Lothar Schulz aus Klötze hat eine Leidenschaft für kolorierte Federzeichnungen

„Ich kann im Mauerwerk lesen“

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Erst zeichnet er mit Bleistift und Lineal vor, dann zeichnet Lothar Schulz mit dem Fineliner nach. So entsteht jeder Stein im Mauerwerk der alten Neuferchauer Gaststätte einzeln.

Klötze. „Aquarell ist genau mein Ding“, sagt Lothar Schulz. Und widerlegt mit seinen Bildern die These, dass Aquarelle meist in blassen Farben gehalten sind. Die Bilder des Klötzers sind ausgesprochen farbenfroh.

„Früher habe ich nur Federzeichnungen gemacht“, erzählt Lothar Schulz. Diese hat er dann koloriert. So wirken seine Bilder ein wenig wie alte Postkarten aus längst vergangenen Tagen. Für die Aquarelle nutzt er die Lasurtechnik. Dabei werden die Farben nicht mit Wasser gemischt und verlaufen, sondern werden Schicht für Schicht aufgetragen. Jede Farbe muss erst trocknen, bevor weitergearbeitet werden kann.

„Laufen musste ich erst lernen, aber malen konnte ich schon immer“, sagt Lothar Schulz, der für seine Leidenschaft richtig brennt. Viele Stunden am Tag verbringt der Rentner in seinem Atelier unter dem Dach. Gemalt und gezeichnet hat er schon seit der Kindheit. Nach der Wende absolvierte er im Fernstudium einen Grafikkurs, 1994 schloss er das Diplom mit der Note 2 ab. „Mit 48 Jahren, darauf bin ich richtig stolz“, so Lothar Schulz. „Nach der Wiedervereinigung ging es richtig los.“ Seitdem sind eine Menge Zeichnungen entstanden. Von jeder gibt es auch eine Postkarte, die der Maler in einem Album sammelt. „Bilder malen geht nicht auf Kommando“, weiß der Klötzer. Manchmal wird eine Idee wieder verworfen, manchmal muss er ein Bild erst einige Zeit liegenlassen, bis er sich wieder herantraut. Derzeit arbeitet er an der Zeichnung einer alten Gastwirtschaft von Neuferchau. Der erste Versuch, von der Seite zu zeichnen, gefiel ihm nicht. Jetzt hat er sich für die Draufsicht entschieden. Jeder Stein des Gebäudes wird von ihm einzeln gezeichnet. Als Vorlage dient dem Klötzer ein altes Foto. „Ich zeichne entweder von Fotos als Vorlage oder aus dem Kopf“, erklärt Lothar Schulz.

Vor Ort, in der Natur zu malen, das ist nicht so sein Ding. So hat er von einem Drömlingsmotiv vor Ort nur die Brücke gesehen, Haus und Landschaft drumrum entstammen seiner Fantasie. Eines der ersten Bilder ist eine Federzeichnung der Oebisfelder Burg. Weil es kein passendes Bild gab, mit dem Lothar Schulz seine Aufzeichnungen zur Geschichte der Burg umrahmen konnte, hat er einfach selbst eins gezeichnet. „Ich lese viel und rekonstruiere dann danach die Burgen“, erklärt er. „So verfuhr er auch bei anderen Texten, die er selbst illustrierte, zum Beispiel über die Entwicklung der Klötzer Burg. „Ich kann im Mauerwerk lesen“, beschreibt Schulz seine Methode.

„Zeichnen macht mir viel mehr Spaß als das Schreiben“, erzählt Lothar Schulz. Über die Jeetze, die Burg Klötze und seine Lebensgeschichte hat er Bücher geschrieben. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Neuferchau, dort soll auch die Zeichnung ihren Platz finden, an der er noch arbeitet. Die Bücher vertreibt er von zu Hause, wer sich dafür oder für eines der Bilder interessiert, kann sich telefonisch bei ihm melden, Tel. (0 39 09) 37 13.

Von Monika Schmidt

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