Vorarbeiten eines Bodenordnungsverfahrens laufen beim ALFF / 1154 Hektar neu zu vermessen und aufzuteilen

Neue Grenzen in Gemarkung Güssefeld

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Die ALFF-Sachbearbeiter Thomas Wagner und Katrin Jordan erklärten Verfahren, Ablauf und Kosten.

Güssefeld. Die Gemarkung Güssefeld (dazu gehört auch die Ortslage selbst), das ist eine Gesamtfläche von 1154 Hektar, soll neu vermessen und aufgeteilt werden.

Ein Antrag für ein Bodenordnungsverfahren liegt beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) vor.

Dessen Mitarbeiter Thomas Wagner und Katrin Jordan waren am Mittwochabend im Güssefelder Dorfgemeinschaftshaus, um den betroffenen Grundstücks- und Landeigentümern zu erklären, was beim Bodenordnungsverfahren, welches sich für Güssefeld jetzt noch im Vorverfahren befindet, konkret passiert und welche Kosten auf die Eigentümer zukommen. Denn um das Verfahren einzuleiten, muss auch deutlich werden, ob dies mehrheitlich mitgetragen wird. Vordergründiges Ziel ist es, einzelne Flächen, die verstreut liegen, aber den gleichen Eigentümer haben, zusammenzuführen. Dazu werden die Flächen neu vermessen, neue Grenzsteine gelegt und die Flächen wechseln den Besitzer. Im Normalfall werden sie getauscht, es gibt aber auch die Möglichkeit zum Kauf und Verkauf.

Die ALFF-Sachbearbeiter Thomas Wagner und Katrin Jordan erklärten Verfahren, Ablauf und Kosten.

Das Bodenordnungsverfahren bietet einige Vorteile wie die Klärung rechtlicher Konflikte mit Grundstücksnachbarn, ungeregelter Überbauungen und Nutzungen, fehlender oder beseitigter Erschließungen oder auch der Unkenntnis über die genaue Lage aber auch den genauen Wert der eigenen Flurstücke. Die Wertermittlung, die Grundlage für den Tausch ist, beruht auf einer Bodenschätzung: „Wir bewerten genau das, was wir draußen vorfinden.“ Beispielsweise ein Grünstück als eben solches und einen daraufliegenden Graben (wie den Augraben) dementsprechend als Gewässer.

„Bevor es zur Neueinteilung kommt, wird mit jedem Eigentümer gesprochen, und zwar einzeln unter vier Augen“, so Wagner. Bei der Besitzregelung wird den Eigentümern von der Behörde mitgeteilt, wo ihre neuen Flächen liegen. Kataster- und Grundbucheinträge werden entsprechend geändert. Widersprüche, die jederzeit eingelegt werden können, kämen bei jedem Bodenordnungsverfahren vor und seinen nichts außergewöhnliches, erklärte Thomas Wagner.

Auch die Ortslage Güssefeld soll neu vermessen werden. Das Verfahren sei ähnlich, allerdings sei der Hintergrund ein etwas anderer: Anhand von Luftbildern konnten die Anwesenden im Dorfgemeinschaftshaus sehen, dass einige Grenzen innerorts überbaut sind. Dies soll im Rahmen der Ortslagenvermessung geregelt werden: „Wir werden die Grenzen so ändern, dass die Nutzung und die Eigentumsgrenzen übereinstimmen“, erklärte Thomas Wagner. Im Regelfall sei es so, dass innerorts mindestens die Hälfte aller Grenzen geändert würden. Dazu würden alle Hofräume neu vermessen werden. Ausnahmen gebe es bei Gebäuden, die in den vergangenen 20 Jahren neu gebaut und bereits vermessen wurden. Hier gibt es Unterlagen und wenn diese richtig sind, können sich die Eigentümer, weil kein Handlungsbedarf besteht, von den Kosten befreien lassen.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Verfahrens ist der Wegeausbau. Diesen bestimmt auch die – wenn das Verfahren eingeleitet wird zu gründende – Teilnehmergemeinschaft bzw. deren gewählter Vorstand mit. Wagner hatte die Gemarkung Güssefeld im Frühjahr bereist und dabei festgestellt, dass beispielsweise der Kreuzschlagweg als Betonspurbahn ausgebaut werden müsste. Der Wegeausbau erschließe Ackerflächen und schaffe bessere Verbindungen zu den Straßen. Die Kosten des Bodenordnungsverfahrens teilen sich in Verfahrenskosten, die komplett das Land Sachsen-Anhalt trägt, und in Ausführungskosten. Letztere fallen den Teilnehmern, sprich den Eigentümern zur Last und werden mit 75 Prozent gefördert, so dass der Eigenanteil bei 25 Prozent liegt. Laut vorläufiger Kostenschätzung müssten die Güssefelder Eigentümer einen Betrag von knapp 205 000 Euro tragen. Diese Kosten haben die Teilnehmer nach dem Wert ihrer Flächen aufzubringen. So zahlt ein Landbesitzer, der 100 Hektar sehr guten Acker hat, mehr zahlt als einer, der 100 Hektar schlechten Acker hat, erklärte Thomas Wagner. Wenn man es allein auf die Flächen reduziere, würde jeder Teilnehmer etwa 200 Euro pro Hektar zahlen. Die Kosten können in vier oder fünf Raten alle zwei Jahre gezahlt werden. Für den Wegeausbau zahlen die Eigentümer als Solidargemeinschaft alle.

Die Laufzeit des Bodenordnungsverfahrens erstreckt sich auf etwa zehn bis 15 Jahre. Bevor es in Güssefeld losgehen könnte, müssen unter anderem noch die Träger öffentlicher Belange (Behörden, Ministerium, Kommune etc.) angefragt, oder auch die Wegeplanung im Detail erarbeitet werden.

Thomas Wagner geht davon aus, dass, wenn von allen Seiten Zustimmung kommt, der Einleitungsbeschluss zum Bodenordnungsverfahren Ende 2017 erlassen wird.

Von Hanna Koerdt

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