Wahlforum: Einwohner nahmen beide Bewerber unter die Lupe

Klötzer Bürgermeisterkandidaten im Kreuzverhör

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Wahlrecht mit 16 findet Gegner und Befürworter

Klötze. „Sie entscheiden, wer die Geschicke der Stadt in Zukunft leiten soll. “ Mit dieser Feststellung eröffnete Wahlleiter Christian Hinze-Riechers am Donnerstagabend das Wahlforum im Klötzer Altmarksaal.

Die beiden Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl, Uwe Bartels (UWG) und Matthias Mann (CDU) stellten sich zunächst selbst vor und dann den Fragen der etwa 100 interessierten Bürger.

Matthias Mann verwies in seiner Vorstellung auf seine kommunalpolitische Erfahrung seit 1994. „Klötze hat weithin einen hervorragenden Ruf im Land“, erklärte er. Das liege auch an den Netzwerken und Kontakten, die er aufgebaut habe.

Und die nahmen die Kandidaten zum Teil sehr gründlich unter die Lupe, auch wenn es bei einigen der Fragen eher um persönliche Probleme ging (Kita-Platz, Baugrundstücke), die vielleicht eher in einem Vier-Augen-Gespräch vorgebracht werden sollten. Außerdem ging es um Punkte, für die die Stadt nicht verantwortlich ist, zum Beispiel die Schließung der Zinnbergschule oder den Verkauf des Fricopan-Geländes.

Es kamen aber auch konkrete Fragen auf den Tisch. So wollte zum Beispiel der Klötzer Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt von Uwe Bartels wissen, wie er zum Martinimarkt stehe. „Der besteht schon lange und soll erhalten bleiben“, antwortete Bartels. Er sehe aber Optimierungsbedarf. Denn Auswärtige verstehen nicht, warum mit der Organisation und Vorbereitung eine Arbeitskraft in der Verwaltung ein ganzes Jahr lang beschäftigt ist. Der Martinimarkt solle aber auf jeden Fall weiter in den Händen der Stadt bleiben, versicherte Uwe Bartels auf Nachfrage.

Uwe Bartels ist in Klötze geboren. Der Maurermeister führt seit 1989 einen eigenen Betrieb, den er im Falle seiner Wahl von einem Geschäftsführer leiten lassen will. Seit 2005 ist er in Jahrstedt Bürgermeister. „Ich habe immer ein offenes Ohr für die Mitbürger.“

Nachgehakt wurde auch beim Thema Tierpark. „Warum will die kleine Stadt Klötze so viele Millionen investieren?“, das habe sich die UWG schon bei der Konzeption gefragt, erinnerte Uwe Bartels. Der Tierpark solle erhalten bleiben und die Ideen der Ortsbürgermeister verwirklicht werden. So wurde vorgeschlagen, einen Streichelzoo mit einem Spielplatz zu kombinieren. Auch Matthias Mann setzt auf den Erhalt des Tierparks, der aber in Zukunft als Tiergehege betrieben werden solle. Der Amtsinhaber informierte, dass es in diesen Tagen eine sehr positive Beurteilung durch das Veterinäramt des Kreises gegeben habe. „Die Tiere sind gut untergebracht und in einem guten Zustand“, berichtete Mann über die Bewertung des Veterinäramtes. Das gesamte Gebiet um Kurhaus, Tierpark, Freibad, Caravanstellplatz und Orchideenwiese habe sich positiv entwickelt, schätzte er ein.

In seiner Vorstellung zu Beginn hatte Matthias Mann auf die finanzielle Entwicklung der Einheitsgemeinde hingewiesen: Vier Millionen Schulden von den zwölf Gemeinden wurden übernommen bei zwei Millionen Euro Rücklagen, die aber nur von zwei Gemeinden stammten. Zum Jahresende 2016 werden sich die Schulden auf 1,5 Millionen reduziert haben. „In den sieben Jahren hatten wir stets einen ausgeglichenen Haushalt“, erinnerte Mann. Günter Zogbaum kam bei der Schuldenrechnung nicht mit: „Wenn von zwei Millionen Euro Schulden jetzt noch 1,5 Millionen da sind, ist das ein Abbau von 70 000 Euro im Jahr“, erschien ihm das nicht sehr viel. Doch Matthias Mann konnte kontern: „Dass die Rücklage jetzt fünf bis sechs Millionen Euro beträgt, habe ich verschwiegen“, verwies er auf eine gesunde Haushaltsführung der Einheitsgemeinde.

Zum Thema Grünflächenpflege fragte Hans-Jürgen Zeitz, wie sich die Stadt das in Zukunft vorstelle: „Es heißt Eigentum verpflichtet und die Grundstücksbesitzer sind gezwungen, bis zur Straßenmitte zu reinigen. Und die Stadt stellt sich hin und sagt: Wir schaffen es nicht. Das geht doch nicht“, fand der Immekather. „Es ist immer alles eine Sache des Geldes“, antwortete Matthias Mann, dem Uwe Bartels stets den Vortritt bei den Antworten ließ. Die Stadtwirtschaft wurde bereits aufgerüstet. „Von der Kapazität her sind wir besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren“, betonte Mann. Ein Teil der Leistungen wurde vergeben, zudem werden Privatleute konsequent aufgefordert, ihren Pflichten nachzukommen. Dafür würden auch Bußgelder angedroht, informierte der Amtsinhaber.

Dass sich Uwe Bartels bislang vor allem für Jahrstedt engagiert habe, stellte Bernd Schulz fest. Ob er sich in Zukunft genauso für die Stadt einsetzen wolle. „Ich stehe hier nicht als Pausenclown“, versicherte Bartels. Selbstverständlich wolle er etwas für die Stadt erreichen. Zudem habe er sich schon jetzt im Stadtrat auch für andere Orte als Jahrstedt eingesetzt, erinnerte er. Bernd Schulz brachte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zur Sprache. „Es müssen nach der Fricopan-Schließung wieder größere Betriebe in Klötze ansässig werden, um die Stadt zu stärken“, antwortete Uwe Bartels. „Für die Entwicklung einer Kommune ist es wichtig, dass sich die Investoren auch wohlfühlen“, setzte Matthias Mann auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Stadtrat. „Netzwerken ist gefragt“, betonte er und erläuterte, dass dies von seinen Mitarbeitern und ihm bereits praktiziert werde. „Man muss die Kontakte zum Land, zum Kreis und zu Fördermittelgebern pflegen.“

Von Monika Schmidt

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