Mäuseplage: Landwirte und Förster besorgt / Beutegreifer profitieren

„Die Burschen haben einen gesegneten Appetit“

+
In diesem Jahr droht im Wald und auf dem Feld eine Mäuseplage. Auf einem Winterraps-Schlag in der Nähe von Klötze-Nord (Foto) haben Feldmäuse bereits großflächig Pflanzen abgenagt und den Boden unterhöhlt.

Klötze. Überall in Deutschland warnen dieser Tage Landwirtschaftsverbände und Forstämter vor einer drohenden Mäuseplage infolge des milden Winters.

Nach Ansicht von Raimund Punke, Vorsitzender des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel, ist das für die Altmark nicht mehr nötig. „Wir haben die Plage bereits“, ist der Landwirt und Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft Klötze überzeugt.

Momentan bekommt der Betrieb in Klötze-Nord die einsetzende Massenvermehrung bei den Feldmäusen auf sämtlichen Wintersaaten und auch auf dem Grünland zu spüren. Genagt wird von den kleinen Tierchen dabei an allem was an der Pflanze so dran ist. „Die Burschen sind nicht sehr wählerisch und haben einen gesegneten Appetit“, so Punke. Dabei schätzt der Landwirt den reinen Flurschaden durch das Fressen gar nicht als das Hauptproblem ein. „Die Mäuse legen ein dichtes Netz an Gängen unter der Erde an. Treffen die Pflanzenwurzeln auf diese Hohlräume, dann sterben sie ab, weil sie an kein Wasser herankommen“, erläutert der Bauernverbands-Vorsitzende. Unter anderem sei das an gelben Stellen auf dem noch niedrigwüchsigen Winterraps zu sehen.

Hauptgrund für das nun massenweise Auftreten der Nager sieht Punke vor allem in dem wenigen Frost der vergangenen Monate. Denn dieser, verbunden mit viel Feuchtigkeit, macht den Feldmäusen den Garaus. „Solche Wetterlagen gab es nun schon zwei Winter in Folge nicht“, so Punke.

Um der Lage zumindest ein Stück weit Herr zu werden, vertraut die Milcherzeugergenossenschaft auf die Natur. „Wir stellen an den Feldrändern Sitzkrücken für Greifvögel auf“, so Punke. Andere Landwirte in der Region bringen zum Teil Gift mittels sogenannter Legeflinten aus. „Das ist ein Rohr, mit dem man zwei, drei Körner Giftweizen direkt in die Mäuselöcher hineinlegt“, erklärt der Landwirt.

Auch in der Forstwirtschaft ist man mittlerweile aktiv geworden. Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in Klötze, geht in den Privatwäldern ebenfalls von hohen Nagerbeständen aus. Vor allem die oberirdisch fressenden Kurzschwanzmäuse, zu denen die Erd-, die Rötel- und auch die Feldmäuse gehören, spielen in der Forstwirtschaft eine Rolle.

„Sie nagen von den jungen Bäumen die Rinde ab – fehlt diese um einen Stamm herum, ist der Saftfluss unterbrochen, und der Baum stirbt ab“, erklärt Jachalke. In erster Linie Laubhölzer, Douglasien und Lärchen sind davon betroffen. „Buchen bis zu einem Stammdurchmesser in Bierdeckelgröße“, so der Forstamtsleiter, der die Waldbesitzer dazu rät, junge Waldbestände im Auge zu behalten. Vor allem stark vergraste Flächen oder Waldpartien in der Nähe von Äckern und Stilllegungsflächen seien bedroht.

Bekämpft werden dürfe nur von sachkundigen Personen, und auch nur nach einer Kontrolle. Diese geschieht althergebracht mit Fallen oder in die Erde gesteckten Apfelreisern. „Sind nach einer Woche 20 Prozent der Apfelreiser ange-nagt, darf Gift ausgebracht werden“, erklärt Jachalke.

Im Klötzer Forst ist die Mäuseplage derzeit dagegen kein Thema. „Wir haben gemischte Bestände, liegen fernab von Ackerflächen und haben kaum Gatter, sodass Füchse und Wildschweine an die Mäuse herankommen“, erklärt sich Dietmar Schulze, Leiter des Landesforstreviers Klötze, die entspannte Lage.

Nutznießer der vielen Mäuse findet man vor allem in der Natur. So werden ausgesprochene Mäusejäger wie Füchse, Wiesel, Schleiereulen und Mäusebussarde dieser Jahr kaum Probleme bekommen, ihre Jungen großzuziehen.

Von Matthias Mittank

Kommentare