Schock für die Region: Betrieb will Produktion einstellen

Großbäckerei Fricopan in Immekath: 508 Mitarbeiter verlieren den Job

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Fassungslos und enttäuscht gingen die Mitarbeiter von Fricopan gestern auf die Straße. Die Produktion in ihrer Großbäckerei soll immer weiter zurückgefahren werden und schließlich völlig eingestellt werden.

Klötze/Immekath. Die 508 Mitarbeiter der Immekather Großbäckerei Fricopan werden ab Ende August auf der Straße stehen. Die Produktion wird schrittweise bis zur endgültigen Schließung zurückgefahren, wurde gestern Vormittag bei einer Betriebsversammlung im Klötzer Altmarksaal mitgeteilt.

Update: Erste Rettungsversuche für Fricopan

Das übernahmen Fricopan-Geschäftsführer Marc Saam und die Personalverantwortliche für Europa im Aryzta-Konzern, Anja Zapka- Volkmann. Die Emotionen bei der Versammlung kochten hoch, es gab Tränen und lautstarken Protest. Der mündete gegen Mittag in einen Protestmarsch durch die Klötzer Innenstadt, bei dem die Fricopaner auch von Landrat Michael Ziche und dem Klötzer Bürgermeister-Stellvertreter Christian Hinze-Riechers begleitet wurde. „Wir wollen weiter Brötchen backen“, „Aryzta Ausbeuter“ und „Wir sind Fricopan“ skandierten die Mitarbeiter.

Begründet wurde die Schließung mit der wirtschaftlichen Lage. Dabei, so räumte Pressesprecher Günther Lindinger gegenüber der AZ ein, wurde im Geschäftsjahr 2015/16 eine „schwarze Null“ gefahren. „Aber das ist am Ende zu wenig“, erläuterte er.

Andreas Höppner, Landtagsabgeordneter der Linken und langjähriger Betriebsratsvorsitzender von Fricopan, warf der Firma Fördermittelbetrug vor. Er wolle eine entsprechende Anzeige erstatten, kündigte Höppner an. Der Aryzta- Konzern hat vor 20 Jahren Mittel für Fricopan und in den vergangenen Jahren Fördermittel für den Bau eines neuen Werks in Eisleben kassiert. Die Förderpraxis des Landes müsse überprüft werden, fordert der Landtagsabgeordnete.

Nach der Betriebsversammlung trafen sich die Konzern- Vertreter in Magdeburg mit Wirtschaftsminister Jörg Felgner (CDU). Der will heute Nachmittag persönlich nach Immekath kommen, um mit dem Landrat und dem Betriebsrat von Fricopan Möglichkeiten der Investorensuche zu besprechen.

Von Monika Schmidt

Haseloff: „Das ist sehr schmerzhaft“

ct/mm Magdeburg/Klötze.  „Die unternehmerische Entscheidung ist sehr schmerzhaft für die Beschäftigten, die Altmark und das Land“, sagt Ministerpräsident Reiner Haseloff auf AZ-Anfrage zur Situation bei Fricopan. Die Landesregierung habe die Geschäftsführung an ihre unternehmerische Verantwortung erinnert und wird im engen Kontakt mit den Beschäftigten bleiben, versicherte er. Am heutigen Dienstag werden das Wirtschaftsministerium und das Sozialministerium im Kabinett über den Sachstand und über mögliche Hilfestellungen von Seiten der Landesregierung berichten. Maßnahmen, wie der Region und den Menschen geholfen werden kann, werden zur Zeit geprüft. Dabei kann es z.B. um eine weitere Nutzung des Fabrikationsstandort oder um die Bildung einer Transfergesellschaft gehen. Letzteres wird vom Unternehmen als Option derzeit ausgeschlossen. „Die Bildung einer Transfergesellschaft ist nicht geplant“, erklärte Fricopan-Sprecher Günther Lindinger gegenüber

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