Betreuungsforstamt in Klötze startet neues Forstschutz-Projekt mit Göttinger Wissenschaftlern

Kalk für westaltmärkische Wälder

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Gegen die Versauerung der Waldböden: An zwei Versuchsstandorten im Altmarkkreis Salzwedel werden in Zusammenarbeit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen und des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in diesem Jahr Waldböden per Hubschrauber gekalkt.

Klötze / Altmark. Wie war das noch mal mit dem sauren Regen und dem Waldsterben? Das vor allem in den 1980er Jahren viel diskutierte Umweltthema ist heute aus der öffentlichen Wahrnehmung nahezu verschwunden.

2003 erklärte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast das Waldsterben für beendet. „Wir haben den Trend umgekehrt. Der Wald wächst wieder gesünder“, sagte damals die Grünen-Politikerin.

Durch sauren Regen abgestorbene Nadelbäume im Harz – ein Bild aus vergangenen Tagen (1983). Doch die Versauerung der Waldböden ist nach wie vor ein Thema. Vor allem auch in der Altmark.

Doch die Folgen des einst vor allem durch Schwefeldioxid verursachten sauren Regens sind bis heute zu spüren. Viele Waldböden, insbesondere die vielen leichteren Standorte in der Altmark, sind nachhaltig versauert – und der Negativtrend hält durch den zunehmenden Eintrag von Stickoxiden infolge von Kraftfahrzeugverkehr und Verbrennungsprozessen weiter an. Vom normalen pH-Wert zwischen 5,5 und 6,0 sind die meisten Wälder weit entfernt. „Bei Kakerbeck wurde ein pH-Wert von 4,0 gemessen, bei Jeggeleben waren es nur 2,7 bei Brunau sogar nur 2,6 – das ist wie Essigsäure, das geht gar nicht“, sagt Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in Klötze, im Gespräch mit der AZ. Es sei nur eine Frage der Zeit, so der Forstamtsleiter, bis die Bestände umkippen.

So geht die fortschreitende Versauerung der Böden mit erheblichen Schäden für das Ökosystem Wald einher. Denn mit sinkenden pH-Werten werden neben dem giftigen Aluminium auch Schwermetalle ausgewaschen, die nicht nur die Wurzeln der Bäume schädigen, sondern auch in das Grundwasser geraten. Darüber hinaus werden den Böden auch Nährstoffe entzogen, die den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Letzteres Phänomen ist auch auf einer mit Kiefern bestandenen Boden-Dauerbeobachtungsfläche des Landes im Bereich des Klötzer Forstes nachweisbar. So wurde bei Analysen von Kiefernnadeln festgesellt, dass sich die Nährstoffversorgung mit Magnesium (0,59 mg pro g Blattmasse) und Phosphat (1,08) auf „sehr geringem“ Niveau bewegt. Auch der Gehalt an Calcium (2,37) sei „gering“, der von Kalium (4,85) nur „mittel“. Lediglich die Versorgung mit Stickstoff (15,8) ist im Bereich Klötze wie auch in den meisten anderen Teilen des Landes im grünen Bereich.

Doch gegen die weitere Verarmung der Waldböden kann etwas getan werden – und zwar mit dem Ausbringen von Kalk. Das Betreuungsforstamt Westliche Altmarkt startet hierfür in diesem Jahr ein neues Projekt mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Konkret geht es laut Jachalke zunächst um zwei Versuchsflächen – die eine liegt bei Bonese, einem Ortsteil von Dähre, die andere im Waldgebiet Parchen bei Winterfeld – auf denen im dritten Quartal per Hubschrauber Kalk ausgebracht werden soll. „Das ist keine Düngung“, stellt der Forstamtsleiter klar. Vielmehr gehe es darum, die über den Niederschlag eingebrachten Säurenmengen im Boden abzupuffern. Ziel der Kalkungen sei es, den Bodenzustand zu stabilisieren. „Hierfür werden Dolomitkalke verwendet, die sich langsam umsetzen“, erläutert Jachalke.

Für die Forst-Wissenschaftler aus Göttingen ist die Bodenschutzkalkung im Wald kein neues Feld. Bereits seit den 1980er Jahren werden von der Einrichtung Wälder gekalkt und die Maßnahmen wissenschaftlich begleitet. Seit 2010 wurden in Sachsen-Anhalt mehr als 9300 Hektar Landeswald – der Schwerpunkt lag in Fichtenbeständen des Harzes – gekalkt. In der Regel sind es um die drei Tonnen Kalk, die pro Hektar Waldfläche ausgebracht werden. Die Wälder werden für die Aktionen weiträumig gesperrt, eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen besteht aber nicht.

Die Göttinger sind sich sicher: Ohne Bodenschutzkalkungen werden sich die Wälder nur sehr schwer und vor allem sehr langsam – vermutlich sogar zu langsam – erholen können.

Von Matthias Mittank

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