Windhose wütet: Etwa 300 Bäume im Drömling kippen um

Nach Sturmtagen in Kusey: Aufräumarbeiten voll im Gange

+
Gut 20 Bäume auf einen Streich entwurzelt – im Drömling bei Kusey riss eine Windhose ein großes Loch in eine der dort zahlreichen Hybridpappel-Reihen. Im gesamten Niedermoorgebiet kippten um die 300 Bäume um. Heute soll es wieder stürmisch werden.

Kusey. Nach den Sturmtagen Anfang Juli sind die Aufräumarbeiten im Drömling noch immer voll im Gange. Überall verstreut im Niedermoorgebiet sind, mal mehr, mal weniger, Bäume entwurzelt worden.

Besonders heftig erwischte es ein bei Kusey gelegenes Gebiet, in dem unter anderem an einem Graben mehr als 20 Pappeln in eins durch eine Windhose umgestürzt sind. „Für das Beseitigen der Sturmschäden haben wir bereits unsere naturschutzfachliche Zustimmung für etwa 300 Bäume, vor allem Pappeln, aber auch Weiden, Erlen und Birken, gegeben“, erklärt Wolfgang Sender, Mitarbeiter des Naturpark Drömling, auf Nachfrage der AZ.

Gerade das Beseitigen der zum Teil mächtigen so genannten Hybridpappeln – ein Kreuzungsprodukt aus heimischen und nordamerikanischen Pappel-Arten – bereitet Probleme. „Die Kosten für die Aufarbeitung übersteigt meist den Wert des Holzes“, weiß der Naturpark-Mitarbeiter. Dass gerade diese Baumart so stark betroffen ist, ist für Sender keine Überraschung. So sind Pappeln im Gegensatz zu Eichen Flachwurzler und durch ihre Schnellwüchsigkeit recht bruchanfällig. „Pappeln, die einen Stammdurchmesser von eineinhalb Metern haben, sind manchmal erst 70 Jahre alt“, weiß Sender vom Auszählen der Jahresringe bei gefällten Bäumen.

Was die in Teilen des Drömlings angelegten Hybridpappel-Reihen betrifft, wird sich das Landschaftsbild langfristig ohnehin wandeln. „Laut dem Pflege- und Entwicklungsplan soll die Hybridpappel durch heimische Gehölze wie Birke, Erle, Eiche, Weißdorn, Hasel und Holunder ersetzt werden“, erklärt der Naturpark-Mitarbeiter, der aber auch betont, dass es deshalb „keinen Kreuzzug gegen die Pappel“ geben werde. Wie sich nun zeigte, erledigt ein Teil die Natur selbst. Da, wo neu ausgebaute ländliche Wege durch Wurzeln geschädigt werden könnten, werden auch schon mal Pappeln gefällt – wie etwa am Röwitzer Pappeldamm im vergangenen Jahr. Nachgepflanzt werden muss aufgrund des Samenpotenzials im Boden nicht. „Dort wo Anfang der 1990er Jahre Pappeln entfernt wurden, gibt es jetzt prächtige Hecken“, so Sender.

Andererseits habe aber auch die Hybridpappel einen gewissen naturschutzfachlichen Wert. Vor allem in der Phase des Absterbens biete diese Baumart Lebensräume für Fledermäuse, Spechte sowie andere in Höhlen brütende Vogelarten. Die Entscheidung über eine Entnahme sei deshalb in manchen Fällen gar nicht so einfach.

„Es besteht auch für den Drömling das Interesse, Pappeln nachzupflanzen, dann aber die heimische Schwarz-Pappel“, erklärt der Naturpark-Mitarbeiter. Die Wuchsform der Schwarz-Pappel ist ungleichmäßiger und knorriger verzweigt als die der relativ gerade wachsenden Hybridpappel. Sie erinnert mitunter eher an eine Eiche. Die Bestände und damit auch die Samenspender dieser Baumart seien jedoch so gering, dass es derzeit noch zu wenig Pflanzmaterial auf dem Markt gebe.

Von Matthias Mittank

Kommentare