Info-Veranstaltung, um Gerüchte zu widerlegen und Besorgnis auszuräumen

Asyl in Klötze: „Ich bin hier, weil ich Angst habe“

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989 Asylsuchende muss der Altmarkkreis in diesem Jahr aufnehmen, 700 sind schon da, ab Oktober werden monatlich 194 Flüchtlinge dem Kreis zugewiesen. Für diese werden Wohnungen gesucht, erklärte Dezernent Hans Thiele.

Klötze. Die Ängste sind da, die Gerüchteküche brodelt. Von bis zu 100 Wohnungen, die der Kreis in Klötze anmietet, war am Dienstagabend bei der Info-Veranstaltung zum Thema Asyl die Rede. „Das ist falsch“, widersprach Landrat Michael Ziche den Gerüchten energisch.

Auf eine genaue Zahl, wie viele Familien aus Syrien und dem Nahen Osten in Klötze untergebracht werden, wollte er sich aber nicht festlegen. Zumal bis auf drei Wohnungen in Neuendorf noch keine Mietverträge zustande gekommen seien, wie Ziche betonte. An der Bahnhofstraße und an der Wasserfahrt, so informierte jedoch Bürgermeister Matthias Mann, sollen Flüchtlingsfamilien einziehen. „Drei Wohnungen sind im Gespräch“, erklärte er, etwa 80 freie Wohnungen gebe es in der Stadt.

Christina Dietmann warb für ehrenamtliche Hilfe.

„Ich kann die Ängste und die Fragen verstehen, die hier diskutiert werden“, räumte der Bürgermeister ein. Ebenso wie Landrat Michael Ziche nehme auch die Stadt die Bedenken der Bevölkerung ernst. Aber es müsse doch auch in Klötze möglich sein, eine „Willkommenskultur“ zu schaffen, wünschte sich Mann. Dass dies gelingen kann, hatte zuvor Corinna Köbele von der Künstlerstadt Kalbe den Einwohner in der evangelischen Familienbildungsstätte berichtet. Auch Stadtrat Stefan Thodte fand positive Worte. Er unterrichtet an der Miester Sekundarschule und war voller Lob für die zehn Flüchtlingsschüler. „Sie sind hoch motiviert und wollen lernen, die Eltern sind sehr höflich“, berichtete er.

Kommunalpolitiker, aber auch zahlreiche besorgte Einwohner waren zur Info-Veranstaltung in die EFA gekommen.

Ängste auszuräumen, das war ein Ziel des Abends, zu dem der Landrat die zuständigen Mitarbeiter aus dem Bereich Flüchtlingshilfe und Integration mitgebracht hatte. Offen blieb, ob dies gelungen ist. „Ich bin hier, weil ich Angst habe“, sagte gleich der erste Einwohner, der sich zu Wort meldete. „Wir brauchen ein Gefühl von Sicherheit“, so eine weitere Wortmeldung. Dass zu wenig Polizei in Klötze ist, aber durch die Asylbewerber die Kriminalität steigen würde, war eine weitere Befürchtung. Auch diese konnte der Landrat nicht bestätigen. Auch eine Angst vor alleinstehenden männlichen Asylbewerbern sei nicht nötig. Das Konzept des Kreises sehe die Aufnahme von Familien mit Kindern vor, in diesem Jahr waren sieben alleinreisende Männer da. „Die sind aber inzwischen wieder weg“, erklärte Dezernent Hans Thiele. 194 Flüchtlinge im Monat muss der Altmarkkreis ab Oktober unterbringen. „Unsere Ressourcen kommen an ihre Grenze“, sagte der Landrat, der im Gespräch mit dem Bundesinnenminister auf das innere Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung hingewiesen hatte. „Die Sache läuft dem Bund aus dem Ruder“, meinte einer der Anwesenden. Widerspruch gab es nicht, dafür Applaus aus den Zuschauerreihen.

Christina Dietmann ist als Integrationskoordinatorin des Kirchenkreises künftig auch für Klötze zuständig. „Wir müssen mit der Situation umgehen, die uns vor die Füße fällt“, meinte sie und warb auch in Klötze um ehrenamtliche Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlinge. Wer mitmachen möchte oder Fragen hat, kann sich an den Altmarkkreis wenden.

Von Monika Schmidt

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