Die Natur schlägt zurück / Eichen bilden mehr Gerbsäure

Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung läuft

Die chemische Bekämpfung der Spinner-raupen vom Boden aus ist abgeschlossen.

Klötze / Altmarkkreis. Der Eichenprozessionsspinner und dessen Raupen haben die Region rund um Klötze auch in diesem Jahr voll im Griff.

Ob alte oder junge Exemplare: Der Eichenprozessionsspinner hat nahezu alle Eichen entlang des Weges von Kusey nach Schwarzendamm befallen.

Unter anderem an den mit Eichen gesäumten Verbindungen zwischen Kusey und Schwarzendamm sowie zwischen Kusey und Wenze fällt der Befall derzeit besonders auf. Teils riesige Nester der mit Brennhaaren bestückten Spinnerlarven haben sich dort an alten wie jungen Bäumen ausgebildet.

Die Stadt Klötze hat das „relativ kleine Zeitfenster, in der eine chemische Bekämpfung möglich ist, ausgenutzt“, so Ordnungs- und Bauamtsleiter Ulf Dittfach, und ließ Fachfirmen an sensiblen Bereichen wie Schulen, Kitas und Freibädern anrücken. Derzeit bereite sich die Verwaltung auf die biologische Bekämpfung, sprich Absaugen der Kokons, vor. Diese Variante werde aber nicht überall zum Einsatz kommen. „An landwirtschaftlichen Wegen macht das keinen Sinn, weil man nie alles wegbekommen würde – dort werden Warnschilder aufgestellt“, erklärte Dittfach auf AZ-Anfrage.

Kreisweit wurden rund 21 000 befallene Bäume von verschiedenen Firmen chemisch behandelt. „Es sieht ganz gut aus. Das Wetter spielte im Mai auch mit. Aber eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, schätzte Joachim Funke vom Kreisumweltamt ein. Für das Absaugen, das bis August läuft, stehen derzeit 1140 Eichen auf dem Zettel. Diese Zahl kann sich aber noch ändern. Denn die Bäume werden genau beobachtet. Insbesondere der Drömling rücke dabei ins Blickfeld. Denn auf den Naturschutzflächen darf nicht gespritzt werden, genauso wie in einigen Bereichen am Arendsee. Dort klagten jüngst Fahrradfahrer über Beschwerden.

Kreisweit wurden rund 21 000 befallene Bäume von verschiedenen Firmen chemisch behandelt.

Bei der Bekämpfung ziehen Kommunen, Kreis und Land in diesem Jahr an einem Strang. So gab es eine gemeinsame Ausschreibung, an der sich auch Privatleute beteiligen konnten. Diese müssen zwar die Kosten selbst tragen, kommen aber günstiger weg, als wenn sie sich selbst eine Firma suchen würden. Insgesamt rund 1500 Bäume auf Privatgrund wurden in den zurückliegenden Wochen bespritzt. Als praktisch habe sich erwiesen, dass diesmal Angestellte der Gemeinden mit dabei waren. „Sie konnten den Fachfirmen, die teilweise aus Baden-Württemberg kommen und unsere Region nicht kennen können, mit ihrem Wissen zur Seite stehen“, unterstrich Joachim Funke.

Eine Entscheidung, ob der Eichenprozessionsspinner 2017 wieder bekämpft werden muss, fällt im Herbst. Inzwischen zeige sich, so Funke, dass auch die Natur sich zu helfen weiß. So produzieren die Eichen mittlerweile offenbar mehr Gerbsäure als üblich. Dies mögen die Schädlinge nicht. Im Forstgebiet Ferchau, wo nie bekämpft wurde, taucht der Spinner inzwischen kaum noch auf. Auch dem Kuckuck kommt eine besondere Rolle zu. Er ist ein natürlicher Feind, ihm machen die für Menschen gefährlichen Brennhaare nichts aus.

Von Matthias Mittank und Christian Ziems

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