Klötzer Wolfsbeauftragter stellt klar: Jäger dürfen nicht einschreiten

Angefahrener Wolf wirft einige Fragen auf

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Rund um den Klötzer Forst, das haben Beobachtungen bei den großen Jagden im Herbst gezeigt, hielten sich zuletzt mindestens drei Wölfe – ein Pärchen und ein Einzelwolf – auf. Ob am Sonntagabend tatsächlich ein Wolf angefahren wurde, ist noch unklar.

Klötze. Nun ist mutmaßlich der Fall eingetreten, mit dem die Jägerschaft rund um Klötze schon länger gerechnet hatte:

Auf der L 19 zwischen Klötze und Schwiesau, also im Bereich des Klötzer Forstes, wurde am Sonntagabend kurz vor 19 Uhr wahrscheinlich ein Wolf von einem Pkw angefahren.

Die Aussagen der VW-Fahrerin bestätigen kann derzeit keiner, da das Tier in unbekannte Richtung flüchtete und am Wagen nicht mehr als ein paar Haare hinterließ. Eine Untersuchung der Proben soll Klarheit bringen.

Doch wie hätte gehandelt werden müssen, wenn der Wolf schwer verletzt im Bereich der Straße liegen geblieben wäre? Was, wenn der vermeintliche Wolf durch den Unfall vielleicht schwer verletzt wurde und sich jetzt quält? Über diese Frage herrscht im Altmarkkreis Salzwedel derzeit offenbar noch Unklarheit. „Der Wolf untersteht dem Naturschutzrecht – damit dürfen wir ihm als Jäger nicht nachstellen und ihn auch nicht von seinen Qualen erlösen“, stellte gestern der Klötzer Wolfsbeauftragte Eckhard Wegwarth klar. Auch die Polizei habe wohl nicht die Berechtigung, einen Gnadenschuss abzugeben. „Es muss ein Tierarzt hinzugezogen werden – das ist der Kenntnisstand, den wir derzeit haben“, erklärt Wegwarth, der davon ausgeht, dass für so einen Einsatz nicht jeder Veterinär ausgerüstet ist. „Ohne Betäubungsgewehr geht doch da niemand ran“, ist der Klötzer überzeugt. Doch ein bestimmter Tierarzt für den Fall der Fälle benannt wurde seines Wissens im Altmarkkreis bislang auch nicht. „Es kann doch nicht sein, dass sich ein angefahrener Wolf vielleicht noch stundenlang quälen muss“, spielt der Wolfsbeauftragte auf ähnlich gelagerte Fälle in Deutschland an und wünscht sich klare Vorgaben.

Auch gestern, nachdem sich die Autofahrerin bei der Gardelegener Polizei gemeldet hatte, herrschte zunächst keine Klarheit darüber, wer für den Fall zuständig ist. Wie das Polizeirevier Salzwedel mitteilte, habe die Rettungsleitstelle in Stendal die Untere Jagdbehörde des Kreises über den mutmaßlichen Wolfs-Unfall informiert. Doch wie die Jäger vor Ort ist auch diese Behörde für die unter Naturschutz stehende Tierart nicht zuständig.

Den ersten handfesten Nachweis für die Anwesenheit des Wolfes im Klötzer Forst hatte es am 27. Oktober 2014 gegeben. Damals konnte nicht nur ein Wolf gesichtet, sondern auch Wolfslosung (Kot) sichergestellt werden – die genetische Untersuchung dieser steht laut Wegwarth noch aus. Seitdem werden fast wöchentlich Wolfssichtungen gemeldet. Eine der kuriosesten ereignete sich Ende November, als eine Autofahrerin einen Wolf meldete, der ihr morgens um 8 Uhr auf dem Mittelstreifen der Schwiesauer Chaussee (L 19) entgegenkam. Auch an der Kakerbecker Chaussee gibt es regelmäßig Sichtungen.

Von Matthias Mittank

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