Nach mutmaßlichem Wolfsriss: Marwedels verabschieden sich von Schafhaltung

Wolfsrisse: Die ersten Schafhalter in der Altmark geben auf

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Trauriges Ende der jahrelangen Tierhaltung: Ein Lamm ist spurlos verschwunden, ein Mutterschaf wurde per Kehlbiss getötet.

Klötze. André und Bnita Marwedel aus der Klötzer Schützenstraße ziehen einen Schlussstrich.

Nachdem in der vergangenen Woche auf ihrem direkt am Tierpark angrenzenden Grundstück zwei der neun Schafe mutmaßlich von einem Wolf gerissen wurden, verabschieden sich die beiden nach vielen Jahren von der privaten Viehhaltung. Gestern Abend wurden die letzten vierbeinigen Rasenmäher an den Klötzer Schafhalter Hubert Reinecke abgegeben.

Es war am Mittwoch vor einer Woche als Marwedels bemerkten, dass zwei Tiere aus ihrer Schafherde fehlten. „Da die Schafe bei den heißen Temperaturen öfters im Schatten liegen, ist uns das nicht sofort aufgefallen – am Abend hat dann mein Mann gesucht“, blickt Bnita Marwedel zurück. Ergebnis: Das schwächste Lamm war spurlos verschwunden, das älteste Muttertier lag mit Kehlbiss und aufgerissener Bauchdecke in einem Graben. Dass Isegrim am Klötzer Stadtrand am Werk war, steht für die Anwohnerin außer Frage. „Der Kehlbiss war für mich eindeutig.“

Der hinzugezogene Nutztierrissgutachter Peter Oestreich von der Referenzstelle Wolf in Arneburg kann für diese Annahme jedoch kein grünes Licht geben. Die Spurenlage deute zwar auf den Wolf hin. Aber: „Die Bisswunde war schon so sehr von Maden zerfressen, dass die Entnahme einer Gen-Probe oder die Untersuchung durch einen Veterinär nicht mehr möglich war. Wenn ein Tier bei 30 Grad länger als 24 Stunden tot herumliegt, ist eine Untersuchung in der Regel aussichtslos“, erläutert der Experte auf Nachfrage der AZ.

Der gestrige Abschied von ihren Schafen sorgte bei Marwedels mit Wehmut. „Wir haben einige unserer Tiere mit der Flasche großgezogen. Sie tot aufzufinden, dass wollen wir uns nicht noch einmal antun“, ist Bnita Marwedel mit ihrem Mann einer Meinung.

Nach nachweislich vom Wolf gerissenen Schafen in Immekath (21. April), in Ristedt (22. April) und am Breitenfelder Weg in Klötze (14. Mai) hat Isegrim nun vermutlich zum vierten Mal in Siedlungsnähe zugeschlagen.

Von Matthias Mittank

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