Abgeordnete sollen Farbe bekennen und die Förderpolitik des Landes in Frage stellen

Fricopan: „Landtag muss dazwischenhauen“

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Fassungslos und enttäuscht gingen die Mitarbeiter von Fricopan am 9. Mai auf die Straße. Die Produktion in ihrer Großbäckerei soll immer weiter zurückgefahren werden und schließlich völlig eingestellt werden.

Klötze / Immekath. „Wenn das alles mit rechten Dingen gelaufen ist, dann muss der Gesetzgeber das Recht ändern. “ Das sagt der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann zum Thema Fördermittelpolitik des Landes.

Dass der Konzern Aryzta zunächst für den Standort Immekath eine Förderung bekam, später vom Land eine zweite für einen anderen Standort in Sachsen-Anhalt und dann nach Ablauf der Bindefrist für die Mittel den ersten Standort schließen will, das sei letztendlich ein hausgemachtes Problem des Landes, stellt Matthias Mann im AZ-Gespräch fest. Er fordert: „Da muss der Landtag dazwischenhauen.“

Das Beispiel Fricopan zeige, wie dringend die Förderpolitik des Landes verändert werden muss. „Und es ist die Sache der Landtagsabgeordneten, das zu ändern“, betont der Klötzer Bürgermeister. „Die haben wir gewählt, damit sie auch mal eigenständig sagen: So kann es nicht weitergehen.“

Jeder Privatmann, der für eine Haussanierung Fördergeld beantrage, „bekommt vorgeschrieben, welche Farbe der Dachziegel er nehmen muss“, erinnert Matthias Mann. Und in Magdeburg will keiner gemerkt haben, dass eine doppelte Förderung für eine Firma wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Das könne nicht angehen und müsse auf jeden Fall zügig geändert werden, fordert der Klötzer Bürgermeister im AZ-Gespräch.

Dass die beiden Klötzer Landtagsabgeordneten Uwe Harms (CDU) und Jürgen Barth (SPD) am vergangenen Montag nicht bei der Betriebsversammlung im Altmarksaal und der anschließenden Demonstration durch Klötze zugegen waren, wollte Mann nicht kommentieren. Sehr wohl betont der Klötzer Bürgermeister aber, dass er darauf gedrängt habe, dass die Stadt durch seinen Stellvertreter vor Ort vertreten ist und auch der Landrat an dem Marsch durch die Innenstadt teilgenommen hatte: „Das hat ein Zeichen gesetzt.“

Von Monika Schmidt

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