Blaue Flaschen werden meist falsch einsortiert oder bleiben vor den Containern

Glas ist nicht gleich Glas

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Dass Müllsäcke nicht zum Altglas gehören sollte klar sein. Wohin aber mit den blauen Glasflaschen?

Kusey. Ziemlich wüst sieht es im Bereich rund um die Glas- und Kleidercontainer an der ehemaligen BHG in Kusey aus. Man könnte hier eher eine Mülldeponie vermuten.

Viele Glasscherben liegen auf der Straße zu den Containern, Müllsäcke und ein alter Warmwasserboiler liegen vor den Behältern. Nachdem die letzten Überreste der Silvesterpartys beseitigt wurden, liegen vor allem blaue Flaschen vor den Container. Dass weißes Glas in den Weiß-Glascontainer gehört, braunes in den Braunglascontainer usw. ist klar, allerdings wissen die wenigsten wohin eigentlich mit blauem Glas.

Blaue Flaschen, wie sie zum Beispiel für Prosecco verwendet werden, kommen in den Grün-Glascontainer. Warum? Wenn grünes Glas eingeschmolzen wird, um Neuglas zu produzieren, verträgt es einen Fremdfarbenanteil bis zu 15 Prozent ohne völlig zu verfärben. Braunglas verträgt nur acht Prozent Fremdfarbe, Weißglas sogar nur 0,5 Prozent. Fenster-, Spiegel-, Opal-, Labor-, Fernseher-, andere Spezialgläser und reine Trinkgläser gehören nicht in die Container. Sie enthalten Schwermetallzusätze, wie Blei, zur Verbesserung ihrer optischen Eigenschaften. Bei Verpackungsglas ist genau das aber unerwünscht. Auch Keramik, Steingut und Porzellan sollten nicht dort entsorgt werden, da sie beim Schmelzen große Probleme bereiten können und Glasfehler verursachen.

Wer übrigens glaubt, dass das Sortieren überflüssig sei, weil es auf beim Abtransport im Lkw sowieso alles auf einem Haufen landen würde, der irrt. Für Altglas gibt es spezielle Entsorgungsfahrzeuge, die in drei Kammern für die verschiedenen Glasfarben unterteilt sind und separat befüllt werden. Sie bringen das Glas in Aufbereitungsanlagen. Dort wird es zerkleinert, Fremdstoffe und falsche Farben werden aussortiert. Danach wird das Altglas bei mehr als 1200 Grad Celsius geschmolzen. Unter Beimischung von Zuschlagstoffen wird es in neue Form gebracht, sodass es nach dem nächsten Silvester vielleicht wieder als leere Sektflasche im Glascontainer landet.

Von Katharina Schulz und Wolfram Weber

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