Zwischen Hoffen und Bangen

LB Kunrau investiert eine Million Euro in neues Melkkarussell

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Statt Blumen: Zu den Auszeichnungen für die 100 000-Liter-Kuh „Mona“ gab es gestern von Katharina Roitsch (r.) und Frank Wienecke einen Eimer voll mit Eutersalbe, Thermometer, Bürste und weiteren Utensilien.

Kunrau. Die Gemütslage der Mitarbeiter des Landwirtschaftlichen Betriebs (LB) Kunrau GmbH liegt derzeit zwischen Hoffen und Bangen.

In wenigen Wochen ersetzt das neue Melkkarussell den alten, aus den 1970er Jahren stammenden Melkstall des LB Kunrau. Die Entscheidung zum Bau fiel bei besserer Marktlage vor zwei Jahren.

So steht die Agrargenossenschaft kurz vor der Einweihung eines neuen, insgesamt 50 Milchkühe fassenden Melkkarussells, das nach etwa zehn Monaten Bauzeit im Juni in Betrieb gehen soll. Die Bedingungen, sowohl für Mensch als auch für Tier, werden sich dadurch erheblich verbessern. Wie jedoch die Kredite für die mehr als eine Million Euro umfassende Investition einmal beglichen werden sollen, ist bei der derzeitigen Lage auf dem Milchmarkt völlig offen. „Die Entscheidung für den neuen Melkstall fiel vor zwei Jahren – als die Milchpreise noch normales Niveau hatten“, erläuterte gestern LB-Geschäftsführerin Cathrin Sacher im AZ-Gespräch. Derzeit erhält der Betrieb 25 Cent je Kilogramm Milch von der Molkerei ausgezahlt. Das sei „eine Katastrophe“. 35 bis 40 Cent seien nötig, um gewinnbringend wirtschaften zu können. In welche Richtung die Entwicklung geht, ist allerdings ungewiss. In der Branche bestehe eher die Befürchtung, dass die Preise sogar noch weiter sinken werden, erklärte Gabriela Knutzen, Leiterin der Milchproduktion.

Die knallharte Preispolitik, die von Lebensmitteldiscountern und Molkereien geführt werde, kann Cathrin Sacher nicht nachvollziehen. „Kostet die Butter 1,20 Euro, würde sie auch gekauft werden – das tut doch niemanden weh“, weiß die Landwirtin auch aus Gesprächen. Stattdessen haben die Bauern in Sachen Milchpreis keinerlei Mitspracherecht. Ganz im Gegenteil: Was ein Betrieb für seine im März gelieferte Milch erhält, bekomme er erst im April mitgeteilt.

Auch Frank Wienecke von der Stendaler Geschäftsstelle der Rinder-Allianz GmbH ist mit der derzeitigen Situation höchst unzufrieden: „Geht es den Autobauern nicht gut, wird eine Abwrackprämie eingeführt – die Landwirte werden von der Politik dagegen völlig allein gelassen.“ Nicht wenige Arbeitsplätze im ländlichen Raum seien dadurch in Gefahr, so Wienecke.

Einen Grund zur Freude gab es am gestrigen Donnerstag dennoch. So hat zum zweiten Mal in der Geschichte des LB Kunrau eine Milchkuh kürzlich die magische Marke von 100 000 Liter Milch geknackt. Genauer gesagt hat die eine Woche vor ihrem zwölften Geburtstag stehende „Mona“ bislang 100 821 Liter Milch bei 7597 Kilogramm Fett und Eiweiß gegeben. „Das spricht dafür, dass es der Kuh gut geht und die Mitarbeiter hier Hand in Hand im Sinne des Tierwohls arbeiten“, beglückwünschte Katharina Roitsch vom Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung Sachen-Anhalt (LKV) den Kunrauer Betrieb zu der Ausnahmekuh.

Bei der Frage, ob Mona der Agrargenossenschaft noch einen ebenso leistungsstarken Nachwuchs hinterlässt, dürften die Mitarbeiter gespannt sein. So waren von den bislang zur Welt gebrachten acht Kälbern – einmal gab es Zwillinge – nur drei weiblich. Keiner dieser Nachkommen ist mehr im Betrieb vorhanden. Doch es besteht Hoffnung: Die hochbetagte Kuh ist derzeit wieder trächtig.

Von Matthias Mittank

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