Ehemalige „Waldspatzen“-Erzieherin Birgit Fromm freut sich auf das Jubiläumsfest der Brunauer Einrichtung

„Die Musik war mein Steckenpferd“

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Birgit Fromm war bis 2012 Erzieherin bei den Brunauer „Waldspatzen“ und erinnert sich gerne an die Zeit zurück. Am kommenden Sonnabend ist sie beim Jubiläum natürlich dabei.

Vienau. Genau 40 Jahre ist es her. 1976 fing Birgit Fromm als Gruppenerzieherin im Kindergarten in Brunau an. Und: „Es war die schönste Zeit“, sagt sie.

Diese wird am kommenden Wochenende noch einmal lebendig, denn die Einrichtung, die inzwischen als Kinder-Eltern-Zentrum „Waldspatzen“ geführt wird, feiert sein 70-jähriges Bestehen.

Die Erzieherin hat gerne Kinderkonzerte veranstaltet.

2012 ging die 64-jährige Vienauerin, die von 1968 bis 1970 die pädagogische Schule in Magdeburg besuchte und 42 Jahre lang als Erzieherin gearbeitet hat, in Rente. Der Abschied ist „mir sehr schwer gefallen“, erzählt Birgit Fromm und packt dabei ihre Erinnerungskiste aus. Darin liegen gemalte Bilder, Gebasteltes, Zeitungsausschnitte und eine große Steppdecke, die mit den Fotos ihrer ehemaligen Schützlinge bedruckt ist. Oder auch eine Einladungskarte zu einem Kinderkonzert, die sie per Hand gestaltet hatte – „damals hatten wir ja noch keine Computer oder Drucker“. Denn „die Musik war immer mein Steckenpferd“, so Birgit Fromm: „Es war mir wichtig, dass Kinder eine musikalische Früherziehung erhalten. Ich bin jedes Jahr zur Weiterbildung nach Magdeburg gefahren und habe für den Umkreis Kalbe den Zirkelleiter für Musik übernommen.“ Sprich: Sie gab ihr Wissen an andere Erzieherinnen weiter. Vielleicht hat eine von ihnen dann auch das selbe getan, was Birgit Fromm tat: „Wenn die Kinder zu laut waren oder es chaotisch war, habe ich die Gitarre vom Schrank geholt und angefangen zu spielen und zu singen.“ Und schon wurden die Kinder ruhig und lauschten aufmerksam.

Ein Jahr lang war Birgit Fromm auch die Leiterin der Kita, aber „ich wollte nicht Leiterin sein, ich wollte nur für die Kinder da sein. Ich war immer Erzieherin mit Herzblut.“ Nach ihr übernahm Sabine Otte die Leitung in Brunau. Birgit Fromm war bis zu ihrer Rente Sabine Ottes Stellvertreterin.

Und noch heute ist Birgit Fromm immer gerne zur Stelle, wenn Sabine Otte sie braucht, zum Beispiel um einen Kuchen für eine Veranstaltung zu backen. Zum Jubiläum, welches am kommenden Sonnabend ab 12 Uhr in der Kita gefeiert wird (außerdem feiert der Sportverein auf dem Sportplatz nebenan ab 10 Uhr sein 110-jähriges Bestehen), ist sie allerdings „nur als Gast eingeladen. Aber ich habe gefragt, ob ich nicht etwas backen soll“. Braucht sie aber nicht. Das Kita-Team, zu dem inzwischen auch ihre Tochter Virginia Fromm gehört, scheint alles im Griff zu haben für das Jubiläum.

Birgit Fromm freut sich schon auf das Ereignis. „Ich bin gespannt wer so kommt“, sagt sie und hofft, dass ehemalige Kolleginnen zum Fest kommen, auch aus anderen Einrichtungen „für schöne Gespräche“ und Erinnerungen. Zum Beispiel an die Indianerfeste im Wald. Oder auch um zu resümieren, was sich so alles in den vielen Jahren verändert hat. Zum Beispiel die Tatsache, dass nach der Wende „irgendwie offener gearbeitet“ wurde, erklärt Birgit Fromm: „Es war plötzlich nicht mehr nur ‘meine Gruppe’, sondern ‘unsere Kinder’.“ Das Verhältnis zu den Kindern und auch den Eltern habe sich 2007 noch intensiviert, als aus der Kita ein Kinder-Eltern-Zentrum wurde: „Früher haben die Eltern die Kinder nur gebracht, Hallo gesagt, vielleicht noch das Wichtigste gesagt, wenn nachts zum Beispiel etwas war.“ Doch dann wurden die Eltern auch in die Kita-Angebote mit eingebunden. Und der Anbau, für den sich Sabine Otte lange eingesetzt und der 2010 realisiert wurde, gab auch sein Übriges dazu: „Wir haben dadurch viel mehr Möglichkeiten bekommen“, so Birgit Fromm. Beispielsweise konnte der Morgenkreis dann mit allen gemeinsam stattfinden, anstatt nur in den einzelnen Gruppenräumen. Und auch mit den Eltern wurde dort morgens gleich noch viel mehr besprochen und erzählt. Da verwundert es nicht, dass die Eltern, als Birgit Fromm in Rente ging, auf ein Plakat für sie geschrieben haben, dass sie nicht nur für ihre vielen Kinder, sondern „auch für uns selbst immer eine liebe Ersatzmama“ war.

Drei Generationen hat die „Ersatzmama“ mit großgezogen. Viele der Kinder und Eltern sieht sie auch heute noch oft, zum Beispiel beim Einkaufen in Brunau: „Manchmal komme ich ganz spät vom Einkaufen zurück. Dann fragt mein Mann: ‘Wo warst du?’ und ich sage: ‘Ich habe den getroffen und den und den’.“ Und jeder will dann natürlich auch erzählen.

Beim Jubiläumsfest wird es sicherlich auch viel zu erzählen geben. Und vielleicht, „wenn die Möglichkeit da ist, nehme ich die Gitarre von Frau Otte und singe“, so Birgit Fromm. Da würden sich bestimmt einige große und kleine Kinder dazugesellen.

Von Hanna Koerdt

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