Wolf: „Haben unsere eigenen Einrichtungen kaputtgespart“

Knackpunkt Kita-Personal

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Im vergangenen Jahr streikten deutschlandweit Erzieherinnen für mehr Geld. Nun muss sich die Stadt Oebisfelde-Weferlingen fragen, ob sie sich gut bezahltes Kita-Personal leisten kann.

Oebisfelde. Ein weiterer wunder Punkt in Sachen Personal und den damit verbundenen Kosten in der Stadtverwaltung sind die Tarifabschlüsse im Erziehungsdienst, die kurz vor Jahresende veröffentlicht wurden.

„Ich habe Schnappatmung, das gebe ich offen und ehrlich zu“, beschreibt Silke Wolf ihre Reaktion auf die ausgehandelten Gehaltstarife. Derzeit sei die Stadt dabei, für jeden einzelnen der 76 Beschäftigten in diesem Bereich das Gehalt auszurechnen. Gerade bei den Leitungspositionen werde es enorme Gehaltssprünge geben, befürchtet die Verwaltungsleiterin. „Das haben wir so nicht erwartet. “.

Zudem müsse geklärt werden, ob es in jeder Einrichtung einen dauerhaften Stellvertreter für die Leitung geben muss. Wenn das geklärt ist, müsse ein Konzept erstellt werden. Geschätzt werden Nachzahlungen im Bereich von 200 000 bis 300 000 Euro, da der Tarifvertrag rückwirkend zum 1. Juli 2015 abgeschlossen wurde. „Das wird den Stadträten sauer aufstoßen, denn das belastet die Haushaltskasse noch einmal enorm“, ist die Bürgermeisterin überzeugt.

Beim Blick auf diese Summen ist Silke Wolf sicher, dass das Personalkonzept für die Kernverwaltung, das im März vorgestellt werden soll und nur sehr geringe Einsparungen bringt, nicht mehr so in den Fokus des Stadtrates rücken wird. Denn von den rund 250 Mitarbeitern, um die es bei der Stadt insgesamt geht, „sind es nur rund 40, die in der Kernverwaltung sind und der Rest ist das, was finanziell weh tut.“ Wenn dort gekürzt werden muss, werde das für den Stadtrat eine ganz schwierige Entscheidung, ist Silke Wolf überzeugt. Dem könnten Beschlüsse wie beispielsweise bei den Nachbarn in Flechtingen folgen, wo die Schließzeiten komplett aufgehoben wurden. „Wir haben das bislang immer sehr großzügig gehandhabt“, erinnert die Bürgermeisterin. Wenn aber Kleinsteinrichtungen bislang bis zu 14 Tage komplett zugemacht wurden, wird das in Zukunft wohl von den Eltern nicht mehr geduldet werden. „Denn wenn wir von den Eltern mehr Beiträge verlangen müssen, dann müssen die Einrichtungen auch geöffnet sein.“

Die neue Kita-Satzung mit der Beitragsdiskussion wird den Stadtrat im ersten Quartal des Jahres beschäftigen. „Das wird eine ganz harte Entscheidung für die Mandatsträger“, kündigt Silke Wolf an. Zumal es dann zum Vergleich zwischen den freien Trägern und der Kommune komme. Und die Stadt hat bei den freien Trägern durchaus auch finanzielle Verpflichtungen. Sie muss das Defizit übernehmen und ist beispielsweise bei den Einrichtungen in Weferlingen auch bei der Kreditlinie mit im Boot, hat sich verpflichtet, für 20 Jahre Zahlungen zu leisten. „Dafür haben wir unsere eigenen Einrichtungen kaputtgespart“, beschreibt es Silke Wolf drastisch. Dort sei es nun ebenfalls dringend an der Zeit, Investitionen in die Werterhaltung zu tätigen. „Am Ende steht für mich die Frage: Können wir uns unser gut bezahltes Kita-Personal leisten oder können wir das nicht?“, bringt Silke Wolf die Problematik auf den Punkt. Wenn sich die Stadt das nicht leisten könne, müsse auf weniger ausgebildete, aber kostengünstigere Mitarbeiter umgeschwenkt werden.

Von Monika Schmidt

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