Nina und Jan Witwar aus Breitenrode züchten die seltenen Caspian Horses / Nur noch 2000 Miniaturpferde weltweit

Eine große Leidenschaft für kleine Pferde

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BITA Banu ist das erste Caspian Horse, das bei den Witwars einzog. 2013 kam die Stute nach Breitenrode.

Katharina Schulz. Breitenrode. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick, als Nina Witwar vor einigen Jahren einen Beitrag über Caspian Horses (zu dt. Kaspische Kleinpferde) im Fernsehen sah. „Dabei wurde die Rasse vorgestellt, die hauptsächlich in England gezüchtet wird.

HENDEN Aljaba ist ein stolzer Hengst. Der neunjährige Schimmel ist sehr gelehrig, Nina Witwar hat ihm so manche Kunststücke beigebracht. In diesem Jahr kamen seine ersten Nachfahren in Breitenrode zur Welt. Weltweit gibt es nur noch etwa 2000 Caspian Horses.

Das ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf“, erzählt die Breitenroderin im Gespräch mit der AZ. 2013 stießen sie und ihr Mann Jan dann zufällig im Internet auf eine Kleinanzeige, in der eins der seltenen Pferde verkauft werden sollte. Ohne lange zu überlegen, sahen sich Nina und Jan das Pferd an und kauften es. BITA Banu war damit die erste kaspische Stute, die auf den Hof in Breitenrode einzog. „Bita Banu kommt aus dem persischen und heißt übersetzt einzigartige Dame“, erklärt Nina Witwar. Die Züchter wählten deshalb auch das Prefix BITA für ihre Pferde, das heißt jedes selbst gezüchtete Caspian Horse der Witwars bekommt den vorangestellten Namen BITA als Erkennungszeichen für den Züchter.

Ganz so einfach war der Pferdekauf aber nicht, denn die Witwars hatten zuvor noch keine Caspian Horses live gesehen und die heute 5-jährige Banu besaß keine Papiere. Ob es sich bei dem nur 1,12 Meter großen Pferd tatsächlich um eines der seltenen Caspian Horses handelt, musste erst ein DNA-Test beweisen. Dann erst stellte der englische Zuchtverband die Papiere aus.

Seit ihrem zwölften Lebensjahr reitet Nina Witwar, vornehmlich auf Ponys. Nach 15 Jahren erfüllte sie sich einen Herzenswunsch und kaufte sich auch einen Friesen. „Aber ich bin auch immer bei Ponys geblieben“, erzählt Nina Witwar. Da lag es eigentlich nahe sich auch für die Caspian Horses zu begeistern. Denn die Tiere sind mit einer Größe von 1 bis 1,27 Meter zwar nur so groß wie Ponys, ihr Körperbau deutet aber auf Großpferde hin. Ponytypische Merkmale wie zum Beispiel der eher kräftigere und rund wirkende Körperbau fehlen jedoch. „Von der Größe her liegen sie zwischen Shetty und Reitpony, so wie Welsh-Ponys. Die haben aber viel Feuer unterm Hintern, sind temperamentvoller. Die Caspian Horses sind ausgeglichener“, sagt Nina Witwar, während sie HENDEN Aljaba die Mähne streichelt.

Der neunjährige Hengst ist der ganze Stolz der Züchter. „Für den Hengst sind wir bestimmt 25 Stunden durch Deutschland gefahren. Wir haben ihn am Bodensee gekauft“, erinnert sich Nina Witwar.

Mittlerweile leben auf dem Hof in Breitenrode sieben Caspian Horses – ein Hengst, vier Stuten und zwei Fohlen. Aljaba hat eine Decklizenz in der Caspian Breed Society (CBS) und der Caspian Horse Society (CHS). Seine ersten Nachkommen kamen in diesem Jahr bei den Witwars zur Welt. „Das sind unsere zwei Sechser im Lotto“, freut sich Nina Witwar und blickt zu den beiden Hengstfohlen BITA Darayavahoush und BITA Jamil Shahriyar hinüber. Vertrauensvoll kommt Jamil gleich zu Jan und Nina Witwar angetrabt, begrüßt die beiden und versucht Jan Witwars Schuhe anzuknabbern. Neugierde und Mut seien typisch für Caspian Horses, erklärt Nina Witwar. Die beiden kleinen Hengste sind die ersten selbst gezogenen Caspian Horses der Witwars.

DRA Zolal brachte am 6. April BITA Darayavahoush zur Welt. In Klötze wurde der kleine Hengst prämiert.

Mit ihrer Zucht wollen die Breitenroder die seltene Rasse erhalten. Etwa 2000 Caspian Horses gibt es nur noch weltweit. „Es wäre so schade drum, wenn es sie nicht mehr gibt. Wir wollen aber nicht einfach nur so irgendwie züchten, sondern alles richtig machen und stehen viel mit den Zuchtverbänden in Kontakt“, so Nina Witwar. Besonders die Ponyzuchtgemeinschaft Drömling, in der die Witwars Mitglied sind, sei eine große Unterstützung. Bei der Jubiläums-Fohlenschau der Zuchtgemeinschaft in Klötze vor wenigen Wochen stellten die Witwars Darayavahoush, der nur Darius gerufen wird, und Jamil einem breiten Publikum vor. Die Richter zeigten sich begeistert von den beiden. Darius wurde als Prämien- und Championatsfohlen ausgezeichnet, Jamil wurde Reservesieger. Am 31. Juli geht es nun für die beiden zum Fohlenchampionat nach Prussendorf. „Wir freuen uns riesig darüber“, sagt Nina Witwar.

Das Interesse anderer Züchter an den Caspian Horses ist groß. Die Witwars stellten ihre Tieren bereits bei Schauen in Weddendorf und Magdeburg sowie der Tier- und Gewerbeschau in Kakerbeck vor. „Da wird dann schon mal nachgefragt, was das für eine Rasse ist“, erzählt die Züchterin. Nun hofft sie, dass es auch im nächsten Jahr wieder sehr gute Fohlen auf dem Hof geben wird. HENDEN Aljaba soll die beiden Stuten BITA Banu und DRA Siyah Cheshm decken.

Natürlich sind die Caspian Horses nicht nur zum Streicheln da. Auch unterm Sattel machen sie eine gute Figur. „Mit denen kann man eigentlich alles machen – Springen, Dressur, Kutsche fahren oder auch Horse Agility“, erklärt Nina Witwar. So reiten zum Beispiel ihre beiden Söhne die kleinen Pferde. In diesem Jahr soll es vielleicht zum Turnier gehen.

Wer mehr über die Caspian Horses von Jan und Nina Witwar wissen möchte, kann auf die Internetseite www.ponyhoefchen.de schauen. „Ansonsten kann man uns auch einfach ansprechen und fragen und sich die Pferde ansehen“, sagt Nina Witwar.

Katharina Schulz

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