„Haarscharf an einer Katastrophe vorbei“

Brand an der Burg hätte das Archiv vernichten können

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Etwa 20 Meter hoch zieht sich der Ruß an der Burgmauer hoch. Nur wenige Zentimeter mehr und die Flammen hätten den Dachstuhl aus Holz erreicht.

Oebisfelde. Bürgermeisterin Silke Wolf ist entsetzt. Nur haarscharf schrammte die Stadt am Wochenende an einer Katastrophe vorbei.

Unbekannte hatten auf dem Kleinen Burghof mehrere Restmülltonnen angezündet. Der Brand blieb unbemerkt, weil die Flammen offensichtlich ausschließlich im Innenhof der Burg aufstiegen. Die vier Mülltonnen brannten, so berichtet die Polizei, die gestern Morgen sofort von der Verwaltung eingeschaltet worden war, komplett nieder.

Was jedoch viel schlimmer ist: Der Ruß von den brennenden Tonnen kroch förmlich die gesamte historische Mauer der Burg empor. Etwa 20 Meter hoch ist die Wand nun nicht nur verrußt, durch die Hitzeentwicklung wurde auch ein Fenster beschädigt. „Es waren nur Zentimeter bis zum Dachstuhl“, ist Silke Wolf gestern Mittag noch fassungslos. Dann hätten die Flammen den Dachstuhl aus Holz erreicht.

Weil unter den Mülltonnen Steine lagerten, konnte zudem verhindert werden, dass sich der Brand durch die Bodenöffnungen nach innen fressen konnte. Denn die Burg besteht aus einer Innenholzkonstruktion, die sofort Feuer gefangen hätte. Und dann wäre die Katastrophe unvermeidlich gewesen, befürchtet Silke Wolf. Denn in dem Teil des Gebäudes ist nicht nur die Bibliothek untergebracht. Im Obergeschoss lagert das komplette Archiv der Stadt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die historisch bedeutsamen Unterlagen Feuer gefangen hätte. „Sonntag in der Nacht bekommt das doch keiner mit“, so Silke Wolf.

Wie Polizeisprecher Joachim Albrecht informiert, schätzen die Beamten den Schaden auf 3000 Euro. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf, sicherte Spuren und fotografierte den Brandort. Wer Hinweise zu den Tätern und zur genauen Tatzeit machen kann, kann sich an jede Polizeidienststelle in der Region wenden. „Das ist keine Dumme-Jungen-Streich mehr“, betont die Bürgermeisterin von Oebisfelde-Weferlingen. Zumal es bereits das zweite Mal ist, dass es auf dem Burggelände brannte. Sogar die Feuerwehr hatte beim ersten Mal ausrücken müssen, um am Burgturm Schaden abzuwenden, erinnert sie.

Dieses Mal blieben die Feuerwehrleute ohne Einsatz, da die Flammen nicht bemerkt wurden. Die Stadt muss nun Gespräche mit dem Denkmalschutz führen, wie der Ruß von der Mauer wieder entfernt werden kann. „Weil das Gebäude denkmalgeschützt ist, können wir da ja nicht einfach mit dem Sandstrahler rangehen“, erläutert Silke Wolf. Auch die Stadt hofft, dass sich Zeugen bei der Polizei melden, die Hinweise zu den Tätern geben können, damit diese zur Verantwortung gezogen werden können.

Von Monika Schmidt

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