Experten wie Steinmetzmeister Hans-Hermann Zeplin raten zur konventionellen Grabsteinprüfung

„Die Kipp-Tester sind umstritten“

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Allein auf den beiden Klötzer Friedhöfen gibt es noch einige Grabsteine – zumeist älteren Datums – auf denen der grüne Aufkleber noch eine Unfallgefahr anzeigt.

Klötze. Der Klötzer Steinmetzmeister Hans-Hermann Zeplin erläutert, dass die Richtlinien für das Erstellen und Prüfen von Grabanlagen durch den Bundesinnungsverband des Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks festgelegt und der fortschreitenden technischen Entwicklung angepasst werden.

Insbesondere werden auch die Vorschriften zur Unfallverhütung auf Friedhöfen fortlaufend dem neuesten Stand der Technik angepasst.

Die Stadt Klötze, die die Grabsteinprüfung wieder für den 19. und 20. April in Auftrag gegeben hat, begründet diese mit „einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften“. Zu häufig würde es sich ereignen, dass Grabsteine umstürzen und dadurch erhebliche Personenschäden verursachen. Der Grund besteht zumeist in nicht standsicher errichteten Grabmalen, wenn etwa die Verdübelung zwischen Grabmal und Sockel mangelhaft vorgenommen ist oder aber die Standfestigkeit nachträglich durch Witterungseinflüsse oder das Senken des umliegenden Erdreichs nach dem Zusammenbrechen des Sargs verlorengegangen ist. Deshalb wird einmal jährlich auf den Friedhöfen der Einheitsgemeinde die Standfestigkeit der Grabsteine überprüft.

Gegen die pauschalen Vorwürfe der Stadt verwahrt sich der Klötzer Steinmetzmeister. „Das standsichere Versetzen von Grabanlagen ist eine der wesentlichen Tätigkeiten im Berufsbild des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks, da es sich um eine gefahrgeneigte Tätigkeit handelt“, erläutert Hans-Hermann Zeplin.

Das Fundamentieren und die Befestigung von Grabmalen erfolgt nach vorgegebenen Din-Normen, so dass die Fundamentierung und Verdübelung zwischen Grabstein, Sockel und Fundament das A und O eines standsicheren Grabmals sind. „Die Kenntnisse hierüber sind Teil einer dreijährigen Ausbildung zum Grabmalsteinmetzgesellen“, so Zeplin.

Die Prüfungen mit dem so genannten Kipp-Tester im vergangenen Jahr ergaben, dass etwa ein Viertel aller Grabsteine mit einem grünen oder sogar roten Aufkleber – für das sofortige Umlegen – versehen wurden. Das sorgte bei den Grabstättennutzern für Ärger, Unmut und Unkosten für die Richt- und Befestigungsarbeiten. „Ein Großteil der Reparaturarbeiten wurde uns als Fachfirma von den betroffenen Bürgern übertragen“, teilt Hans-Hermann Zeplin mit.

„Der Umfang der Arbeiten zur Wiederbefestigung hat solche Ausmaße erreicht, dass sie bis heute nicht völlig abgeschlossen werden konnten, da unser Tätigkeitsbereich nicht ausschließlich aus Reparaturarbeiten auf Friedhöfen besteht.“ Allein auf den beiden Klötzer Friedhöfen gibt es noch einige Grabsteine – zumeist älteren Datums – auf denen die grünen Aufkleber noch auf notwendige Arbeiten hindeuten.

Wie der Klötzer Steinmetzmeister weiß, haben zahlreiche Einwohner sich aufgrund der Prüfung entschlossen, ihre Gräber ganz einebnen zu lassen, um den jährlichen Kipp-Test zu umgehen. „Die Verwendung dieser Kipp-Tester ist in Fachkreisen umstritten“, erklärt der Steinmetzmeister weiter. Beim Einsatz des Kipp-Testers wurden sämtliche Grabsteine bis 120 Zentimeter Höhe mit einem Gegendruck von 50 Kilogramm getestet (wir berichteten), was nach Ansicht von Hans-Hermann Zeplin „völlig unverhältnismäßig“ ist. Diese Vorgehensweise bei der Überprüfung der Standsicherheit durch den übermäßigen und unsteten Druck führt zur Instabilität der Grabsteine. „Bei jährlicher Überprüfung werden die Grabmale sogar nach und nach losgerüttelt“, weiß der Klötzer Experte. Je mehr Druckprüfungen ein Grabstein über sich ergehen lassen muss, desto schneller wird er lose. „Der Aufwand hierfür steht in keinem Verhältnis zu dem eventuellen Gewinn an Sicherheit, ist aber ein beliebtes Geschäftsmodell für die an der Druckprobe verdienenden Kreise“, kritisiert Zeplin.

In der Stadt Wolfsburg, so nennt der Steinmetz ein Beispiel, werde auf den Kipp-Test verzichtet, da, so die Auskunft der zuständigen Abteilung, im Anschluss etwa Zweidrittel aller Grabsteine gelockert würden. Dort werden konventionelle Grabmalprüfungen bevorzugt.

Einen Kipp-Tester könne im Übrigen jeder erwerben, um sich dann damit selbstständig zu machen. Hans-Hermann Zeplin bedauert, dass die zugesagten Prüfberichte aus dem Vorjahr bzw. die von der Firma erstellte Dokumentation noch nicht zur Verfügung steht. Der Steinmetzmeister warnt davor, dass die Bürger selbst Hand an die Grabsteine anlegen. „Privatleute sollten kein Risiko eingehen und die Arbeiten einer qualifizierten Fachfirma überlassen.“

Von Monika Schmidt

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