Neuer Tiefpreis für Molkereiprodukte

Klötzer Milcherzeuger fordern Mindestpreis

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Der Milchpreis ist erstmals unter 20 Cent gesunken. Was die Verbraucher freut, lässt die Landwirte verzweifeln. 40 Cent brauchen sie, um kostendeckend wirtschaften zu können, doch die Branche ächzt wegen des Überangebots.

Klötze. Wir versuchen, dass uns das Wasser nicht in die Nase läuft“, antwortet Raimund Punke, Vorsitzender des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel, auf die Frage, wie die Milchbetriebe mit den schon wieder gesunken Milchpreisen umgehen.

Erstmals ist nun der Preis je Liter Milch unter 20 Cent gesunken und damit europaweit am Tiefpunkt (wir berichteten). 19 Cent bekommen die Landwirte nun, 40 Cent brauchen sie, um kostendeckend wirtschaften zu können. Der Geschäftsführer der Klötzer Milcherzeugergenossenschaft ist sauer: „Der Einzelhandel und die Molkereien verdienen, nur wir nicht.“

So wie es einen Mindestlohn gibt, sollte es auch einen Mindestpreis für Milch und Milchprodukte geben. „Da wäre die Politik gefordert“, sagt Punke. Nun gilt es das Ergebnis des von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt einberufenen „Milchgipfels“ am 25. Mai in Berlin abzuwarten. Eine mögliche Reduzierung der Milchproduktion sieht Punke skeptisch. „Wenn wir die Mengen reduzieren, dann europaweit, sonst produzieren zum Beispiel die Niederlande mehr und die Milch wird von da geholt.“ An den niedrigen Preisen würde das nichts ändern, ist er sich sicher.

Aber nicht nur die Milchbauern leiden unter dem Preisfall, „auch die Landmaschinenindustrie merkt das jetzt schon“, weiß der Bauernverbandsvorsitzende. Um die fehlenden Einnahmen auszugleichen, müssen die Betriebe Investitionen zurückschieben, zum Beispiel an Düngemitteln oder neuen Maschinen. Schlimm sehe es für die Landwirte aus, die nichts zurücklegen konnten, sagt Punke. „Die Liquidität geht flöten.“

Bleibt der Preis weiterhin im Keller, hat das vor allem auch personelle Konsequenzen in den Betrieben. „Die Milchproduktion frisst am meisten Arbeitsplätze. Dort müsste man dann verringern“, fürchtet der Geschäftsführer. Insgesamt wirkt sich die Krise auf die Zukunft der Landwirtschaft aus. „Ich mache das aus Spaß und aus Idealismus. Aber wie soll man junge Leute für den Beruf begeistern, wenn dabei nichts rumkommt.“ Es scheine momentan, als wolle man keine Landwirtschaft mehr in diesem Land, so Punke.

Von Katharina Schulz

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