Bürgermeister Matthias Mann bittet trotz aller Besorgnis um Sachlichkeit und Gelassenheit

Keine Angst vor Asylanten

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Vertreter von Stadt und Kreis sowie die Integrationsbeauftragte Christina Dietmann (l.) begrüßten Ende April die Flüchtlingsfamilien in Mieste. Dort leben sie mitten zwischen den Altmärkern in den Neubaublöcken. Probleme gibt es kaum.

Klötze. Nein, persönlich habe er noch kein negatives Feedback erhalten, räumte Bürgermeister Matthias Mann am Mittwoch ein.

Lothar Görg hatte nachgefragt, nachdem der Klötzer Bürgermeister den Stadträten von den zahlreichen positiven Hilfsangeboten berichtet hatte, die er zum Thema Asylbewerber bereits erhalten hatte. Und dennoch: Die Vorbehalte und Ängste in der Bevölkerung sind in vielen Gesprächen zu spüren, das hatte Lothar Görg richtig beobachtet.

Anfang Oktober sollen in der Einheitsgemeinde Klötze die ersten Asylbewerber eintreffen. Der Kreis hat von privat drei Wohnungen in Neuendorf angemietet, außerdem werden Wohnungen der beiden Wohnungsbauunternehmen in Klötze hergerichtet. „Es kommen eher Familien, die schon einen Titel als Asylbewerber haben“, erläuterte Matthias Mann den Stadträten. Es sollen keine Flüchtlinge in Klötze Wohnungen beziehen, die dann nach 14 Tagen wieder ausziehen.

In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Gespräche und Telefonate zwischen der Stadt und dem Altmarkkreis zu dem Thema, Bürgermeister und Landrat halten einen engen Kontakt. „Bei allen Ängsten und Bedenken möchte ich doch um Sachlichkeit, Ruhe und Gelassenheit bitten“, appellierte Matthias Mann an die Einwohner. Die Kommune sei dann gefragt, wenn die Familien Kinder mitbringen, die in Kita oder Schule betreut werden müssen. Ansonsten bleibe die Aufgabe Asyl weiterhin federführend Sache des Kreises, betonte der Bürgermeister.

In der kommenden Woche – der Termin steht noch nicht genau fest – wird es in der evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze eine Informationsveranstaltung des Landkreises geben. „Das soll aber keine Einwohnerversammlung sein“, betonte Matthias Mann. Eher gehe es darum, diejenigen, die ihre Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlingsfamilien angeboten haben, konkreter zu informieren und die Hilfe zu koordinieren. „Ich bekomme täglich Anrufe und Besuche von Leuten, die helfen wollen“, freute sich der Bürgermeister über die positive Resonanz auf die Asylproblematik in Klötze. So haben sich zum Beispiel Lehrer im Ruhestand gemeldet, die mit den Flüchtlingen Deutsch üben wollen. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist zu spüren“, schätzte der Klötzer Bürgermeister ein.

Dass die Unsicherheit in der Bevölkerung groß ist, ist Matthias Mann schon bewusst. „Es ist eine Situation, mit der wir umgehen lernen müssen“, sagte er gestern im AZ-Gespräch. Es solle diesbezüglich keine Geheimniskrämerei geben, versicherte er, sondern die Stadt will offensiv mit dem Thema umgehen.

Und er verweist auf die anderen Orte im Altmarkkreis, in denen schon seit Längerem Flüchtlingsfamilien leben. Ob in Kalbe oder Mieste, bislang gab es keinerlei negative Vorkommnisse in den kleineren Orten. In Mieste leben seit Ende April mehrere Flüchtlingsfamilien im Ort, die Kinder gehen in Schule und Kita. Um auftretende Fragen und Probleme kümmern sich die Integrationshelfer des Altmarkkreises. Ob es einen solchen Integrationshelfer auch für Klötze geben wird, ist eine Entscheidung des Kreises, der für die Flüchtlinge zuständig ist.

Von Monika Schmidt

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