Als LPG gegründet: Agrargemeinschaft Schwiesau GmbH feiert 25-jähriges Bestehen

„Die Anfangsjahre waren wilde Jahre“

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Viele Gäste überreichten Präsente an Geschäftsführer Jürgen Beneke.

Schwiesau. Allen Grund zum Feiern gab es am Freitag in Schwiesau. Dort lud die Agrargemeinschaft Schwiesau GmbH anlässlich des 25-jährigen Bestehens ein.

Gemeinsam mit den Landeigentümern, den Mitarbeitern sowie Kooperations- und Geschäftspartnern wurde das Jubiläum begangen. Los ging es am Nachmittag mit einer Feldbesichtigung nebst anschließender Führung durch den Betrieb. Der Hof und die Ställe konnten ebenfalls besichtigt werden. In der ehemaligen Turnhalle fand anschließend der offizielle Teil und die Feier statt. Zunächst intern mit den geladenen Gästen, später war das ganze Dorf eingeladen.

Derzeit bewirtschaftet der Betrieb eine Fläche von etwa 750 Hektar. Angebaut wird unter anderem Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln. Unter den Knollen befinden sich Industrie-, Stärke- und Pflanzkartoffeln. 190 Milchkühe hat der Betrieb ebenfalls. Die derzeitig niedrigen Milch- und Fleischpreise machen auch den Schwiesauern zu schaffen.

Zum 25-jährigen Betriebsbestehen gab es für die Mitarbeiter der Agrargemeinschaft Schwiesau GmbH Jubiläums-T-Shirts.

Geschäftsführer Jürgen Beneke gab einen Rückblick über die Entwicklung des Unternehmens im zurückliegenden Vierteljahrhundert. So gründete sich der Betrieb am 1. Februar 1991 ohne Rechtsform. Als LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) nach DDR-Recht wurde er eingetragen. „Dass ich mit meiner politischen Einstellung mal LPG-Vorsitzender werden würde, hätte ich mir nie vorstellen können“, sagte Jürgen Beneke mit einem Schmunzeln. Damit war am 23. Dezember 1991 aber auch schon wieder Schluss. Die LPG musste zwangsumgewandelt werden, wie alle aus DDR-Zeiten stammenden Genossenschaften auch. So entstand die GmbH. Aus der Liquidation der Schwiesauer LPGen und des Schweinezuchtbetriebs konnte nach und nach vieles aufgekauft werden. „Die Anfangsjahre waren wilde Jahre“, resümierte Jürgen Beneke. Die Ställe wurden im Laufe der Jahre um- und ausgebaut, auf dem Kuhstalldach eine 100-kW-Photovoltaikanlage installiert. Ein besonderer Dank galt den ehemaligen Mitarbeitern und Kollegen, aber auch seiner Frau, die ihm immer unterstützte und den „Rücken freigehalten“ habe. Über die jährlichen Erträge der angebauten Kulturen und Ernteerfolge berichtete Jürgen Beneke ebenfalls. So brachte beispielsweise das Jahr 2014 mit 4700 Tonnen eine Rekordernte bei Kartoffeln. Finanziell lohne sich auch der Rapsanbau. Der europäische Zuckeranbau funktioniere gut, warum die Politik dies nicht auch bei der Milch umsetze, fragte sich der Geschäftsführer.

Sorgen bereite ihm auch, dass seit der Finanzkrise vermehrt das Großkapital in die Landwirtschaft dränge – dass somit Fremdkapital immer mehr Einfluss gewinne, die Politik aber nicht gegensteuere, um dies zu unterbinden.

Zum Fuhrpark: Im Jahr 1993 kaufte der Betrieb seinen ersten neuen Trecker. Heute gibt es drei Traktoren und einen Mähdrescher, die alle mit GPS ausgerüstet sind. Das funktionierte aber erst zuverlässig, nachdem das Unternehmen zusätzlich die Verbindung zu russischen Satelliten gebucht hatte. Vielleicht solle sich die Politik hieran mal ein Beispiel nehmen, regte Jürgen Beneke an. Für die Zukunft sieht der langjährige Geschäftsführer den Betrieb gut aufgestellt.

Von Wolfram Weber

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