Familie Walter Heuer und Helfer ließen in Brunau uraltes Handwerk aufleben

Das Pflügen will gelernt sein

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Gabi Mente ist eigentlich Dressurreiterin. Gestern bearbeitete sie beim Lern- und Schaupflügen in Brunau aber stattdessen den Acker am Molkereiweg. Tino Fehse leitete sie an und führte das Gespann.

Brunau. Nachdem in der Nacht zu Sonntag bisher noch unbekannte Täter vermutlich auf Motocross-Rädern seinen Acker am Brunauer Molkereiweg zerfurcht haben, begann der Tag für Walter Heuer alles andere als gut.

Statt alles für das Lern- und Schaupflügen vorzubereiten, musste er erst einmal mit der Polizei sprechen und Anzeige erstatten. Nachdem diese den Schaden aufgenommen hatte, ging es dann aber mit den Vorbereitungen los, damit die Teilnehmer und Besucher wieder einen interessanten und schönen Tag erleben.

Streicheleinheiten für die vielen Pferde gab es von Hannah Markowski und Angelina Heuer (rechts).

Und das taten sie auch. Denn Walter Heuer, sein Sohn Danny oder auch Pflüg-Profis wie Tino und Dietmar Fehse, die das Pflügen von ihrem Vater „von der Pieke auf gelernt“ hatten, so Dietmar, zeigten fünf Lernwilligen, wie man den Acker bearbeitet. So müssen die Furchen zum Beispiel gerade verlaufen, beim Zusammenschlag darf kein Grün rausgucken und „der Vorschäler muss richtig eingestellt sein, damit das Grün, oder das was an der Oberfläche zu sehen ist, in die Furche gelegt wird“, so Walter Heuer. Er veranstaltete das Lern- und Schaupflügen am gestrigen Sonntag zum nunmehr 13. Mal. Pflügen kann er, „seitdem ich alleine gehen kann“, also schon von Kindesbeinen an. Mit 13 Jahren hat er zum ersten Mal einen Acker alleine gepflügt, erinnerte sich der Hobbylandwirt, der regulär Montagearbeiter und Staplerfahrer ist, zurück. Die Leidenschaft für das alte landwirtschaftliche Handwerk zeigt sich auch in seiner Sammlung landwirtschaftlicher Technik. Mindestens elf verschiedene Geräte und einige in mehrfacher Ausführung besitzt der Brunauer im Bereich Heutechnik, Kartoffeltechnik und zum Acker bestellen. Heuer nimmt regelmäßig an Entscheiden im Leistungspflügen statt, wo es ganz bestimmte Kriterien zu erfüllen gibt, „die Tiefe ist beim Preispflügen zum Beispiel vorgegeben“, so der 60-Jährige.

Doch in Brunau ging es gestern nicht darum, einen Sieger zu ermitteln, sondern um das Erlernen des Pflügens. Gabi Mente aus Erxleben übte sich darin. Eigentlich ist sie Dressurreiterin, „aber ich liebe die Arbeit mit Kaltblütern“, weshalb sie es sich nicht nehmen ließ, mit Horst und Bodo, so heißen die beiden Pferde ihres Freundes Stephan Heiland aus Wustrewe, und unter der Anleitung des Solpkers Tino Fehse den Acker zu bearbeiten. Heiland und Fehse sind beide Mitglieder der Interessengemeinschaft Zugpferde. „Die Pferde arbeiten beim Pflügen mehr und es gibt ganz bestimmte Kommandos“, so Fehse, der auch regelmäßig und deutschlandweit an Leistungsschauen teilnimmt.

Walter (v.l.) und Danny Heuer zeigten den Teilnehmern den richtigen Umgang mit den historischen Pflügen.

Katharina Hahn aus Bleckede hingegen geht es nicht um den Spaß am Pflügen. Sie hat sich einen historischen Pflug gekauft und möchte es richtig lernen, weil „ich mir in den Kopf gesetzt habe, eine Hobby-Selbstversorger-Landwirschaft zu betreiben“, so Hahn. Im Wendland hatte sie Walter Heuer einmal getroffen und war jetzt nach Brunau gekommen, um sich ihren Pflug vom Fachmann erklären zu lassen. Denn einen mechanischen Pflug für einen Trecker hat Katharina Hahn nicht. Ist auch nicht nötig, schließlich „ist erwiesen, dass mit Pferden pflügen besser für den Acker ist, als das mit Maschinen zu machen“, so Heuer. Die Bodendichtung (Festdrücken der Erde) durch Pferde sei nämlich viel geringer. Was ja auch sinnvoll ist, schließlich soll der Boden durch das Pflügen auflockern. Das ermöglicht zum Beispiel, dass der Boden im Winter besser gefriert und Feuchtigkeit besser aufnimmt.

Auch Frank Lemme war wieder beim Lern- und Schaupflügen dabei. Der Wiepker hatte seinen Wallach Nando dabei. Das sechsjährige süddeutsche Kaltblut ist „ein Exot in der Region“, so Lemme, der Nando gerade zum „Alleskönner“ ausbildet. Nando lernt nicht nur das Ziehen des Pfluges, sondern kann „vor dem Kremser gehen, mit mir durch Feuer reiten und schwimmen, macht beim Kränzchenreiten und bei Fuchsjagden mit“, überschlug Frank Lemme die vielfältigen Talente des Pferdes aus Bayern. Und wie ein richtiger Bayer, der auch noch ordentlich ranklotzt, gönnte sich Nando zwischendurch ein Bier. Kein Pils, sondern ein alkoholfreies Malzbier, „das ist gesund für Hufe und Fell“, so Frank Lemme. Und es schien Nando auch richtig gut zu schmecken.

Nicht nur für die Tiere, auch für die Besucher gab es in Brunau Leckereien. Sie ließen sich beim Zuschauen an Biergarnituren Gegrilltes, hausgemachte Kuchen, Kaffe, Bier und das ein oder andere Schnäpschen schmecken.

Von Hanna Koerdt

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