Straße von Kusey nach Schwarzendamm hängen die im vergangenen Jahr chemisch bekämpften Raupen noch am Stamm.

Zumindest dort, wo der Schädling im vergangenen Jahr bekämpft wurde, trat er in diesem Jahr nicht wieder so stark auf. Trotzdem bleiben die gefrässigen Raupen auch in diesem Sommer ein wichtiges Thema. Derzeit läuft noch bis Ende August die mechanische Bekämpfung der Raupen. An einzelnen Bäumen werden die Raupen abgesaugt, vor allem vor kommunalen Einrichtungen, an Kindertagesstätten, Sport- und Spielplätzen wurde die Stadt aktiv. Der Altmarkkreis setzt das mechanische Absaugen auch an Straßenrändern ein. Wer sich die vor kurzem noch kahl gefressenen Eichen genauer ansieht, kann am Stamm sehen, wo der Sauger angesetzt wurde.

Dass die Bäume derzeit wieder Blätter tragen, ist dem Johannistrieb zu verdanken, erklärte Stefan Sudenfeld. Er ist Förster beim Grafen von der Schulenburg und hielt am Dienstag einen Vortrag für die Kunrauer Radfahrer. Auch diese hatten eine Reihe von Fragen zum Eichenprozessionsspinner, der sich in diesem Jahr besonders an den Drömlingseichen zeigt. „Dort ist der Befall stark und dramatisch“, stellte Stefan Sudenfeld fest. „Wer frühmorgens an den Bäumen vorbeigeht, kann die Raupen knabbern hören“, erklärte er den Radlern. Die Raupen fressen nachts und schlafen tagsüber in einem Gespinst, das so groß wie ein Kopfkissen sein kann. „Es wäre alles nicht so dramatisch, wenn der Mensch nicht so allergisch auf die feinen Härchen reagieren würde“, vermutete der Förster aus Kaiserwinkel. „Das geht bis zur Intensivstation“, wusste er. Bis zu drei Jahre halten sich die Härchen der Raupen in der Luft. Sie können auf der Haut Juckreiz auslösen, es bilden sich Quaddeln, die mit Antibiotika bekämpft werden müssen. Dazu kann es zu Atemnot kommen.

Seit etwa sechs oder sieben Jahren vermehrt sich der Eichenschädling immer stärker. So lange warten die Experten aber auch schon, dass die Population wieder zusammenbricht. Bei der chemischen Behandlung werden die Larven mit einem Häutungshemmer oder einem Bakterium bekämpft, das den Darm angreift. Das Problem für den Naturpark: Betroffen sind dann auch andere Tiere, die in den besprühten Bäumen leben. Im Drömling muss zudem wegen der vielen Gräben darauf geachtet werden, dass das Mittel nicht ins Wasser gelangt. „Es mussten große Flächen ausgespart werden, deshalb hat das Befliegen nicht viel gebracht“, erläuterte Stefan Sudenfeld den Radlern.

„Durch den Kahlfraß werden die Bäume insgesamt geschädigt“, macht der Förster auf weitere Konsequenzen des Befalls aufmerksam. Die Bäume werden geschwächt, das Wurzelwerk leidet. „Und dann halten sie auch nicht mehr den Stürmen stand“, befürchtet Stefan Sudenfeld, dass nach dem Spinnerbefall die Bäume bei Wind umknicken.

Auch Matthias Mann weiß: „Der Eichenprozessionsspinner ist nach wie vor ein Problem.“ Den Weg, dass Altmarkkreis und Kommunen die Bekämpfung in diesem Jahr gemeinsam ausgeschrieben haben und dass es ständige Informationen des Kreises an die Kommunen über den Entwicklungsstand der Schädlinge gibt, schätzt der Bürgermeister als richtig ein. „Wir müssen in den nächsten Jahren nachlegen“, vermutet er. Auch im kommenden Frühjahr sollen befallene Bäume mit der chemischen Keule bekämpft werden, möglichst wieder in einer gemeinsamen Aktion des Altmarkkreises. „Das war schon gut und besser, als wenn es jeder für sich gemacht hätte“, so Mann. Trotzdem heißt es: Dranbleiben. „Es gibt noch keine Entwarnung.“

Von Monika Schmidt

Mehr zum Thema

Kommentare