Motten sorgen für frühe Verfärbung / Schutzgemeinschaft warnt vor neuer Bedrohung durch Bakterien

Kastanien in herbstlicher Tracht

+
Auch rund um Klötze verfärben sich derzeit viele Kastanien aufgrund des Miniermotten-Befalls.

Klötze. Wer derzeit die L 19 zwischen Klötze und Schwiesau befährt, könnte auf die Idee kommen, die herbstliche Laubfärbung beginnt.

Schuld an diesem Eindruck sind die Larven der vor knapp 20 Jahren in die Altmark eingewanderten und vom Balkan stammenden Rosskastanienminiermotte, die mit dem Heranwachsen in den Blättern deren Leitungsbahnen zerstören und so für eine verfrühte Braunfärbung sorgen.

Auch wenn die Kastanie nicht zu den klassischen Wirtschaftsbaumarten gehört, hat Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in Klötze, für private Besitzer einer Kastanie einen Tipp zum Schutz: „Konsequent das heruntergefallene Laub beseitigen – am besten wäre, wo erlaubt, die Blätter zu verbrennen.“ Dadurch werde verhindert, dass die Puppen der Miniermotte im Boden überwintern können. Experten sehen als Bekämpfungsmöglichkeiten zudem das Vergraben des Laubs unter einer zehn bis 50 Zentimeter mächtigen Erdschicht oder das Zerkleinern mit einem Schredder oder Rasenmäher, womit die Puppen zu 80 Prozent abgetötet werden sollen.

Neue Gefahr: Durch das Bakterium Pseudomonas syringae kann die Kastanie absterben.

War das frühe Verfärben der Kastanienblätter bislang vor allem ein ästhetisches Problem, sind die Bäume nun tatsächlich in Gefahr, schlägt der Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Magdeburg nun Alarm. Denn zusätzlich zur Miniermotto wird seit wenigen Jahren der Befall mit einem Bakterium namens Pseudomonas syringae beobachtet, das die Bäume zum Absterben bringt.

Das Bakterium zerstört die Leitungsbahnen und macht den Wasser- und Nährstofftransport unmöglich. Betroffen sei bereits die Hälfte aller Kastanien bundesweit – darunter sowohl junge als auch alte Bäume. Die befallenen Rosskastanien zeigen blutende Stellen vom Stamm bis zur Krone, teilweises Absterben, eine dunkelbraune bis schwarze Verfärbung unter der Rinde sowie Stamm- und Astrisse. Viel getan werden kann – außer Fällen – dagegen nicht.

Damit die Kastanien diese neue Gefahr überleben können, müsse laut der SDW versucht werden, ideale Rahmenbedingungen für die Bäume zu schaffen und Stresssituationen wie Austrocknung zu vermeiden. „Kastanien lieben gut durchlüftete Böden mit hohem Humusgehalt und einem ph-Wert zwischen 6 und 8“, teilt der Landesverband mit.

Hieß es noch vor Jahren, dass die rotblühenden Rosskastanien im Gegensatz zu den weißblühenden nicht befallen werden, gilt mittlerweile nur noch die aus Nordamerika stammende gelbblühende Rosskastanie als resistent gegen die Motte und das Bakterium. Zudem bestehe laut SDW die Hoffnung, langfristig in den natürlichen Wildpopulationen resistente Arten zu finden.

Von Matthias Mittank

Kommentare