Staatssekretär Thomas Wünsch und LAGB-Präsident Kurt Schnieber: 

"Silbersee"-Informationen ungenügen: "Man hätte kritischer nachfragen sollen"

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Thomas Wünsch, Staatssekretär des Wirschaftsministeriums, Kurt Schnieber (LAGB) und Frank Ranneberg informierten gestern in Kakerbeck über die Lage am Brüchauer Silbersee.

Kakerbeck. Ja, man hätte von behördlicher Seite aus gleich kritischer nachfragen sollen.

Und auch beim Gutachter, den das Unternehmen GDF Suez (heute Engie) mit dem Erstellen des Abschlussberichtes zur Schließung der Bohrschlammdeponie Brüchau beauftragt hatte, sei offensichtlich die Tatsache, dass für besagten Bericht nicht der gesamte Schadstoffgehalt des „Silbersees“ berücksichtigt worden ist, „anscheinend untergegangen“, räumt Kurt Schnieber, Präsident des Landesamtes für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) ein. Allerdings sei bereits bei der Sichtung des Berichtes in Magdeburg im Juli 2015 deutlich geworden, dass dieser noch viele Fragen aufwirft. Was den Inhalt des Silbersees angehe, so wäre man „vielleicht“ noch darauf gestoßen, hätte man sich dann in der Behörde tiefer damit befasst, bevor das Thema öffentlich diskutiert wurde. „Aber wenn es jetzt so ist, umso besser“, so Schnieber.

Wieso man den genauen Inhalt der Bohrschlammdeponie nicht kenne, erklärt Thomas Wünsch, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, bei einem Pressegespräch vorab des gestrigen Informationsabends in Kakerbeck (mehr dazu in der morgigen Ausgabe) damit, dass von den Betreiberfirmen vor der Wende keine Unterlagen geführt wurden, die konkret und ausführlich darüber Auskunft gaben, welche Stoffe eingelagert wurden. In erster Linie müsse dies nun geprüft werden. Denn aus Sicht der Behörden genügen die jetzigen Ergebnisse und Informationen nicht, um entscheiden zu können, ob eine Abdeckung oder eine Auskofferung die sicherere Schließungsvariante darstellt. „Es gibt keine Vorentscheidung“, betont Wünsch dabei. Von Seiten des LAF würden für die Schließung der Brüchauer Bohrschlammdeponie ohnehin Gelder bereit stehen. Brüchau sei finanziell gesehen sogar ein kleinerer Fall. „Für uns ist Brüchau derzeit aber der schwierigste Fall“, äußert sich Frank Ranneberg vom Wirtschaftsministerium.

Die Untersuchungen (ein umfassenderes Monitoring sowie der Bau neuer Brunnen zur Untersuchung des Grundwassers) könne nach jetzigem Informationsstand ein bis eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Ein Grundwasserschaden bestehe am unteren Bereich der Deponie. Allerdings könne nicht genau gesagt werden, ob dieser von der Deponie herrühre. Es sei lediglich der Salzgehalt erhöht, was einen natürlichen Ursprung haben könnte. Zwar sei der untere Grundwasserleiter betroffen, aber bisher gebe es keine Belege dafür, dass „Umwelt und Mensch von Schadstoffen belastet werden“, sagt Wünsch. Dass auch Messwerte des radioaktiven Radiums erhöht sind, sei laut Schnieber auch nicht sicher auf die Deponie zurückzuführen. In dieser Höhe auf eine natürliche Ursache allerdings ebenfalls nicht, so Schmieder auf Nachfrage. Deshalb müsse weiter untersucht werden, sagt Thomas Wünsch. Und die Öffentlichkeit werde in weiteren Informationsveranstaltungen auf dem Laufenden gehalten werden.

Von Hanna Koerdt

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