Arbeitsagentur gibt sich zuversichtlich / Speed-Dating für neue Jobs

Fricopaner bekommen Kündigung per Post

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Post von Aryzta/Fricopan gab es am Wochenende für die Mitarbeiter: „Kündigung. Zustellung per Boten“ stand dick auf den Briefumschlägen.

Immekath. Es stand dick auf den Umschlägen geschrieben, die am Wochenende bei den ersten Fricopanern im Postkasten landeten: „Kündigung. Zustellung per Boten“.

„Aryzta/Fricopans letzte Rache an den Fricopanern?“, fragte sich Andreas Höppner, langjähriger Betriebsratsvorsitzender und heutiger Landtagsabgeordneter der Linken. „Auf dem Briefumschlag steht gleich Kündigung, um zu schocken“, vermutete der Kloser Neuendorfer auf seinem Twitter-Account.

Am Donnerstag hatte der Betriebsrat noch einmal im Klötzer Altmarksaal beraten, am morgigen Dienstag sollen ab 10 Uhr bei einer Betriebsversammlung im Altmarksaal die letzten Details mit den Mitarbeitern besprochen werden. Dort wird der Betriebsrat den Kollegen dann auch das detaillierte Ergebnis der Verhandlungen mit dem Unternehmen vorstellen, bei dem in der Vorwoche nach langwierigen Gesprächen ein Sozialplan erarbeitet worden war.

Der Betrieb in Immekath schließt zum 31. August, die Fricopaner werden arbeitslos. Das müssen sie aber nicht lange bleiben, denn Kay Senius, Chef der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen, gibt sich optimistisch: „Im Hinblick auf die Integrationschancen der Fricopan-Mitarbeiter bin ich optimistisch“, erklärte er gestern. Die Arbeitsagentur werde den Betroffenen schnell helfen und ihnen auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung zur Seite stehen, versicherte er. Es komme zwar auch auf das individuelle Profil und die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt an, schränkte er ein. Dennoch: „Bei den Fricopanern handelt es sich in der Regel um flexible und gut ausgebildete Mitarbeiter mit Erfahrung im Schichtbetrieb“, lobte Kay Senius. Zudem würden viele Unternehmen Fachkräfte suchen. Wo Bedarf besteht, werde die Arbeitsagentur auch weitere Qualifizierungen vornehmen, versicherte er.

Claus Schlürscheid fährt täglich mit dem Kübeltrabi zur Brutzelbude, um nach dem Rechten zu sehen. Ende August ist damit Schluss.

Markus Nitsch, Chef der Stendaler Arbeitsagentur, war mit seinem Team bislang ebenfalls nicht untätig. Es habe bereits im Vorfeld Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern, auch aus der Lebensmittelbranche, gegeben, um die Fricopaner dorthin zu vermitteln, informierte er. „Gegebenenfalls werden wir auch spezielle Job-Speed-Dating und Bewerbertage für die Betroffenen organisieren“, versprach er. Im Juli waren bei der Arbeitsagentur Stendal 1300 offene Stellen gemeldet, gibt sich Nitsch optimistisch. Eine Euphorie, die Andreas Höppner ein wenig dämpft: „Leider sind die meisten Jobangebote nur in der Leiharbeit“, verweist er auf „miese Bezahlung“ und „befristete Arbeitsverträge“.

Ende August, wenn bei Fricopan die Lichter ausgehen, ist auch mit dem Imbiss neben dem Werksverkauf Schluss. Dann kann Claus Schlürscheid nicht mehr mit seinem Kübel-Trabi von Röwitz nach Immekath fahren. Bis jetzt gibt es noch keinen neuen Standort für Clausis Brutzelbude, die seine Frau leitet.

Von Monika Schmidt

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