Landrat und Bürgermeister kämpfen um Erhalt des Standortes Immekath

Fricopan: „Gut ausgebildete Leute“

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Mitarbeiter beim Protest vor dem Firmengelände von Fricopan.

Immekath / Salzwedel. „Wenn 500 Arbeitsplätze wegbrechen, kann das eine Region nicht so einfach wegstecken“, kommentierte Landrat Michael Ziche die Entwicklung beim Immekather Unternehmen Fricopan.

Er kritisierte das Verhalten der Geschäftsführung von Fricopan und der Muttergesellschaft Aryzta: „Es gibt soziale Verantwortung, und die wird in anderen Unternehmen besser vorgelebt. “.

Die Investitions- und Marketinggesellschaft von Sachsen-Anhalt habe laut Ziche rund 200 Firmen kontaktiert, um die Arbeitsplätze in Immekath in irgendeiner Form zu erhalten. Zeichne sich bis August keine Lösung ab, so solle mit dem sozialverträglichen Abbau des Fricopan-Personals begonnen werden. Am 7. Juli ist die nächste Verhandlungsrunde zwischen dem Betriebsrat und dem Unternehmen geplant.

Der Landrat erklärte vor dem Kreistag am Montag, dass er sich durch Wirtschaftsminister Jörg Felgner über den Fortgang in der Angelegenheit informieren lässt. Fricopan bzw. Aryzta hätte bislang keinen Kontakt zu ihm gesucht, was für Ziche schwer nachvollziehbar sei, wie er betonte. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche die Teilnahme an einer Gesprächsrunde mit dem Minister in Klötze abgelehnt, weil diese ohnehin nur eine „Showveranstaltung“ gewesen wäre.

Das Schließen des Fricopan-Werks sorgt seit Anfang Mai für Unmut in der Region. Alle Versuche, den Standort an einen anderen Investor zu verkaufen, sind bislang noch nicht zu einem Erfolg gekommen. Die Bildung einer Transfergesellschaft ist von der Geschäftsführung abgelehnt worden. Das Interesse des Kreises gehe nun ebenfalls in die Richtung, den Standort Immekath als Wirtschaftsfaktor im Kreis zu erhalten, hatte Michael Ziche bereits in der Vorwoche nach der Zusammenkunft mit dem Wirtschaftsminister im Pressegespräch betont.

Im Klötzer Stadtrat hatte Bürgermeister Matthias Mann in der Vorwoche die angekündigte Schließung von Fricopan als „traurige Angelegenheit“ bezeichnet. Trotzdem appellierte er an die Betroffenen, in die Zukunft zu sehen, „auch wenn Aryzta erklärt hat, dass das Unternehmen kein Interesse an einer Fortführung des Standortes hat.“ Deshalb sollten sich die Anstrengungen der Politik eher darauf konzentrieren, potenziellen Interessenten für eine Nachfolge den Weg nach Immekath zu ebnen. Matthias Mann hätte sich vom Backwarenmutterkonzern aus der Schweiz gewünscht, dass „nicht der Standort und die Region schlecht geredet“ werden. „Wir haben hier gut ausgebildete Leute“, erinnerte er. Aryzta hatte die Schließung in Immekath in erster Linie mit der schlechten Verkehrsanbindung von Immekath begründet.

Von Jens Heymann und Monika Schmidt

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