Zwei Gründe ausschlaggebend

Pfarrer Hans-Christof Rösner bewirbt sich nicht um neue Pfarrstelle Fleetmark/Jeetze

+
Pfarrer Hans-Christof Rösner verlässt die Altmark. Er kritisiert die Umstände der neuen Pfarrstelle Fleetmark/Jeetze.

Jeetze. Immer wieder werde er von den Menschen darauf angesprochen, gefragt: „Warum?“ – es versetze ihm einen Stich ins Herz, sagt Pfarrer Hans-Christof Rösner.

Die Rede ist von seinem Entschluss, seine Stelle als Pfarrer für die Pfarrstelle Jeetze aufzugeben, beziehungsweise sich nicht um die Stelle für den neuen Pfarrbereich Fleetmark/Jeetze zu bewerben.

Seit drei Jahren steht fest, dass die beiden Pfarrstellen Jeetze und Fleetmark zu einer zusammengelegt werden. Davon betroffen sind 22 Kirchengemeinden. Hans-Christof Rösner war der einzige, so erklärt er gegenüber der Altmark Zeitung, der vor drei Jahren für die Pfarrbereiche Jeetze, Fleetmark und Güssefeld ein Pilotprojekt vorgeschlagen hatte. Sein Vorschlag war es, ein Konzept für mindestens fünf Jahre auszuarbeiten, um die Pfarrstellen zu stabilisieren und wieder zum Wachstum zu bringen. Allerdings mit kleineren Zahlen, was die Kirchengemeindeglieder angeht. Denn die Regelung der Landeskirche verlangt, dass eine Pfarrstelle für 1250 bis 1350 Gemeindemitglieder zuständig ist. „Ich habe mit 1000 angefangen“, sagt der 56-Jährige, der seine Stelle in Jeetze vor 15 Jahren antrat. Mittlerweile seien es durch Sterbefälle und Wegzug deutlich weniger Mitglieder geworden. Dass aber auch mit niedrigeren Zahlen gut gearbeitet und darauf aufgebaut werden könne, dafür habe er genügend Literatur und Beispiele.

Entschieden wurde sich aber innerhalb des Kreiskirchenrates und der Kreissynode, die den Beschluss des Rates bestätigte, für die Zusammenlegung der Pfarrbereiche zum 1. Januar 2017. Rösner hätte die Möglichkeit gehabt, sich um die Stelle für den neuen Pfarrbereich zu bewerben, hat es aber unter den gegebenen Umständen abgelehnt. „Besonders kritisch sehe ich an der Zusammenlegung, dass in 22 Dörfern mit 22 Kirchen und Friedhöfen die Seelsorgearbeit auf der Strecke bleibt“, sagt der Pfarrer, der sich unter anderem auch ehrenamtlich im Förderverein der Jeetzer Kirche engagiert und als Seelsorger im Krankenhaus tätig ist, zu seinen Beweggründen. „Den letzten Anstoß, dass ich mich weg bewerbe, gab die Verlegung des Pfarrsitzes für die neue Pfarrstelle nach Fleetmark“, sagt Rösner: „Mein Kritikpunkt ist, dass dafür ein erheblich größerer Kostenaufwand nötig ist. Es gibt eine unabhängige Baustudie, laut der ganz deutlich das Jeetzer Pfarrhaus die bessere Bausubstanz besitzt.“ Auch bedauernswert sei es, dass man sich mit den Gemeindekirchenräten 15 Jahre lang um die Erhaltung und Pflege des Jeetzer Pfarrsitzes gekümmert habe: „Mir tut es besonders weh, dass unsere Bemühungen um das Grundstück und Haus nicht honoriert werden.“

Seine Familie gibt Hans-Christof Rösner jetzt besonders viel Halt – „Ohne sie wäre ich gar nicht soweit gekommen“ – und er ist „dankbar dafür, was wir gemeinsam mit den Gemeindekirchenräten und den Menschen in den Kirchengemeinden geschafft haben. Rösner bewirbt sich nun um eine Stelle in der Nähe von Oldenburg: „Dort herrschen Rahmenbedingungen, die so konzentriert sind, dass Pfarrerinnen und Pfarrer hauptsächlich Seelsorgearbeit in den verschiedenen Bereichen leisten können. „Wir werden hoffentlich die letzte Pfarrstelle mit über 20 Gemeinden sein. Es ist dringend notwendig, vorhandene finanzielle Mittel verstärkt in den ländlichen Raum zu investieren. Damit können Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die bisherige Gemeindearbeit einschließlich der Seelsorge wieder voranzubringen.

Der Wechsel des Pfarrers im Jeetzer Pfarrbereich kommt vermutlich im Spätherbst.

Von Hanna Koerdt

Kommentare