Hartmut Leneke aus Kusey schlägt Alarm: Von Breitblättriger Sitter fast nichts mehr zu sehen

Hunderte Orchideen abgemäht

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„Hier standen sonst über 1000 Orchideen“, deutet Hartmut Leneke auf den Pappeldamm bei Röwitz. Doch dann kam der Ausbau des Weges. Und nun wurden auch noch die Ränder gemäht. Von den Orchideen der Art Breitblättrige Sitter ist nichts mehr zu sehen.

Röwitz. Hartmut Leneke aus Kusey ist entsetzt. Während in Klötze für die Orchideen in der Moorwaldsenke ein Besuchersteg errichtet wird, werden sie im Drömling achtlos abgemäht.

So sind, wie der 58-Jährige während der Einwohnerfragestunde im Kuseyer Ortschaftsrat informierte, vor wenigen Tagen beim Freischneiden des Röwitzer Pappeldamms hunderte Orchideen „komplett weggeschreddert“ worden. Genauer gesagt handelt es sich dabei um die Art Breitblättrige Sitter (siehe Infokasten).

„Am Weg entlang haben immer über 1000 Orchideen geblüht“, weiß der Kuseyer, der auch den Ausbau des ländlichen Weges für das Verschwinden der Pflanzen verantwortlich macht. So habe der Kalkanteil des neben den Betonspurbahnen verbauten Schotters für ein Ansteigen des ph-Wertes des normalerweise sauren Moorbodens gesorgt. Damit kämen die Orchideen nicht zurecht. Das Mähen der noch nicht aufgeblühten Pflanzen hätte jetzt noch den Rest besorgt. „Nur noch etwa 50 Stück stehen jetzt vielleicht noch – ich finde das unmöglich“, ärgerte sich Hartmut Leneke.

Auch den Ausbau des Weges selbst hält der Kuseyer gerade für Drömlings-Touristen, die das Ursprüngliche suchen, für wenig ansprechend. Das Geld, so Leneke, hätte für Sinnvolleres ausgegeben werden können.

An den Kuseyer Ortsbürgermeister Klaus Vohs wendend, wollte der 58-Jährige wissen, wer für das Mähen des Weges verantwortlich sei. „Die Stadtwirtschaft war es nicht, der Unterhaltungsverband auch nicht“, konnte der Ortschef, der sich im Vorfeld der Sitzung informiert hatte, erklären.

Matthias Dumjahn, Mitarbeiter des Naturparks Drömling, könne sich auf Anfrage der AZ vorstellen, das Landwirte den Weg freigeschnitten hätte – was seitens des Naturparks auch grundsätzlich begrüßt werde. Den entstandenen Schaden schätzte er jedoch aus Naturschutzsicht als „nicht so dramatisch“ ein. So werde die relativ häufige vorkommende Breitblättrige Sitter im Gegensatz zum Beispiel zur Sumpf-Sitter (Epipactis palustris) nicht in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt.

Von Matthias Mittank

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