Übergangsfrist endet: Behörde prüft Kassensystem / Viele wollen aufgeben

Finanzamt hat Klein-Unternehmer auf dem Kieker

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Der lütte Dorpladen in Röwitz ist für viele auch ein Treffpunkt, um beim Einkaufen Neuigkeiten auszutauschen, finden Frank Tietge und Heinz Dörwald (r.).

Röwitz. Seit fast 25 Jahren betreibt Familie Klaus Schulz und Karina Langleist in Röwitz „De lütte Dorpladen“. Doch immer weitergehende Vorschriften bereiten große Existenzängste.

Im Dorfladen gibt es Dinge des täglichen Bedarfs, Lebensmittel aller Art, frisches Brot und Brötchen, Obst und Gemüse, Glückwunschkarten, aber auch Utensilien für den Haushalt. Besonders ältere, nicht mobile Einwohner des Ortes schätzen das Engagement der beiden Betreiber. Der kleine Laden ist aber auch ein gern genutzter Treffpunkt, um sich über das Geschehen im Ort und der Welt zu informieren und sich auszutauschen.

Viele Vorschriften und Auflagen von Seiten der Behörden hinterlassen bei den Betreibern kleiner Läden oft nur Unverständnis und Kopfschütteln, sind sie doch meist mit enormen Aufwand und erheblichen Kosten für die Betriebe, die von den Einnahmen kaum überleben können, verbunden. Neuestes Beispiel ist die verpflichtende Einführung der Scannerkassen, die mit Kosten von bis zu 2000 Euro verbunden sind.

„Für die kleinen Betriebe wird es immer schwieriger, die Auflagen werden immer größer“, klagt zum Beispiel auch Ronny Bratke aus Jahrstedt, Obermeister der Fleischerinnung. Nicht nur, dass sie sich gegenüber den großen Märkten mit günstigerem Angebot durch Qualität behaupten müssen, wenn dann noch durch sich ändernde Vorschriften Neuanschaffungen getätigt werden müssen, ist das für die Klein-Unternehmer doppelt ärgerlich.

Karina Langleist hat nicht mehr viel zu lachen – zumindest was das Geschäft betrifft. Bis Jahresende müssen alle Betriebe ihr Kassensystem umstellen.

Dass die neuen Kassensysteme eingeführt werden müssen, gilt schon seit Januar 2015. Damals wurden die „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) eingeführt. Zum Jahresende 2016 läuft nun aber die Übergangsfrist, die den Betrieben eingeräumt wurde, aus. Bei zukünftigen Betriebsprüfungen wird das Finanzamt den Fokus besonders auf die sogenannten Vorsysteme, also Kassen, Fakturierungssysteme und Warenwirtschaft legen, hat auch die Magdeburger Handwerkskammer ihre Mitglieder bereits gewarnt. Bei Unternehmen, die ihre Kassensysteme nicht aufrüsten, wird die Ordnungsmäßigkeit der Betriebsführung in Frage gestellt. „Schlimmstenfalls drohen nachteilige Schätzungen durch die Finanzbehörden“, heißt es in einer Mitteilung der Handwerkskammer-Pressesprecherin Anja Gildemeister.

Besonders viele kleine Betriebe in der Altmark fürchten diese „weitreichenden Auswirkungen“ nun. Um diese zu umgehen und weil es sich vielfach für die kleinen Geschäftsinhaber, die sich vor 25 Jahren selbstständig gemacht haben und nun kurz vor der Rente stehen, nicht mehr lohnt, in das neue Kassensystem mit Scanner und Rückverfolgung der Waren bis ins letzte Detail zu investieren, haben schon einige Geschäftsleute angekündigt, dass sie ihren Laden zum Jahresende schließen wollen. Die Familie Schulz / Langleist gehört nicht dazu. Sie wollen weitermachen, auch weil ihr Laden der einzige Treff- und Kontaktpunkt für die Einwohner des Dorfes ist. In dem Haus herrschte schon immer viel Trubel: Bis vor etwa 50 Jahren war in dem Gebäude des heutigen „Lütten Dorpladen“ in Röwitz die Schule des Dorfes. Später wurde daraus erst ein Dorfkonsum zu DDR-Zeiten, nach der Wende kam die Privatisierung. Anfang der 90er Jahre kaufte Familie Schulz/Langleist das Gebäude und führt seitdem den Laden in Eigenregie.

Von Wolfram Weber und Monika Schmidt

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