Angebote vom Firmen, Mitarbeiter zu übernehmen / Wirtschaftsminister Jörg Felgner in Klötze

Erste Rettungsversuche für Fricopan

+
Wirtschaftsminister Jörg Felgner (SPD) appellierte an die Verantwortung des Konzerns für die Mitarbeiter, Betriebsratsvorsitzende Gerda Hentschel schöpfte ein bisschen Hoffnung.

Klötze / Immekath. „Ich bin froh, dass so schnelle Hilfe signalisiert wurde, dass es am Standort weitergehen könnte“, Gerda Hentschel, Betriebsratsvorsitzende von Fricopan, gab sich gestern Nachmittag bedeckt optimistisch.

Nach der Betriebsversammlung am Montag und dem damit verbundenen Medieninteresse haben sich bereits drei branchenähnliche Firmen aus der Region und darüber hinaus gemeldet, die bereit sind, Mitarbeiter zu übernehmen. Auch für die Auszubildenden zeichnet sich eine Lösung ab: Eine größere Firma aus dem Umkreis habe angeboten, dass einige Azubis dort ihre Lehren beenden können. „Es ist ein großer Schritt, den wir in den zwei Tagen gemacht haben“, stellt Gerda Hentschel fest. Sie bedankte sich auch für die Unterstützung von Wirtschaftsminister Jörg Felgner (SPD), der heute mit Vertretern weiterer Landesministerien, dem Chef der Arbeitsagentur und dem Landrat nach Klötze gekommen war, um über die Situation zu sprechen.

Passend dazu

508 Mitarbeiter verlieren den Job

Fördermittelbetrug von Aryzta steht als Vorwurf im Raum

Felgner ließ sich aus erster Hand vom Betriebsrat informieren, wie die Dinge bei Fricopan abgelaufen sind. Er sprach deutliche Worte: „Ich erwarte von der Konzernleitung, dass sie die Verantwortung für den Standort und die Mitarbeiter übernimmt.“ Wenn sich für den Betrieb eine Lösung abzeichne, solle Aryzta dies deutlich unterstützen, forderte Felgner. Gegenüber der AZ hatte der Minister bereits am Montag erklärt, dass er bei der Investorensuche helfen wolle, da die Schließung wohl nicht mehr abzuwenden sei.

Doch die Mitarbeiter sperren sich dagegen, wollen ihre Arbeitsplätze vor Ort erhalten wissen. So gab es das Angebot, statt des Vier-Schicht-Systems nur noch in drei Schichten zu arbeiten, erklärte Gerda Hentschel. „Das wäre eine Lösung. Warum man das nicht annehmen möchte? Keine Ahnung.“

Kritikpunkt bleibt, dass sich die Konzernleitung gegen die Verhandlungen mit der Politik sperrt. Landrat Michael Ziche bemängelte, dass die Unternehmensleitung am Montag kein Interesse daran zeigte, persönlich mit ihm zu sprechen. „Als Landrat möchte ich Informationen aus erster Hand bekommen“, erklärte Ziche. Er hatte die Informationen über die geplante Betriebsschließung am Freitag von Ministerpräsident Reiner Haseloff bekommen, nicht vom Unternehmen selbst. „Eigentlich sollte es umgekehrt sein“, bedauerte Ziche die mangelnde Kommunikation mit der Aryzta-Spitze. Wichtigstes Ziel sei es nun, „dass es für die Mitarbeiter am Standort weitergeht“, betonte der Landrat. Denn der Altmarkkreis, der bislang eine niedrige Arbeitslosenquote hatte, hat noch andere Baustellen: Im Erdgas und Erdölbereich sowie bei Zeitarbeitsfirmen, die unter den Problemen von VW leiden. „Das treibt einen als Landrat um“, so Ziche.

Von Monika Schmidt

Mehr zum Thema

Kommentare