Stromversorgung ein Problem

Klötzer Algenfarm stößt  an Kapazitätsgrenze: Jährlich zehn Prozent Wachstum

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Die Möglichkeiten zur Mikroalgen-Verarbeitung sind enorm: Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin B12) machen einen großen Anteil aus, auch als Farbstoff für grüne Nudeln und blaue Gummibären werden Algen eingesetzt. Klötzer Algen kommen zudem in Smoothies und ganz neu auch in einem Erfrischungsgetränk aus Österreich zum Einsatz. Die Kunden, darunter viele Firmen, die die Klötzer Algen meist unter eigenem Label weiterverarbeiten, sitzen unter anderem in Dänemark und Polen, im Iran und in der Schweiz.

Klötze. Während mit der bevorstehenden Schließung des Fricopan-Werkes in Immekath ein großer Teil der regionalen Wirtschaftskraft in absehbarer Zeit verloren gehen wird, brummt an anderer Stelle der Einheitsgemeinde Klötze das Geschäft.

Davon konnten sich Landrat Michael Ziche und Bundestagsabgeordneter Jörg Hellmuth (CDU) während einer Stippvisite bei Roquette Klötze, der Algenfarm vor den Toren der Stadt, überzeugen.

Bundestagsabgeordneter Jörg Hellmuth (v.l.) und Landrat Michael Ziche ließen sich von Tilo Mottschall und Jan Bogner (r.) durch die Laborräume, die Fermenteranlage und die Produktionsstätte der Klötzer Algenfarm führen.

Wie Produktionsleiter Jan Bogner seinen Gästen erläuterte, habe sich der industrielle Mikroalgen-Anbau in den zurückliegenden Jahren zu einem absoluten Wachstumsmarkt entwickelt. Spätestens mit der Übernahme der seit 16 Jahren bestehenden Algenfarm durch den französischen Mutterkonzern Roquette im Jahre 2008 gehe es am Klötzer Standort der 100-prozentigen Tochter stetig bergauf – sowohl was die Produktion und Nachfrage der hauptsächlich angebauten Chlorella-Alge als auch die Forschung an anderen Algenarten angeht. Das liege am finanziellen Hintergrund des Mutterkonzerns und am Marketing. „Die Werbung ist entscheidend“, so der Produktionsleiter, der bei der Auftragslage von einem „jährlich zehnprozentigen Wachstum“ sprach. Dadurch werde man mit der 500 Kilometer Glasröhren umfassenden Klötzer Produktionsanlage voraussichtlich in „etwa drei bis vier Jahren“ an die Kapazitätsgrenze stoßen. Ob es dann zu einem Ausbau der Anlage in Klötze oder andernorts kommt, stehe jedoch noch nicht fest. „Platz wäre hier doch genug“, warb Michael Ziche sogleich für den Standort Klötze.

Immerhin hätte der 16-köpfige Mitarbeiterstamm auch die Möglichkeiten dazu. Denn mit einer vor ein paar Jahren komplett in Eigenregie entwickelten und damals weltweit einzigartigen Fermenteranlage – „unser ganzer Stolz“ – sei es möglich, die Algen-Kulturen für die Produktionsanlage deutlich schneller heranzuzüchten. Und das in einem vollkommen geschlossenem System ohne Licht und mit Zugabe von Kohlenstoff als Nahrung für die Mikroalgen. „Die fünffache Menge von dem was im Labor in drei Monaten möglich ist, schafft der Fermenter in nur einer Woche“, erläuterte Laborleiter Tilo Mottschall.

Mittlerweile sei die Technologie sowie das Wissen um den Anbau soweit vorangeschritten, dass mit der Klötzer Anlage bei perfekten Bedingungen eine Tonne Algen-Trockenmasse pro Woche produziert werden könne. Von Mitte März bis, je nach Wetterlage, teils weit in den Herbst hinein könne produziert werden. Die zurückliegenden Tage waren jedoch nicht optimal. „Es ist zwar schön warm, dafür aber zu dunkel“, erläuterte Bogner, warum das Algenwachstum derzeit stagniere. Grund zur Sorge gebe es aber nicht. Durch das günstige Frühlingswetter stehe man produktionstechnisch in dieser Saison bislang sehr gut da.

Kritik an den hiesigen infrastrukturellen Bedingungen äußerten die Algenfarm-Mitarbeiter vor allem in Sachen Stromversorgung. So komme es immer wieder zu Stromschwankungen und -ausfällen, die die gesamte Produktion gefährden. „Oft sind nur wir betroffen, während in Klötze-Nord das Licht brennt“, erklärte Mottschall. Passiere das am Wochenende, telefoniere man sich die Finger wund, bis seitens des Energieversorgers gehandelt werde. Eine eigene Zuleitung, wie sie andere Betriebe in der Westaltmark vorweisen können, gebe es nicht. Landrat Michael Ziche sicherte zu, das Problem bei der Avacon ansprechen zu wollen.

Von Matthias Mittank

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